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58 Flüchtlinge: „Kieler Modell“ in der Oldesloer Straße

Bad Segeberg 58 Flüchtlinge: „Kieler Modell“ in der Oldesloer Straße

Stadt will marode Obdachlosenunterkunft abreißen und an der Stelle ein dreistöckiges Gebäude bauen — Bürgermeister Schönfeld hofft auf zügige Genehmigung durch Kreis.

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Das Gebäude Oldesloer Straße 79 soll abgerissen, dafür ist an der Stelle noch für 2016 eine Asylbewerberunterkunft geplant.

Quelle: Uwe Lau/glombik

Bad Segeberg. . Die Oldesloer Straße 79 in Bad Segeberg, das Obdachlosenhaus, soll abgerissen werden. Dafür soll dort noch in diesem Jahr eine Asylbewerberunterkunft mit 58

Plätzen entstehen. Das wäre zeitlich rekordverdächtig.

Die Baugenehmigung für eine Asylbewerberunterkunft nach dem „Kieler Modell“ an der Theodor- Storm-Straße liegt für die Wankendorfer Baugenossenschaft ganz frisch vor, da plant jetzt nach Angaben von Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) auch die Stadt, in Eigenregie ein großes Haus auf diese Art zu errichten. Denn die Stärke des „Kieler Modells“ liegt in der Flexibilität: Die Standardhäuser können je nach Bedarf als zentrale Flüchtlingsunterkunft und langfristig als Sozialwohnung für Familien oder Senioren genutzt werden. Die Stadt möchte dafür ihre baufällige Obdachlosenunterkunft — sie wäre nur mit großen Aufwand zu sanieren — abreißen.

Schönfeld: „Die Obdachlosen werden wir anderweitig unterbringen, zumal wir deren Zahl durch die hervorragende Arbeit der städtischen Mitarbeiterin Verena Frenz stark reduzieren konnten.“ Die Stadt, so rechnet Schönfeld vor, habe den „Bienenhof“ in der Südstadt für Flüchtlinge eingerichtet, viele Wohnungen angemietet, müsse im laufenden Jahr noch für etwa 150 Asylbewerber eine Lösung finden.

Schönfeld schwebt auf dem städtischen, zentral gelegenen Grundstück erst der Bau der Asylbewerberunterkunft und später eine Umrüstung auf barrierefreies, seniorengerechtes Wohnen nahe der Einkaufszentren vor. Schönfeld möchte, dass die Stadt selber baut. „Das macht uns nicht ärmer“, das städtische Vermögen werde sich im Verhältnis zu den Darlehen, die die Stadt aufnehmen müsse, in der Waage halten. Die Stadt als Bauherrin hat schon einige Vorstellungen für das Bauwerk, möchte eine Teilunterkellerung, damit die Flüchtlinge dort ihre Wäsche trocknen oder ihre Freizeit gestalten können. Es würden Gemeinschaftsküchen eingebaut, aber auch Wohnungen mit Kochgelegenheiten.

Für Schönfeld ist auch wichtig, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, die monieren, dass Asylbewerber bislang nur in der Südstadt untergebracht werden. Damit das Ganze wirtschaftlich sei, müsse dreistöckig gebaut werden. Die Stadt arbeite bei dem Bauvorhaben mit dem Kieler Architekturbüro „Zastrow und Zastrow“ zusammen. Das hat das „Kieler Modell“

miterfunden. Schönfeld: „Wir hoffen, dass der Kreis hier mitgeht und uns kurzfristig eine Baugenehmigung erteilt. Sonst würden wir 2016 nicht mehr fertig werden.“ Die Stadt will dazu das Ihre tun. In einem beschleunigten Bebauungsplan-Verfahren sollen die Flächen in der Oldesloer Straße 79 und dem dahinterliegenden Schuppen (79a) überplant werden. Dieses Gebäude, das die Kalkberg GmbH offenbar für Requisiten nutzt, sei, so Schönfeld, nur vorsorglich mit in den B-Planentwurf aufgenommen worden. Laut Vorlage für die Stadtpolitiker sollen aber beide Gebäude abgerissen und durch den Neubau ersetzt werden. Wenn alles klappt, ist die Stadt bislang ohne Turnhalle als Notunterkunft ausgekommen. Schönfeld nicht ohne Stolz: „Wir haben die Lage im Griff.“

Kaum noch Wohnungen
Wo können Flüchtlinge wohnen? Nachdem das Land sie in Erstaufnahmeeinrichtungen betreut hat, müssen sie in kommunale Gemeinschaftsunterkünfte oder in Wohnungen ziehen. Doch auch in Bad Segeberg ist der Wohnungsmarkt eng. Helfen soll das Kieler Modell, entwickelt von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen in Kiel. Ausgangsmodell ist ein Wohngebäude, das sich schnell und preiswert vom örtlichen Handwerk realisieren und an die Bedürfnisse der jeweiligen Bewohner — erst Flüchtlinge, später Senioren oder Familien — anpassen lässt.

Wolfgang Glombik

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