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Alireza Habibis Traum: Profi-Fußballer

Trittau Alireza Habibis Traum: Profi-Fußballer

Der zwölfjährige Flüchtling, der seit 2013 in Trittau lebt, geht mittlerweile aufs Gymnasium — er ist gut integriert.

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In Deutschland angekommen: Alireza Habibi (12) mit seiner Mentorin Anne Düren. Zu der 72-jährigen Trittauerin kommt der Schüler immer nach dem Unterricht und macht Hausaufgaben.

Quelle: K. Kuhlmann-Schultz

Trittau. „Du bist aber groß geworden“, fast jedes Kind rollt mit den Augen, wenn dieses Erstaunen seine Runde macht. Alireza Habibi rollt nicht mit den Augen, er nimmt es einfach mit Humor und lächelt. „Ja, damals war ich noch klein.“ Damals, das war vor einem Jahr. Im Rahmen der Aktion „Hilfe im Advent“ hatten die LN seine Geschichte aufgeschrieben. Die Geschichte seiner afghanischen Familie die vor den Taliban geflüchtet war, die im Iran auf eine neue Zukunft hoffte. Und sie nicht fand. Die ein zweites Mal auf die Flucht ging, gefährlicher diesmal, und sich dabei trennen musste. Die Geschichte von Alireza, der mit seiner Mutter Nurie 2013 in Trittau landete. Erst ein Jahr später konnten sein Vater Mohammad und sein großer Bruder Mohammedreza nachkommen.

Alireza lief damals beinahe direkt in die Arme von Anne Düren. Einer Nachbarin, die sich sofort mit großem Herzblut um den Jungen kümmerte — und seine Mutter. Gut erinnern sich Düren und Alireza wie sie ihn gleich zum Fußball des TSV Trittau schleppte, um ihn schnell zu integrieren. Damals sprach Düren „vom weltbesten Verteidiger“, heute träumt Alireza davon, beim FC St. Pauli Karriere zu machen, Profifußballer zu werden. Er könnte beim Kiez-Club sofort anfangen. Aber „wer soll ihn immer zum Training fahren“, so Anne Düren. So bleibt er dem TSV erhalten. Und letztlich: So ein bisschen möchte seine Mentorin ihm diese Flausen auch lieber aus dem Kopf nehmen. „Er soll erst einmal Abitur machen, das ist das Wichtigste. Denn er ist wirklich ein guter Schüler.“ Was der Schulleiter des Trittauer Gymnasiums, Edgar Schwenke, nur bestätigen kann. „Er ist ein unheimlich wacher Schüler, er ist hier wunderbar integriert“, erklärt er. Schwenke würde es begrüßen, wenn noch mehr so kluge Flüchtlingkinder auf seine Schule kommen würden, wenn sie Deutsch gelernt haben.

Alireza besucht die 6e, ist seit Januar diesen Jahres auf dem Gymnasium. Vorher besuchte er die DaZ-Klasse der Gemeinschaftsschule in Reinbek. Die Lehrer hielten große Stücke auf ihn — und setzen sich für einen Wechsel auf das Trittauer Gymnasium ein. Damals wie heute ist Mathe sein Lieblingsfach, hinzugekommen ist noch Physik. Er lernt Englisch, Französisch, verfeinert seine Deutschkenntnisse, zaubert und zeichnet gerne. „Ich habe auch schon meinen Vater gemalt“, erzählt Alireza. „Er fand es toll.“ das freut den Zwölfjährigen ganz besonders. Denn seinem Vater eine Freude zu machen, bedeutet ihm viel. „Beide Eltern machen jetzt einen Integrationskurs“, erzählt Anne Düren. Und weiß, dass es ihnen nicht so leicht fällt, wie ihrem kleinen Sohn. „Der Papa hat es am schwierigsten“, weiß Düren. „Er leidet mit Sicherheit an einem Trauma.“ Aber „er wacht langsam auf, wird lockerer, fröhlicher und lacht auch schon mal“. Alireza freut sich, er wirkt glücklich. „Mein Vater kommt auch schon mal mit zum Fußball, das hat er früher nicht gemacht.“

Anne Düren glaubt, dass Alireza in Deutschland „angekommen ist“, wie sie sagt. „Mein großer Bruder sagt zu mir, dass ich manchmal im Traum Deutsch spreche“, Alireza, dessen Heimatsprache Persisch ist, findet das witzig. Und zählt für ihn typische deutsche Eigenarten auf: „Schwein zu essen ist deutsch, pünktlich zu sein auch und viele Pommes zu essen, das finde ich, ist auch typisch deutsch.“

Apropos sein großer Bruder . Der 17-jährige Mohammedreza geht in Reinbek zur Schule. Und hat ebenfalls ein Mitglied aus der Familie Düren, das sich um ihm kümmert: „Mein Mann Wolfgang macht das.“

Was für ein Glück für diese Familie aus Afghanistan, die immer mehr Fuß fassen kann in einem sicheren Land. Aber auch Anne Düren fühlt sich reich beschenkt. „Ich bekomme so viel zurück.“

Grundsätzlich müsse man sich intensiv um die Kinder kümmern die kommen, das sei ein Teil der Zukunft. „Wir brauchen diese Menschen, wir sollten nicht immer so tun, als ob wir sie nicht brauchen würden. Wir leben hier im Paradies. Wir haben alles.“ Die 72-Jährige, die auch zum Trittauer Freundeskreis der Flüchtlinge gehört, ist froh, dass in ihrer Heimatgemeinde viel Positivs für Flüchtlinge passiert. „Es ist großartig, was hier läuft.“

Alireza ist mittlerweile fast wie ein eigenes Kind im Hause Düren. Der Schüler kommt jeden Tag nach dem Unterricht, um in aller Ruhe seine Hausaufgaben zu machen. Manchmal kommt auch seine Mutter Nurie vorbei. Fehlt nur noch seine große Schwester Parisa mit ihrem Mann und kleinem Sohn, aber die leben immer noch im Iran. „Ich wünsche mir, dass meine ganze Familie zusammen ist“, erzählt Alireza. Es ist sein einziger Wunsch. Denn das Abitur, das „braucht man sich ja nicht zu wünschen, das macht man schon“, sagt der junge Flüchtling. Er ist eben groß geworden, der Alireza.

Spenden für den Kinderschutzbund und Flüchtlingsinitiativen

4635 Euro sind bislang bei der diesjährigen Lübecker Nachrichten-Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ zugunsten von Flüchtlingen und speziell den Kindern zusammengekommen. Die Spenden gehen diesmal an den Kinderschutzbund Stormarn und die diversen Flüchtlingsinitiativen.
Gespendet haben Uwe und Anita Wickmann (10 Euro), Petra Kott (15 Euro), Hans-Joachim Lübke (400 Euro), Eckhard Jonas (30 Euro), Silke Woelk (20 Euro), Maren Nietert-Faist (30 Euro), Norbert und Kirstin Kölln (20 Euro), Dietmar und Rosemarie Lotzmann (50 Euro).


Das Konto bei der Sparkasse Holstein lautet DE92 2135 2240 0179 0710 71 (Iban), der BIC heißt NOLADE21HOL, Verwendungszweck Spende: Hilfe im Advent, Kontoinhaber ist der Kinderschutzbund. Die Spender werden mit Namen veröffentlicht. Es sei denn, sie möchten dies ausdrücklich nicht.

K. Kuhlmann-Schultz

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