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Flüchtlinge feiern ihre erste Weihnacht in der neuen Heimat

Bad Oldesloe/Reinfeld Flüchtlinge feiern ihre erste Weihnacht in der neuen Heimat

Männer aus Irak, Iran und Afghanistan leben in einer Turnhalle in Bad Oldesloe.

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Claudia Liedtke kümmert sich zusammen mit Kurt Reuter (2. v. l.) sowie weiteren Helfern um die Flüchtlinge.

Quelle: M. Thormählen

Bad Oldesloe. Hell strahlt das Neonlicht von der hohen Decke, auf dem Hallenboden sind zwölf Schlafkabinen mit schmucklosen Zwischenwänden abgetrennt — von heimeliger Atmosphäre ist dieser Tage in der kargen Turnhalle der Klaus-Groth-Schule wenig zu spüren. Das spiegelt auch die Stimmung der Flüchtlinge wider, die ihr erstes Weihnachtsfest und den Jahreswechsel in Bad Oldesloe verbringen. „Wir sind sehr froh, hier zu sein. Und jetzt brauchen wir neue Hoffnung“, sagt Homarani, 27-jähriger Flüchtling aus dem Irak.

Ein bisschen Hoffnung verspüren die elf Männer im Alter zwischen Mitte 20 und Mitte 30, denen die Stadt ein Notquartier in der Sporthalle eingerichtet hat. Vorgesehen ist, dass die Flüchtlinge aus dem Irak, dem Iran und Afghanistan bis Mitte Januar auf dem Schulgelände an der Königsberger Straße leben werden. Die Klaus- Groth- Schule hat sich schnell auf die Situation eingestellt. Während der Weihnachtsferien ruht ohnehin der Unterrichtsbetrieb, und einige Sportstunden müssen eben mal ausfallen. Die Grundschüler haben sich schon mit der aktuellen Situation auseinandergesetzt und für ihre neuen Nachbarn einige schöne Bilder gemalt.

Diese herzliche Aufnahme mag den Männern ein Trost sein in der für sie fremden Umgebung — hier glitzern die Weihnachtssterne und leuchten die Tannenbäume in der Adventszeit. „Auch wir kennen das Weihnachtsfest im Irak“, erläutert Homarani, der in seinem Heimatland als Krankenpfleger in einer Klinik arbeitete. Es habe auch Geschenke gegeben. Der 27-Jährige ist — ebenso wie alle weiteren Flüchtlinge ein Muslim — er hat aber bisher „keinen Plan, wie wir Weihnachten verbringen können.“ Assad (28), der auch aus dem Irak geflüchtet ist, ist jedenfalls davon überzeugt, dass „wir zusammen sitzen werden, um etwas zu feiern.“

Vielleicht gibt es dann ja auch einen geschmückten Tannenbaum, der zumindest für ein wenig Besinnliches in der nur Funktionalität ausstrahlenden Turnhalle sorgt. An einem guten Essen wird es jedenfalls nicht mangeln. „Selbstverständlich werden die Flüchtlinge auch an den Feiertagen mit frischen Mahlzeiten verpflegt“, sagt Claudia Liedtke, die sich zusammen mit Kurt Reuter vom Verein Kaktus sowie weiteren ehrenamtlichen Helfern um die Essensausgabe kümmert. Die Lebensmittel werden von einem Lieferanten gebracht. „Alle Speisen werden ohne Schweinefleisch zubereitet“, erläutert Claudia Liedtke. So werde auf den Glauben der Muslime Rücksicht genommen. Es gebe viel Obst und Gemüse sowie Geflügel oder Rind — und das auch an den Feiertagen.

Trotz aller Bemühungen — nach den Erfahrungen der Flüchtlinge ist die Verpflegung gewöhnungsbedürftig. „Das Essen ist nicht so, wie wir es kennen“, sagt Homarani. In ihren Reihen gibt es einen jungen Mann, der als Koch arbeitete. Vielleicht kann er in der Schulküche der Klaus-Groth-Schule ein Essen zubereiten, das zu Weihnachten auf den Tisch kommt — das jedenfalls wäre ein Wunsch vieler.

„Vielleicht werden wir ja auch eingeladen“, hofft Assad. Er möchte unbedingt viel Neues kennenlernen. Und die ersten Eindrücke von der neuen Heimat sind durchaus vielversprechend. „Wir waren schon in der Stadt und finden Oldesloe sehr schön“, sind sich Assad und Homarani einig.

Die beiden jungen Männer sind vor etwa vier Monaten nach Deutschland gekommen und verbrachten etliche Wochen in der zentralen Erstaufnahme des Landes in Neumünster. Jetzt hoffen sie auf die Zusage, unbegrenzt hier leben zu dürfen — als Flüchtlinge aus dem Irak ist ihre Bleibeperspektive durchaus gut. „Wir wollen möglichst schnell die deutsche Sprache lernen und dann für Deutschland auch etwas tun“, sagen sie.

Weihnachtsmann aus Pakistan
Harun Qazi ist 50 Jahre alt. Er hat einen grauen Rauschebart und trägt einen roten Mantel. Seit 25 Jahren arbeitet er als Weihnachtsmann. Auch in Trittau ist er unterwegs. Er kommt aus Pakistan, einem muslimisch geprägten Land: „Christen und Muslime möchten das Gleiche — das Gute.“
Es kann weiter gespendet werden

8850 Euro sind mittlerweile bei der LN-Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ zugunsten von Flüchtlingen und speziell den Kindern zusammengekommen.
Die Spenden gehen diesmal an den Kinderschutzbund Stormarn und Flüchtlingsinitiativen.
Gespendet haben Katrin Maria Vos (200 Euro) und Renate Loemker (30 Euro).


Das Konto bei der Sparkasse Holstein lautet DE92 2135 2240 0179 0710 71 (Iban), der BIC heißt NOLADE21HOL, Verwendungszweck Spende: Hilfe im Advent, Kontoinhaber ist der Kinderschutzbund. Das Konto bleibt geöffnet. Die Spender werden mit Namen veröffentlicht. Es sei denn, sie möchten dies ausdrücklich nicht.



Neu ist diesmal die Spende per GiroCode bzw. QR-Code (siehe unten). Ganz einfach den Code über die kostenfreie Banking-App mit dem Smartphone scannen — alle relevanten Zahlungsdaten erscheinen automatisch in der Überweisungsmaske — und über die Banking-App fünf Euro spenden (Zahlung per TAN freigeben). Auch ein anderer Betrag ist möglich.
Reinfelder Schüler zu Gast im St. Josef
Überraschung noch vor dem Weihnachtsfest: Jugendliche der Immanuel-Kant-Schule in Reinfeld beköstigten die jungen Flüchtlinge, die zurzeit im Kinder- und Jugendhaus St. Josef in Bad Oldesloe untergebracht sind, mit einem schmackhaften Frühstück. 150 Brötchen hatten die Schüler aus den Klassen 9 f und 10 f mitgebracht. Außerdem überreichten die Jugendlichen aus Reinfeld große Geschenktüten. Darin befanden sich Süßigkeiten sowie Kleidungsstücke.
Die Begegnung ging allerdings nicht nur in geschlossenen Räumen über die Bühne. Auch ein Fußballspiel auf dem Außengelände von St. Josef stand auf dem Programm. Die Kant-Schüler hatten sich zuvor bei einem Projekt mit dem Thema „Flucht und Vertreibung“ auseinander gesetzt. Im St. Josef in Bad Oldesloe leben Flüchtlinge, die minderjährig und ohne Begleitung Erwachsener nach Deutschland gekommen sind.

Michael Thormählen

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