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Flüchtlinge ins Gewerbegebiet?

Reinfeld/Stubbendorf Flüchtlinge ins Gewerbegebiet?

Das Land hat eine Anfrage für Reinfeld/Stubbendorf gestellt. Doch die WAS will die Flächen nicht verkaufen.

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Das Stubbendorfer Gewerbegebiet ist wegen seiner Autobahnnähe für Firmen interessant.

Quelle: Fotos: Ukk/ln-Archiv

Reinfeld. Das Stubbendorfer Gewerbegebiet soll zu den Standorten gehören, die das Land für die Schaffung einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Erwägung zieht. Aber auf Frage nach der Zahl der dort aufzunehmenden Menschen und nach dem vom Ministerium favorisierten Grundstück heißt es nur: Das Land prüfe mehrere Standorte. Zu einzelnen Orten können keine Angaben gemacht werden.

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Das Stubbendorfer Gewerbegebiet ist wegen seiner Autobahnnähe für Firmen interessant.

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Dabei heißt es hinter vorgehaltener Hand im Dorf bereits, dass es in Kiel bereits konkrete Vorstellungen zu einer ganz bestimmten Fläche gebe. „Stubbendorf ist nur einer von zehn möglichen Standorten“, weiß Karin Dettke, christdemokratische Bürgermeisterin der 800 Einwohner zählenden Gemeinde. Zwar läuft die Vermarktung des Geländes ein wenig zähflüssiger als im unmittelbar gegenüber liegenden Reinfelder Gewerbegebiet. Aber aus Sicht von Landrat Klaus Plöger gehört die ehemals grüne Wiese auf Stubbendorfer Seite „zu denen, an denen Interesse besteht“ — im Gegensatz zu anderen Gewerbeflächen in abgelegeneren schleswig-holsteinischen Landstrichen, „die seit Jahren nicht verkaufbar sind“. Da gebe es mehrere hundert Flächen, „auf die kein Betrieb ziehen will“.

Landrat Plöger wartet jetzt darauf, dass er vom Land auf dessen Intention angesprochen wird. „Dann weiß ich, was ich tun werde. Aber das werde ich jetzt nicht verraten.“ Ein Argument, das die Errichtung einer Erstaufnahme neben der Autobahn zumindest komplizieren würde, sind die Besitzverhältnisse. Norbert Leinius, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) — ihr gehört die Fläche —, hat bereits von einem von der Wirtschaft begehrten Gebiet gesprochen. Zumal das gegenüber liegende Reinfelder Gelände nahezu ausgebucht ist und dort bereits Gespräche über eine weitere Ausdehnung geführt werden.

Leinius bestätigte gestern gegenüber den LN das Interesse des Landes an dem Standort, stellt jedoch klar: „Die WAS wird die Flächen nicht für diesen Zweck verkaufen.“ Die Nachfrage von Unternehmen für das Gebiet Reinfeld/Stubbendorf laufe weiterhin extrem gut. Außerdem halte er es für irrsinnig, so viele Flüchtlinge in einem Gewerbegebiet und dann auch noch in Autobahnnähe unterzubringen. Außerdem sei so ein kleiner Ort wie Stubbendorf völlig überfordert.

Nichtsdestotrotz signalisiert Norbert Leinius Gesprächsbereitschaft: „Wir bieten unsere Hilfe an und können zusammen mit Land und Kommunen überlegen, wo wir entsprechende Grundstücke finden und weitere Flüchtlinge unterbringen.“ Er kann sich zum Beispiel vier dezentrale Stellen mit etwa 200 Personen in der Nähe von Städten vorstellen.

Leinius hält also wenig davon, Flüchtlinge unmittelbar neben der Autobahn unterzubringen. Doch solche Überlegungen stellt auch Reinfelds Bürgermeister Heiko Gerstmann (SPD) an. Er wartet in den nächsten Tagen auf eine Antwort der Eigner ehemaliger und jetzt leerstehender Fach- und Supermarktflächen nur wenige hundert Meter vom eventuellen Erstaufnahme-Standort entfernt. Der Stadt Reinfeld brennt die Frage nach den Unterbringungsmöglichkeiten unter den Nägeln.

„Im Januar“, hatte Gerstmann jetzt im Hauptausschuss gewarnt, „haben wir möglicherweise nicht mehr genügend Plätze für die Neuankömmlinge“. Der Umbau von teilen der Alten Schule zu Flüchtlingswohnungen verzögere sich. Ähnlich sehe es im Alfapark aus. Die zuvor eher als nachrangig gesehene Unterbringungsmöglichkeit neben der Autobahn wird da plötzlich interessanter als gedacht.

94 Flüchtlinge beherberge die Stadt derzeit. Hinzu kämen 13 Personen, die die von der Stadt zur Verfügung gestellte Erst-Unterkünfte eigentlich hätten bereits verlassen müssen. Und jede Woche kämen drei neue Leute hinzu. Die Wohnungssorgen würden noch größer, wenn im kommenden Jahr voraussichtlich 150 weitere Personen aufgenommen werden müssten. „Wir haben Handlungsdruck“, so Gerstmann.

Uwe Krog und Markus Carstens

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