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Flüchtlingsrat zeichnet Mönche aus

Nütschau Flüchtlingsrat zeichnet Mönche aus

Bruder Benedikt nahm gestern den „Leuchtturm des Nordens“ im Namen der Nütschauer Bruderschaft entgegen.

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Das Kloster Nütschau gewährte schon von Anbeginn seiner Gründung im Jahr 1951 Flüchtlingen und Vertriebenen des Zweiten Weltkriegs.

Nütschau. Die Bruderschaft des Klosters Nütschau ist gestern vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein mit dem „Leuchtturm des Nordens“ ausgezeichnet worden. Der undotierte Preis galt ihrem beherzten Engagement für Menschen, die von Abschiebung bedroht sind.

Wie Martin Link, Geschäftsführer der Hilfsorganisation, berichtete, gewährt das Kloster seit 2013 regelmäßig Flüchtlingen, die unter das Dublin-Abkommen fallen, Kirchenasyl. 14 Schutzsuchende aus verschiedenen Ländern hätten seitdem Zuflucht in Nütschau gefunden — manche nur wochenweise, andere für längere Zeit wie ein Iraner, der mittlerweile schon fast zwei Jahre im Kloster lebe. Der Aufenthalt in diesem Refugium habe schon viele der Dublin-Flüchtlinge vor einem unsicheren Schicksal bewahrt. Einige hätten sogar ein Bleiberecht erwirken können. „Insofern ist das Kirchenasyl in Nütschau ein Erfolgsprojekt“, sagte Link.

„Sia kam mitten in der Nacht an. Er muss sich fremd gefühlt haben. Die Männer mit den komischen Anzügen müssen ihn fürchterlich verwirrt haben.“ Mit diesen Worten schilderte Britta Oehmichen, Traumatherapeutin und Preisträgerin des Vorjahrs, in ihrer Laudatio, wie alles begann. Der minderjährige Afghane sei der erste Flüchtling gewesen, den die Klostergemeinschaft aufgenommen habe, „völlig unbedarft, jenseits von Paragraphen und Bürokratie“. Nur wenige Wochen später habe sich der Junge wunderbar eingelebt. Dies sei dem Umstand zuzuschreiben, dass alle Asylsuchenden mit in die Gemeinschaft aufgenommen und an allen Aktivitäten im Haus beteiligt würden. Obgleich Sina das Kloster schon längst verlassen habe, pflege er immer noch guten Kontakt zu den Bewohnern. Aufgrund eines Wasserschadens lebe zurzeit nur ein Flüchtling in der Unterkunft. Doch nach der Sanierung gebe es wieder vier schöne Zimmer mit Dusche.

Oehmichen wies insbesondere auf die Verdienste von Bruder Benedikt hin. Bei ihm liefen die Fäden stets zusammen, sagte sie und leitete damit geradewegs zur Verleihung des Preises über, den der Mönch, umringt von seinen Mitbrüdern in Empfang nahm. „Den Leuchtturm zu nehmen, macht auch etwas beschämt. Denn letztlich haben wir nichts anderes getan, als Christen ohnehin tun würden“, sagte er voller Bescheidenheit. Das Kloster kümmere sich nicht nur um Flüchtlinge. Zurzeit leben dort ein junger Mann aus Ecuador, der ein Freiwilliges soziales Jahr bei den Stormarner Werkstätten absolviere. In ganz Stormarn habe ihn keine Familie aufnehmen wollen. Dank gebühre im Übrigen auch den Mitarbeitern im Hause. Ohne sie sei eine so gute Betreuung gar nicht möglich.

Glückwünsche zur Preisverleihung ließ gestern auch die frühere Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche, Fanny Dethloff, ausrichten. In einem Schreiben, das verlesen wurde, wies sie auf ein etwas prekäres Ereignis hin, das sich vor längerer Zeit ereignet hatte. Als gerade Sudanesen im Kloster Asyl genossen, waren dort auch Bundespolizisten zu Gast. Einer von ihnen meinte, er müsse die Flüchtlinge eigentlich verhaften. „Das werden Sie nicht“, sagte Bruder Benedikt damals schlicht. Und so sei es auch gekommen, schrieb Fanny Dethloff.

Pastoren und Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche aus ganz Schleswig-Holstein wohnten gestern nicht nur der Auszeichnung bei, sondern machten sich mit aktuellen juristischen Fragen des Kirchenasyls vertraut. „Einige Gemeinden tragen sich mit dem Gedanken, das Beispiel Nütschau nachzuahmen. Da ist es besser, sie informieren sich vorher um adäquat handeln zu können“, fasste Martin Link das Thema der Tagung zusammen. Bund und Länder arbeiteten seit Sommer angesichts der hohen Flüchtlingszahlen an restriktiveren Bestimmungen. Im Ergebnis werde es zu noch viel mehr negativen Asylentscheidungen kommen. Deshalb sei zu erwarten, dass sich noch mehr Menschen an die Kirchen wenden. „Und wir wollen sie nicht dazu verleiten, in die Illegalität zu flüchten, sondern ihnen helfen“, sagte Link.

Preisträger auch in Glinde
Das Dublin-Verfahren regelt unter anderem, dass Asylbewerber in dem Land registriert werden, in dem sie die EU betreten. In dem Verfahren wird der Staat festgestellt, der für den Asylantrag zuständig ist. Das soll sicherstellen, dass jeder Antrag nur von einem Mitgliedstaat inhaltlich geprüft wird.


Verliehen wird der „Leuchtturm des Nordens“ seit 2005. Geehrt werden Personen oder Gruppen aus Schleswig-Holstein, die besondere Solidarität mit Flüchtlingen gezeigt haben. Unter den Ausgezeichneten waren auch schon die Islamische Gemeinde Glinde und die Bürgerinitiative Glinde gegen Rechts.

Dorothea von Dahlen

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