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Nach Köln: Oldesloer Frauen fordern kulturelle Anpassung

Bad Oldesloe Nach Köln: Oldesloer Frauen fordern kulturelle Anpassung

Die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Hamburg und auch Köln wirken nach. Sie haben das Sicherheitsgefühl, die Unbefangenheit junger Frauen tief erschüttert. Grünen-Politikerin Karin Hoffmann regt an, Flüchtlingen den Gedanken der Gleichberechtigung nahezubringen. Dabei sollten auch mehr Dolmetscher zum Einsatz kommen.

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Frauen aus Köln begehren auf: Nachdem es in der Silvesternacht zahlreiche sexuelle Übergriffe von Männern gegeben hatte, setzen sie sich öffentlich gegen Gewalt zur Wehr.

Quelle: Fotos: Imago (1)/ln-Archiv

Bad Oldesloe. Ein Tabuthema, das in der öffentlichen Debatte lange Zeit ausgeblendet wurde, um keine Vorurteile zu schüren, scheint in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Sehr spät findet Karin Hoffmann von den Oldesloer Grünen. Schon im Herbst 2015 verfasste sie einen Antrag mit der Forderung, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt möge ein Konzept entwickeln, das Flüchtlingen die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von Frauen vermittelt. Gerade junge männliche Muslime suchten Halt in extremen Formen ihrer Religion und pochten auf Autorität und die strenge Einhaltung traditioneller Geschlechterrollen. Eingebracht hatte Dagmar Danke-Bayer (Grüne) den Antrag in den Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss (BSKA) der Stadt.

„Man kann die Augen nicht vor den Problemen verschließen, die sich aus der Sozialisation und dem damit in Zusammenhang stehenden Frauenbild ergeben“, sagt Hoffmann. Schließlich sei es eine wichtige Errungenschaft, dass Frauen dieselben Rechte wie Männer genießen. „Rückschritte können wir nicht hinnehmen“, fügt die Oldesloerin hinzu. Das habe nichts mit Diskriminierung zu tun.

Keinesfalls wolle sie alle muslimischen Männer über einen Kamm scheren, betont Karin Hoffmann. Im Oldesloer Kaktus, der bis vor kurzem Treffpunkt für Menschen aus den Krisengebieten war, machte sie durchweg positive Erfahrungen. Auch dort wurden im Übrigen die Ereignisse der Silvesternacht intensiv diskutiert. Kahlid, ein Stammgast aus dem Jemen, wurde beinahe selbst Zeuge der Übergriffe. „Er war mit dem Zug nach Hamburg gefahren. Als er sah, wie sich dort die Menschenmassen sammelten und Böller durch die Luft flogen, bekam er selbst Angst. Er ahnte schon, dass nichts Gutes dabei herauskommt, wenn der entfesselte Mob wütet“, erzählt Karin Hoffmann. „Da er nicht lebensmüde ist, machte er auf dem Absatz kehrt und fuhr nach Bad Oldesloe zurück.“ Viele der Kaktus-Besucher hätten auf die Vorfälle in der Silvesternacht besonnen und sensibel reagiert. Doch das könne man nicht bei allen voraussetzen.

Hoffmanns Anregung ist inzwischen auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Oldesloer Gleichstellungsbeauftragte Marion Gurlit berichtete auf der jüngsten BSKA-Sitzung, dass sich Vertreter von Volkshochschule, Migrationssozialarbeit und Familienbildungsstätte schon getroffen hätten, um Ideen zu sammeln, wie Flüchtlingen aus anderen Kulturkreisen die hierzulande geltenden Grundsätze der Gleichberechtigung von Mann und Frau vermittelt werden könnten. In den Deutschkursen sei es sehr gut möglich, dies zu thematisieren.

Unabdingbar sei aber auch, es schon den Neuankömmlingen in ihrer Muttersprache zu kommunizieren und dazu müssten auch Dolmetscher engagiert werden. „Wir können nicht warten, bis alle Deutsch gelernt haben. Deshalb müssen wir der Politik sagen, dass solche Angebote natürlich auch Geld kosten“, sagt Marion Gurlit. Anfang Februar wolle sich die Gruppe erneut treffen, um ein Konzept auszuarbeiten.

„Wenn wir unsere Sexualmoral darlegen wollen, muss das Hand und Fuß haben“, ergänzt sie.

Dorothea von Dahlen

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