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Stormarns Firmen brauchen Flüchtlinge

Bad Oldesloe Stormarns Firmen brauchen Flüchtlinge

Arbeitsagentur und Jobcenter geben Hilfestellung, wenn freie Stellen nicht besetzt werden können.

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Stellten Möglicheiten und Angebote in Bad Oldeloe vor: (v. l.) Klaus Faust, Doris Ziethen-Rennholz und Heike Grote-Seifert.

Quelle: Fotos: M. Thormählen

Bad Oldesloe. „Ich will im kommenden Jahr zwölf Mitarbeiter als Schienenschweißer einstellen und hoffe, dass auch Flüchtlinge beschäftigen kann“, betonte Steffen Ralfs, Geschäftsführer des Oldesloer Unternehmens Klaus Thormählen. Der Firmenchef informierte sich gestern bei einem Unternehmerfrühstück, wie Mitarbeiter der Agentur für Arbeit und des Jobcenters bei der Besetzung von freien Stellen helfen können.

Steffen Ralfs befindet sich mit seinem Betrieb in einer Situation, mit der auch andere Chefs und Personalleiter in Stormarn konfrontiert werden: „Die Jobs sind da, aber es fehlen die Leute.“ Um als Schienenschweißer tätig zu sein, reiche eine vierwöchige Ausbildung aus, an deren Ende eine Prüfung abgenommen werde. „Ich habe auch auf dem Arbeitsmarkt nach Deutschen gesucht, habe aber niemanden gefunden“, berichtete der Geschäftsführer. Ein Grund sei vermutlich, dass Schienenschweißer ein schwerer Job sei: „Er ist anstrengend, und man muss auch nachts arbeiten.“ Immerhin werde gut bezahlt — 11,15 Euro pro Stunde.

Auch Christiane Kiesel möchte für die Pflegeeinrichtungen Steinbuck in Bargteheide einen Flüchtling einstellen — in diesem Falle eine 39-jährige Iranerin als Küchenhelferin. „Sie hat auch eine gute Bleibeperspektive“, sagte Christiane Kiesel.

Auf die durchaus schwierige Situation, zurzeit Mitarbeiter zu finden, ging auch die Oldesloer Agenturchefin Dr. Heike Grote-Seifert während der Veranstaltung in den Räumen ihrer Behörde ein. Die „sensationell niedrige Arbeitslosigkeit“ von aktuell 3,5 Prozent in Stormarn sähen sich die Firmen mit der „Kehrseite der Medaille“ konfrontier: Der Arbeitsmarkt sei für Betriebe nicht so günstig.

„Wir sollten deshalb froh sein über jeden, der zu uns kommt“, sagte Heike Grote-Seifert. Flüchtlinge seien durchaus bereit, auch etwas zurück zu geben. Nach den Erfahrungen sind vor allem Sprachkenntnisse eine wichtige Voraussetzung für berufliche Integration. Es gebe in Stormarn Kurse für 250 Flüchtlinge mit einer Bleibeperspektive. Außerdem werde ein sogenanntes Profiling erstellt, „um ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu ermitteln“, erläuterte die Agenturchefin.

Nach Angaben von Jobcenter-Geschäftsführerin Doris Ziethen-Rennholz sind zurzeit 515 Flüchtlinge als Arbeitssuchende in Stormarn gemeldet, davon rund zwei Drittel im Alter von bis zu 35 Jahren. „Die jungen Leute haben allerdings oft eine Schul-und Berufsausbildung, die nicht in Deutschland anerkannt wird. Wir möchten jetzt verstärkt Unternehmen dafür gewinnen, junge Flüchtlinge auszubilden“, betonte Doris Ziethen-Rennholz. Sie wies auf die laufenden Integrationskurse hin, die ein Jahr dauern. Nach dessen Ende wiesen junge Flüchtlinge Sprachkenntnisse auf, die für eine Ausbildung ausreichten: „Sie sind auch ehrgeizig und motiviert.“

Arbeitsagentur-Geschäftsführer Klaus Faust wies darauf hin, dass freie Stellen an Flüchtlinge nur vergeben werden könnten, wenn sich keine deutschen Bewerber meldeten: „Es darf keine Nachteile für den deutschen Arbeitsmarkt geben.“ Nach den Worten des Geschäftsführers existieren verstärkt Probleme, um freie Arbeitsplätze mit so genanntem Helfer-Niveau zu besetzen. Auch hier könne die Agentur für Arbeit Hilfestellung leisten. „Wenden sie sich an uns, damit wir gemeinsame Lösungen finden“, appellierte Faust. Es gebe die Möglichkeit, Flüchtlinge bis zu drei Monaten als Praktikanten zu beschäftigen. Dies sei eine gute Chance, „um junge Leute in die Betriebswirklichkeit zu integrieren“.

Ausbildung mit Assistenz
Ehrenamtliche Betreuung ist auch nach den Erfahrungen der Arbeitsmarkt-Experten wichtig, um die Integration von Flüchtlingen zu erleichtern. „Es ist sehr hilfreich, wenn auch im Alltag mehr Deutsch gesprochen wird“, meinte Jobcenter-Geschäftsführerin Doris Ziethen-Rennholz. Geworben wurde für eine assistierte Ausbildung, bei der junge Flüchtlinge bis zum Ende ihrer Lehrzeit mit besonderen Hilfen begleitet werden. Zurzeit werden in Stormarn vorrangig Mitarbeiter in den Bereichen Pflege, Elektro und Gastronomie gesucht.

Michael Thormählen

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