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Zwei Koordinatoren vernetzen Flüchtlingsarbeit im Kreis

Bad Oldesloe Zwei Koordinatoren vernetzen Flüchtlingsarbeit im Kreis

Bei Barbara Horstmann und Ben Yeboa-Kodie sollen künftig die Fäden zusammenlaufen — Sie sind unter anderem Ansprechpartner für die ehrenamtlichen Helfer.

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Die beiden Koordinatorenstellen von Barbara Horstmann (34) und Ben Yeboa-Kodie (30) sind bis Sommer 2018 befristet.

Quelle: Fotos: K. Kuhlmann-Schultz/dpa

Bad Oldesloe. Sie sind da, die beiden Koordinatoren für die integrationsorientierte Aufnahme von Flüchtlingen im Kreis Stormarn. Barbara Horstmann und Ben Yeboa-Kodie haben am Montag ihr Büro beim Kreis bezogen. Dass der Kreis diese neuen Mitarbeiter hat, verdankt er dem Flüchtlingspakt des Landes. Der sah nicht nur eine Erhöhung der Integrationspauschale von einmalig 1000 Euro vor — im März werden daraus 2000 Euro — , sondern unter anderem auch die Finanzierung von 30 Koordinatoren für die Kreise und kreisfreien Städte im Land. Sie sollen das Zusammenwirken aller in der Flüchtlingsarbeit beteiligten haupt- und ehrenamtlichen Akteure deutlich verbessern.

Noch sind die beiden Koordinatoren damit beschäftigt, Daten zu sammeln. „Wir leben uns ein. Wir sind dabei zu schauen, welche Strukturen gibt es bereits, welche Hilfsangebote, wir machen und mit dem Thema vertraut“, erklärt die Diplom-Sozialwissenschaftlerin Barbara Horstmann. Mit dem Ziel einer Bestandsaufnahme und einer Analyse. Und dem Ziel, ein großes Netzwerk aufzubauen. Beide wollen ein Gespür dafür entwickeln, was benötigt wird. „Das ist sehr viel Recherche.“ Um kurze Wege zu haben, teilen sich Horstmann und ihr Kollege Yeboa-Kodie ein Büro. Das liegt direkt neben dem der Fachbereichsleiterin für Soziales und Gesundheit, Dr. Edith Ulferts.

Und die hat sich mit den beiden Koordinatoren — die Stellen werden zum Großteil vom Land bezahlt — Fachleute ins Haus geholt. Ben Yeboa-Kodie (30), studierter Sozialökonom, hat das Thema Migration bereits im Studium behandelt. „Mich hat der doppelte Blickwinkel fasziniert“, erklärt der Hamburger, dessen Vater vor Jahrzehnten aus Ghana nach Deutschland kam. Er spricht von den Chancen der Integration sowohl im gesellschaftlichen als auch im ökonomischen Bereich. Das ist die Theorie, in der Praxis hat Yeboa-Kodie sich selbst bereits ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe Ankerplatz St.

Pauli, Flüchtlingshilfe an der Friedenskirche, engagiert. „Ich hatte schon viel Kontakt zu Flüchtlingen und weiß, was es bedeutet, Ehrenamtler zu sein. Ich weiß auch, welche Belastung das ist“, erzählt er. Besonders oft wurde Yeboa-Kodie von Flüchtlingen afrikanischer Herkunft angesprochen. „Sie haben öfter den Kontakt zu mir gesucht, als zu anderen.“ In den Gesprächen geholfen haben dem Sozialökonomen die Erfahrungen, die sein Vater gemacht hat, als er nach Deutschland kam. Zwar seien seine Zeugnisse schnell anerkannt worden, er habe auch schnell sein Studium in Lübeck aufnehmen können, aber auch er hätte viele Hürden nehmen müssen. „Gewisse Probleme sind einfach gesellschaftlich gegeben.“

Die Sozialwissenschaftlerin Barbara Horstmann, die ihre Wurzeln in Nordrhein-Westfalen hat, hat bereits Bildungsprojekte bei der Kreisverwaltung in Borken geleitet und eine Weiterbildung als systemische Beraterin in Hannover gemacht. „Das ist ein gutes Handwerkszeug für die Arbeit mit Menschen“, findet die 34-Jährige, die bereits als ehrenamtliche Integrationslotsin gearbeitet hat.

Überhaupt steht der Mensch bei ihr immer im Mittelpunkt, die Begegnung mit ihm. „Ich reise gerne, lerne die Menschen und ihre Kulturen kennen.“ Auf das Reisen wird sie in den kommenden Monaten erst einmal verzichten müssen, aber nicht auf die Kontakte zu Menschen, auch und gerade aus anderen Kulturen.

Reinfeld plant mit Containern für Flüchtlinge
Bei der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen soll es künftig in Reinfeld bleiben. Die Stadt bereitet sich allerdings auch darauf vor, Unterkünfte nicht mehr nur durch Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Auch Container könnten aufgestellt werden.
Die Mitglieder des kommunalen Haupt- und Finanzausschusses sind sich nach Worten von Bürgermeister Heiko Gerstmann (SPD) einig gewesen, dass Räume in der Erich-Kästner-Schule im Moment „erst mal nicht“ für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden sollen. Stattdessen, so der Verwaltungschef, sei im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung entschieden worden, weiterhin Wohnraum innerhalb des Stadtgebietes anzumieten. „Und wir suchen weiterhin dringend Wohnungen“, sagte Heiko Gerstmann.
Zurzeit leben rund 120 Flüchtlinge in Reinfeld. Sie wurden bisher auch in stadteigenen Wohnungen einquartiert. Doch die Kapazitäten sind offensichtlich erreicht. „Noch einmal 120 Flüchtlinge bringen wir sicherlich nicht mehr in Wohnungen unter“, meinte der Bürgermeister. Allerdings lasse sich zurzeit nicht vorhersagen, wie groß die Zahl der in diesem Jahr ankommenden Flüchtlinge sein werde.
Sicher sei auch, dass die Stadt keine Unterkünfte in der Umgebung suche. Darüber gebe es eine Vereinbarung mit dem Amt Nordstormarn.
Kommunalpolitiker und Verwaltung haben eine Alternative ins Spiel gebracht — es gehe um die Nutzung von Mobilheimen, Containern oder Wohnwagen. Über mögliche Standorte wurde allerdings nichts bekannt. „Wir könnten als Stellplätze unseren eigenen öffentlichen Flächen oder auch Parkplätzenutzen“, betonte der Bürgermeister. Diese Lösung würde keine zusätzlichen Kosten für die Stadt verursachen, nachdem die Mieten für Wohncontainer angesichts der großen Flüchtlingszahlen deutlich in die Höhe geschnellt sind: „Das ist kein reines Reinfelder Problem.“
Die Stadtverwaltung favorisiert die Unterbringung in Containern. „Bei Wohnwagen gibt es häufig Probleme wegen der chemischen Toiletten“, meinte der Bürgermeister. Bei der Wahl von Standorten spiele eine Rolle, ob der Anschluss an die Versorgung mit Strom und Wasser sowie die Abwasserbeseitigung problemlos sichergestellt werden könne.
Einig seien sich die Kommunalpolitiker, dass es auch in Zukunft in Reinfeld „keine Ghettos“ mit Flüchtlingen geben werde, erläuterte Heiko Gerstmann. Auch bei der Unterbringung in Wohncontainern werde es deshalb eine Obergrenze von bis 24 Kindern und Erwachsenen pro Standort geben. mt
Bald 2000 Euro Integrationspauschale
Seit Beginn des Jahres erhalten die Städte und Gemeinden im Land für jeden Asylbewerber, der nach dem Aufenthalt in einer Erstaufnahmeeinrichtung bei ihnen unterkommt, eine Pauschale für Integration, Unterbringung und Versorgung von 1000 Euro statt bisher 900. Ab dem 1. März wird der Betrag dann auf 2000 Euro verdoppelt.
„Inzwischen ist geklärt, dass durch diese Pauschale keine unnötige Bürokratie entsteht. Städte und Gemeinden müssen dem Kreis gegenüber lediglich bestätigen, dass das Geld vollständig für Kosten im Zusammenhang mit der Integration, Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen und Asylsuchenden verwendet worden ist“, erklärt der SPD Landtagsabgeordnete Martin Habersaat. „Damit schaffen wir es, die Kommunen in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken und pragmatische Lösungen zu unterstützen. Die werden wir für eine gelungene Integration brauchen.“
Die Zusage aus dem geschlossenen Flüchtlingspakt, Flüchtlinge und Asylsuchende ohne Bleibeperspektive nicht mehr auf die kommunale Ebene zu verteilen, habe das Land mittlerweile eingelöst. Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge solle eine ausreichende Anzahl von Unterbringungs- und Betreuungskapazitäten in geeigneten Einrichtungen geschaffen werden. Kurz vor Weihnachten hatten Land und kommunale Spitzenverbände eine Vereinbarung zur Aufnahme, Unterbringung, Versorgung und Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden getroffen. Dabei, so Habersaat, sei es unter anderem um die finanzielle Beteiligung des Landes an den für die Kommunen entstehenden Flüchtlingskosten gegangen. Seit Januar erstatte das Land den Kreisen für die Dauer des Asylverfahrens bis zur Entscheidung über den Antrag 90 Prozent der Kosten für Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.
Der aus Bundesmitteln für 2015 auf Schleswig-Holstein entfallende Anteil von 68 Millionen Euro werde zwischen Land und Kommunen im Verhältnis 70 zu 30 aufgeteilt.
Interessenten, die Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung stellen wollen, können sich im Reinfelder Rathaus unter Telefon 04533/200131 melden.

K. Kuhlmann-Schultz

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