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Nicht nur wegen Putin: Ran ans Obst!
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Lübeck Nicht nur wegen Putin: Ran ans Obst!

Die Bundesregierung hat die Bürger aufgerufen, viel Obst zu essen — wegen des russischen Embargos.

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Groß, rot und saftig präsentiert sich der Holsteiner Cox vom Obsthof Knoop in Hemmelsdorf. Pächter Franko Trolio (45) zeigt ein besonders prächtiges Exemplar.

Quelle: Fotos: Lutz Roeßler (5), fotolia

Lübeck. Äpfel, Birnen, Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Pflaumen — farbenfroh und lecker präsentiert sich das Obst auf dem Wochenmarkt Am Brink in Lübeck.

Mases Albrecht ordert ein Kilo Pflaumen. „Dreimal die Woche bin ich hier, mehr Obst können wir gar nicht essen“, sagt die 52-Jährige. Durch Wladimir Putin werde sie sich nicht drängen lassen. „Da hört es auf.“ Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte die Bevölkerung wegen des russischen Lebensmittel-Embargos zum Verzehr der betroffenen Produkte aufgefordert. Das Motto: „One apple a day keeps Putin away“. Man könne nicht darüber lamentieren, dass es viel Obst gibt, und selbst keines essen. „Sie sollten essen, ich sollte essen, wir sollten essen“, sagte Landwirtschaftsminister Schmidt auf die Frage, ob die EU Obst aufkaufen und vernichten solle.

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„Überschüssiges Obst sollte gespendet werden — an die Tafeln, oder auch an Kindergärten und Schulen.“ Mases Albrecht (52)

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„Da bin ich absolut dagegen“, sagt Mases Albrecht. Besser wäre es, das überschüssige Obst zu spenden — an die Tafeln, oder auch an Kindergärten und Schulen. Auch Sabine Hesseling (56), Verkäuferin am Stand von Jürgen Wulff aus Niendorf, würde das Obst „lieber Bedürftigen geben“. Sie geht nicht davon aus, dass künftig mehr Obst verzehrt wird. „Wir haben hier immer einen guten Obstverkauf“, berichtet sie.

Ähnlich äußert sich Rita Burmeister (65), die seit 50 Jahren auf dem Markt verkauft. Das meiste kommt aus dem Alten Land. Doch gerade jetzt im Spätsommer hätten viele Kunden selbst Äpfel und Pflaumen im eigenen Garten. „Es wird nicht mehr Obst gekauft, es ist alles wie immer“, berichtet sie. Bisher sind die russischen Importbeschränkungen für sie noch nicht spürbar. „Ich mache mich deswegen nicht verrückt“, sagt die erfahrene Händlerin.

Auch Franko Trolio, Pächter des Obsthofes Knoop in Hemmelsdorf (Kreis Ostholstein), ist noch guter Dinge. „Bisher sind die Preise stabil“, sagt der 45-Jährige, bei dem die Ernte jetzt richtig anläuft. Knackig und rot hängt der Cox Orange an den Ästen. Auf sechs Hektar Fläche baut er Äpfel an, insgesamt mehr als 20 verschiedene Sorten. „Äpfel sind genug da“, sagt er mit Blick auf die sehr gute Ernte in diesem Jahr. „Wenn jetzt noch Obst aus anderen Staaten dazukommt, muss man damit rechnen, dass der Preis in den Keller geht.“ So liefere Polen normalerweise viele Äpfel nach Russland.

„Wenn das nun nicht mehr möglich ist, gibt es nur noch eine Richtung — das ist Europa.“

Beim Obsthof Knoop kostet das Kilo Äpfel derzeit im Schnitt 1,80 Euro — und damit 20 Cent weniger als im vergangenen Jahr. Selbstpflücker zahlen 1,10 Euro. „Wir hoffen auf unsere Stammkunden“, erklärt Trolio.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Kiel sorgt die teils überdurchschnittliche Ernte für einen „erheblichen Preisdruck“. So hätten sich sinkende Preise bereits vor dem russischen Importstopp abgezeichnet. Für die deutschen Obst-Erzeuger und zur Stabilisierung der Märkte sei alles hilfreich, was den Absatz fördert, heißt es aus dem Ministerium. „Mehr Obst schadet nie“, so formuliert es Minister Robert Habeck (Grüne). Gut sei es, wenn es aus der Region komme. Denn damit unterstützten Verbraucher die hiesigen Erzeuger und helfen mit, lange Transportwege zu vermeiden. Im Gegenzug bekämen sie frische und qualitativ hochwertige Produkte, so Habeck.

„Es ist immer gut, viel Obst zu essen — nicht nur wegen des russischen Importstopps“, sagt Amy Ahlgren (38) aus Lübeck. „Ich habe mir grundsätzlich vorgenommen, mehr Obst zu essen“, erzählt Sylvia Lobschat (64) im Laden des Hemmelsdorfer Obsthofes. Sie begrüßt daher den Aufruf zum Verzehr von Obst. Denn es sei gut, daran zu erinnern, „dass einige hier zu leiden haben, wenn das Embargo länger dauert.“

Äpfel auf 450 Hektar Fläche

105 Kilogramm Obst pro Jahr verzehrt jeder Deutsche laut Statistik. Ein Großteil davon wird frisch gegessen, 45 Kilogramm in Saft und Konserven. Der Apfel gehört nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin zu den beliebtesten Obstsorten, er macht etwa ein Viertel der Gesamtmenge aus.

In Schleswig-Holstein werden nach Auskunft des Obstbauzentrums in Jork auf 450 Hektar Fläche Äpfel angebaut Zu den beliebtesten Sorten gehören: Holsteiner Cox, Elstar, Jonagold und Braeburn. Auf der ganzen Welt gibt es geschätzt 30 000 Apfelsorten, 2000 davon allein in Deutschland. Im Erwerbsobstbau werden allerdings meist nur noch etwa 25 Sorten kultiviert.

Julia Paulat

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