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Zu alt für die Kreuzfahrt? Aida schickt Rentner nach Hause
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Bad Oldesloe Zu alt für die Kreuzfahrt? Aida schickt Rentner nach Hause

Ein 86-Jähriger aus Bad Oldesloe wurde vom Schiffsarzt für reiseuntauglich erklärt — Dennoch muss er für die entgangene Tour zum Nordkap zahlen.

Quelle: Frank Behling

Bad Oldesloe. Es soll seine letzte große Urlaubsreise sein. Im hohen Alter von 86 Jahren will Alfred Nehls aus Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) noch einmal zum Nordkap fahren. Er bucht eine Reise mit der „Aidacara“ für 5273 Euro. Am 25. Juli bricht er mit der Bahn Richtung Kiel auf. „Alfred ist nicht mehr richtig gut zu Fuß, hat aber seinen Rollator nicht mitgenommen“, erzählt sein Nachbar Hans Volkmann (Name geändert). In Kiel checkt der 86-Jährige auf der „Aidacara“ ein, wird von Crew-Mitgliedern begrüßt und bezieht seine Kabine.

Nach Volkmanns Wiedergabe von Nehls' Bericht fällt einem Steward der Gesundheitszustand des betagten Gastes auf. „Er kündigte an, den Kapitän zu informieren, weil der die Verantwortung trägt und entscheiden muss, wen er mitnimmt und wen nicht.“ Laut Volkmann befinden Schiffsführer und -arzt den alten Mann schließlich für reiseuntauglich. Sie weisen ihn an, von Bord zu gehen. „Als Grund nannten sie den Gesundheitszustand, dass er allein und ohne Rollator reist. Sie hielten die Mitnahme für zu riskant“, berichtet Volkmann. Eine Untersuchung habe es nicht gegeben. Der Pensionär packt seinen Koffer und fährt nach Hause. „Plötzlich ist Alfred wieder da gewesen“, erinnert sich der Nachbar. „Er war völlig deprimiert und verstand die Welt nicht mehr.“

Dabei ist das Unternehmen offenbar korrekt vorgegangen — jedenfalls formal. Die Crew entscheidet nach eigenem Ermessen. Aida Cruises weist in den Geschäftsbedingungen darauf hin, dass ein Passagier zu jeder Zeit der Reise von Bord geschickt werden kann, wenn „der geistige oder körperliche Zustand“ so ist, dass eine „Gefahr für den Kunden selbst oder jemanden sonst an Bord“ besteht. Das gilt auch für den Fall „einer besonderen Betreuung des Gastes, die über die vertraglich vereinbarten Leistungen“ hinausgeht und der Kunde allein reist. „Für eventuell entstehende Mehrkosten steht Aida Cruises nicht ein.“

Der Nachbar des gescheiterten Nordkap-Fahrers hat kein Verständnis für die Entscheidung. „Ich kann das alles nicht nachvollziehen. Alfred lebte damals allein, kümmerte sich um alles selbst, machte jeden Tag seine Wohnung, kaufte für sich ein.“ Nach seiner Rückkehr nach Hause habe Nehls einen leichten Schlaganfall erlitten. Seither kann er nicht mehr richtig sprechen, weshalb ihm Volkmann zur Seite steht. Zum Zeitpunkt der Reise sei es dem Rentner aber deutlich besser gegangen, betont dieser. Für den Bad Oldesloer hat der superkurze Aufenthalt an Bord der Aida ein teures Nachspiel. Denn er sollte für die nicht angetretene Fahrt zunächst 3509 Euro zahlen. Inzwischen hat ihm die Reederei „aus Kulanzgründen“ angeboten, lediglich die Hälfte des Reisepreises zu verlangen — immer noch 2636,50 Euro.

Nehls hat faktisch keine Chance, die Kosten abzuwehren. Er hatte eine Reiserücktritts-, aber keine Reiseabbruchversicherung abgeschlossen. Da er bereits an Bord war, galt die gebuchte Reise als angetreten — und die Rücktrittsversicherung griff nicht mehr.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein ist das Verhalten der Reederei „zulässig“. „Der Reiseveranstalter trägt Sorge dafür, dass dem Reisenden keine Gefahr droht“, sagt Juristin Hanna Doreen Jeske. Sie empfiehlt, eine Reiseabbruchversicherung abzuschließen. „Das kann einem viele Kosten ersparen, auch Krankentransporte und Rückflüge.“ Eine solche Versicherung bietet das First Reisebüro Lübeck nach Angaben von Mitarbeiterin Diler Kayin „immer mit an“. Nach Ansicht von Aida Cruises ist Nehls von seinem Reisebüro nicht umfassend beraten worden. „Wir empfehlen unseren Gästen mit individuellen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen vor der Reisebuchung mit uns Kontakt aufzunehmen, damit wir uns auf ihre Bedürfnisse an Bord einstellen können“, sagt Aida- Sprecher Hansjörg Kunze.

Reiseabbruchversicherung
Wenn eine Reise abgebrochen werden muss, deckt eine Reiseabbruchversicherung die Kosten ab, die entstehen. Je nach Vertrag können Rückreise- und Stornierungskosten voll oder teilweise erstattet werden. Gründe für einen Urlaubsabbruch könnten etwa ein Unfall, ein Einbruch zu Hause, eine unerwartete Kündigung oder eine plötzliche Krankheit sein. Die Versicherung kann auch dann greifen, wenn nahe Angehörige schwer erkranken. Häufig wird sie in Kombination mit einer Reiserücktrittsversicherung angeboten.

T. Schmoll und J. Paulat

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