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Mit dem Auto bis auf den Strand
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St. Peter-Ording Mit dem Auto bis auf den Strand

Das geht nur in St. Peter-Ording: Hier kann man mit dem Auto auf dem Strand parken und gleich daneben seine Strandmuschel aufbauen.

Vorne die Strandkörbe, dahinter die Autos. Viele kommen mit dem Wohnmobil und machen es sich gleich daneben im Sand gemütlich. Im Hintergrund der Leuchtturm.

Quelle: Fotos: Felix König

St. Peter-Ording. Festgefahren! Die Räder des kleinen roten VW Polo drehen durch, heller weißer Sand spritzt hoch. Da hilft nur: Alle raus und schieben. „Danke!“, ruft der Fahrer und hoppelt weiter.

Das ist normal in St. Peter-Ording, Deutschlands einzigem Strand, auf dem man sein Auto parken darf. Hinten die Dünen, vorne die blaue Nordsee, Auto im Blick – was will man mehr?

„Wir parken immer hier“, sagt Uwe Hentzchen (56). Er liegt mehr als er sitzt in einem bequemen Campingstuhl und blinzelt in die Sonne. Neben ihm liegt seine Frau Melanie (42) und hinter ihnen steht das Wohnmobil mit den Surfutensilien. Und daneben noch eins von Freunden. Die anderen Autos, die hier parken, stören sie nicht. Ihre Wohnmobile geben Sichtschutz, der Sand ist so weiß wie überall.

Und hier, auf dem Parkplatz, können sie sogar den Campingtisch aufstellen und Essen. „Nur Grillen ist verboten“, schmunzelt Hentzchen. Übernachten dürfe man übrigens auch nicht.

„Parken ist nur von 7.30 bis 22.30 Uhr erlaubt“, belehrt Constanze Höfinghoff, die stellvertretende Tourismusdirektorin von St. Peter-Ording. Und das gerne benutzte Wort „Autostrand“ mag sie überhaupt nicht. „Es gibt keinen Autostrand.“ Immer wieder fühlten verantwortungslose Autofahrer sich durch diesen Begriff ermuntert zu driften oder zu testen, wie geländegängig ihr Wagen sei. „Wir sind doch nicht Daytona Beach!“

In Wahrheit ist der ganze Riesenstrand von St. Peter Ording mit einer Ausdehnung von zwölf Kilometern Länge und bis zu zwei Kilometern Breite eine Sandbank. Und Teil des Nationalparks Wattenmeer.

Wie passen dazu bis zu 7000 Autos und bis zu 30000 Besucher am Tag? Eine klassische Konfliktsituation. Mit der sich aber alle Beteiligten seit 30 Jahren bestens arrangiert haben. „Keiner weiß, wohin sonst mit so vielen Autos“, erklärt Sabine Gettner von der Schutzstation Wattenmeer. Optisch und überhaupt sei das alles „nicht so toll“. „Da tropft auch mal Öl in den Sand.“ Nicht optimal – sie habe aber auch keinen besseren Vorschlag. Und immerhin fließe ein Teil des Parkentgeltes an den Naturschutz. So sei unter anderem das 2013 eingeweihte Nationalparkhaus finanziert worden. Insofern sei auch mit einer Verlängerung des Nutzungsvertrages zwischen Gemeinde mit dem Nationalpark zu rechnen, die 2019 anstehe.

Schon aus Sicherheitsgründen sind die vielen Badegäste auf die Nähe der Autos angewiesen, meint Thorsten Hans (55), der das „Strandcafé Silbermöwe“ betreibt. Das Wetter könne hier an der Nordsee binnen Minuten umschlagen. „Wenn ein Gewitter aufzieht, bieten die Autos den einzigen wirksamen Schutz.“

Nicht ohne Grund stehe im übrigen sein Café, wie alle Bauten, selbst die Toilettenhäuschen, auf Pfählen. Bei Vollmond könne es zu Springfluten kommen. „Wenn in Hamburg am Fischmarkt die Autos abgeschleppt werden, ist hier bei uns Land unter.“ Schilder weisen die Parker darauf hin – Überflutung möglich. „Hier sind schon Autos abgesoffen“, so Hans.

Auch deshalb sei das Übernachten am Strand unter Umständen lebensgefährlich. Viele tun es trotzdem, wissen Insider. „Das Ticket kostet 35 Euro. Dafür kriegste kein Zimmer und keinen Campingplatz.“

Ein Nachtleben gebe es nicht in St. Peter-Ording, bedauert Hein Jeve (40), der am Strand eine Surfschule betreibt. Das Schöne am Ort sei der Strand – und das Schöne am Strand die Weite. „Ein Fluch und ein Segen zugleich. Man hat viel Platz, aber man muss auch weit laufen.“

Es sei denn, man bleibt sowieso lieber in der Nähe seines Autos. Florian Schmidt und Isabel Körner (beide 34) haben unweit vom Parkbereich ihre Strandmuschel aufgebaut, Tochter Sophie (2) spielt im Sand. Zum Wasser ist es nicht weit. Saskia Lippky und Jan Albrecht (beide 40) haben ihre Surfbretter dabei. „Für einen Familienurlaub ist es hier ideal“, finden sie. „Und zum Surfen auch.“

St. Peter-Ording

Deutschlands einziger „Autostrand“ in St. Peter-Ording (Kreis Nordfriesland) hat eine lange Tradition. Vom 15. März bis 31.

Oktober ist das Parken auf bestimmten Abschnitten erlaubt. Das kostet sechs Euro pro Tag und Pkw plus Kurtaxe. Es gibt einen FKK-Strand. Für Hunde herrscht Leinenpflicht.  

Pro Jahr zählt die Gemeinde 340000 Übernachtungsgäste mit insgesamt 2,3 Millionen Übernachtungen und 500000 Tagesgäste. Insgesamt hat der Ort etwa 4000 Einwohner und die gleiche Zahl an Zweitwohnsitzen.

Marcus Stöcklin

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