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92 Prozent der Bauanträge weisen Mängel auf

Wismar/Grevesmühlen 92 Prozent der Bauanträge weisen Mängel auf

Oft fehlen Lagepläne, Brandschutzgutachten oder andere Anlagen / Beliebte Baugebiete liegen im Schönberger Land und Klützer Winkel.

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Bauanträge sollten schneller bearbeitet werden.Mathias Engling Fraktion Grüne/Liberale/Familie

Wismar/Grevesmühlen. Vor Peter Hamouz von der Bauordnungsbehörde des Landkreises Nordwestmecklenburg liegen Zentimeter hohe Akten: Bauanträge und so genannte Voranfragen.

LN-Bild

Oft fehlen Lagepläne, Brandschutzgutachten oder andere Anlagen / Beliebte Baugebiete liegen im Schönberger Land und Klützer Winkel.

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Die meisten sind unvollständig oder nicht formgerecht. Es fehlen Lagepläne, Brandschutzgutachten oder andere Anlagen. Das folgliche Dilemma für Bauherren und Behörde: Lange Bearbeitungszeiten. Bis zu fünf Monaten müssen Antragsteller auf einen Bescheid warten. Dabei ginge es auch schneller – wenn die Unterlagen der potenziellen Häuslebauer, bei denen zurzeit die Gebiete Schönberger Land und Klützer Winkel am beliebtesten sind, von Anfang an richtig eingereicht würden.

1300 Anträge für sechs Mitarbeiter

Mehr als 1300 Bauanträge werden pro Jahr von der Behörde genehmigt – von sechs Mitarbeitern. Eine weitere Stelle ist zurzeit ausgeschrieben. „Es könnten immer mehr Sachbearbeiter sein“, sagt der stellvertretende Landrat Mathias Diederich (CDU). Ob diese aber dafür sorgen könnten, dass die Anträge schneller bearbeitet werden, bezweifelt er. Denn: Es liege häufig an den Antragstellern – also den Bauherren – selbst.

Sven Schiffner hat im Grevesmühlener Ortsteil Wotenitz ein Haus gebaut. Sein Antrag wurde nach genau 90 Tagen von der Bauordnungsbehörde bewilligt. Mehr Zeit hat haben die Sachbearbeiter dort auch nicht. Innerhalb von drei Monaten müssen sie über Bauanträge im so genannten vereinfachten Verfahren – also zum Beispiel für Einfamilienhäuser – entscheiden. „Auch bei mir fehlten zunächst Unterlagen“, erinnert sich der gelernte Bankkaufmann. Negative Erfahrungen hätte er mit der Behörde allerdings nicht gemacht. „Oft hilft einfach ein Telefonat, um Unklarheiten zu beseitigen“, sagt Schiffner.

Behörde muss oft lange recherchieren

Allein in diesem Jahr sind bis zum 20. Juni 399 Anträge gestellt worden und 99 Bauvoranfragen. „Nachforderungen und eigene Recherche der Bauordnungsbehörde haben einen wesentlichen Anteil an der Dauer der Bearbeitung solcher Anträge“, sagt Peter Hamouz, Fachdienstleiter beim Landkreis für den Bereich Bauordnung und Umwelt.

Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich schon mit Bauanträgen und weiß, worauf es ankommt. Verantwortlich seien auch die Architekten und befähigten Bauingenieure, die die Bauanträge mit unterschreiben müssen. Jedoch gab es in den vergangenen Jahren lediglich vereinzelt Fälle, in denen die Bearbeitung im vereinfachten Baugenehmigungsverfahren länger als drei Monate gedauert habe.

Dennoch: Der Fraktion Grüne/Liberale/Familie des Kreistages Nordwestmecklenburg reicht das nicht. Vor allem Mathias Engling, sachkundiger Einwohner der Fraktion, geht die Arbeit der Behörde nicht schnell genug. „Es kann nicht angehen, dass die Leute so lange auf ihren Bescheid warten müssen.“ Sein Vorschlag: Die zügige Einführung des so genannten e-Government. Damit sollen Bürger die Möglichkeit bekommen, alle Formulare online ausfüllen zu können und auch alle nötigen Anlagen anzufügen.

Online-Formular soll Verfahren beschleunigen

Genau an dieser Lösung arbeitet die Kreisverwaltung schon. Das Förderprojekt „NWM online“ ist gerade angelaufen. Auf der Website des Landkreises gibt es inzwischen immerhin die Möglichkeit, den Bearbeitungsstatus seines Bauantrages einzusehen – allerdings nur für wenige Antragsteller. „Die Funktion befindet sich derzeit noch in der Testphase“, sagt Mathias Diederich. Der Grundstein ist aber gelegt. In zwei bis drei Wochen soll dieses Angebot genutzt werden können.

Kreis will bis 2020 auf digitale Anträge umsatteln

Am Donnerstag wollen die Kreistagsmitglieder über die von der Verwaltung so genannte e-Government-Strategie abstimmen. In einem Entwurfspapier dazu steht, dass die Kreisverwaltung bis zum Jahr 2020 in so gut wie allen Bereichen auf Online-Dienstleistungen umsatteln will. Dann könnten auch Bauanträge schneller genehmigt werden. Denn Mathias Diederich sieht einen großen Vorteil: „Fehlt etwas in einem online ausgefüllten Formular, wird der Antragsteller sofort über den Computerbildschirm darauf hingewiesen.“

Die Bauordnungsbehörde bietet übrigens auch zweimal in der Woche Sprechzeiten an, in denen die Antragsteller beraten werden.

Westliche Küste ist beliebt bei Bauherren

Für das Schönberger Land, den Klützer Winkel und für den Raum Grevesmühlen werden zurzeit die meisten Anträge bei der Bauordnungsbehörde des Landkreises gestellt.

Diese Regionen machen knapp 47 Prozent aller Anträge aus. Danach folgen die Bereiche Amt Lützow-Lübstorf und Amt Rehna, bei denen die eingegangenen Anträge etwa ein Fünftel des Gesamtumfangs ausmachen.

Generell unterscheidet die Behörde verfahrensfreie (zum Beispiel Garagen, Carports), vereinfachte (Wohngebäude und Nebenanlagen) und normale Bauvorhaben.

Für Gebäude, die auf dem Gebiet eines Bebauungsplanes liegen, gibt es in der Regel eine so genannten Genehmigungsfreistellung.

Michaela Krohn

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