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Wo ist der Geheimgang nach Ratzeburg?

Mechow Wo ist der Geheimgang nach Ratzeburg?

Vom Gutshaus in Mechow soll es einen Tunnel in die nahe Stadt gegeben haben.

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Der um 1650 entstandene Gewölbekeller unter dem Gutshaus Mechow. Gab es von hier aus einen geheimen Gang in die nahe Stadt Ratzeburg?

Mechow. Gibt es einen geheimen Gang vom Gutshaus in Mechow bis in die nahe Kreisstadt Ratzeburg? „Ich habe immer wieder gehört, dass er existieren soll, aber gefunden habe ich ihn noch nicht“, sagt Kaufmann Gert Schardey. Ihm gehört das Anwesen seit 2004. Ausschließen möchte er es allerdings keineswegs, dass dieser Tunnel einmal gegraben wurde.

LN-Bild

Vom Gutshaus in Mechow soll es einen Tunnel in die nahe Stadt gegeben haben.

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So ein Geheimgang hätte einen Sinn gehabt, denn Ratzeburg wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach belagert – mal von den Dänen, mal von den Franzosen. Lebensmittel in die von fremden Truppen umzingelte Stadt zu bringen, war also nötig. Durch einen geheimen Tunnel, der auf einem landwirtschaftlichen Hof beginnt, wäre das gut möglich gewesen.

1791 ist das jetzige Gutshaus erbaut worden. Es gehörte rund 200 Jahre zur Domäne Mechow und war im Kirchenbesitz. Pächter war damals Joachim Gottlieb Stamer. In einer Beschreibung von 1798 ist festgehalten, wie das Gebäude damals aussah – und es hat sich bis heute äußerlich kaum verändert: „Das Haus hat massive Ziegelsteinwände, ein Stockwerk, ein Satteldach, das mit Zungensteinen doppelt belegt und mit zwei Walmen versehen ist.“

Im Gutshaus wohnte die Familie des Pächters, aber hier wurde auch gearbeitet. Da gab es laut historischer Beschreibung eine „einfenstrige Schreiberstube“, Räume für die Wirtschafterin und eine große Küche samt Kohleherd „mit mehreren Kochlöchern“. Der heutige Besitzer ließ einige Wände entfernen, wodurch die Zimmer großzügiger wirken.

Älter als das Gutshaus ist einer der beiden Gewölbekeller. Der blieb vom Vorgängerhaus erhalten, als es abgebrochen wurde. „Dieser Keller wurde um 1650 gebaut“, erzählt Schardey. „Vielleicht wurde ja von hier aus der Tunnel geschaffen.“ Der aber ist, wenn es ihn denn wirklich gab, inzwischen zugemauert.

Den größten Andrang erlebte das Haus 1945, als viele Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten hier untergebracht wurden – bis zu 86 Menschen lebten in dem dafür nie gedachten Gebäude, darunter 24 Kinder. Die meisten Flüchtlinge blieben nur ein paar Monate, manche für lange Zeit. Eine Frau zog erst 1972, nach 27 Jahren, wieder aus. Nach der Wiedervereinigung ging das gesamte Areal vom kirchlichen in staatlichen Besitz über. Gert Schardey kaufte das Gutshaus und die benachbarten Scheunen und Ställe von der Landgesellschaft Schleswig-Holstein.

Viele Nebengebäude waren da schon verschwunden, weil sie abgebrochen wurden. Der Rest ist immer noch sehens- und erhaltenswert. Im Denkmalbuch Schleswig-Holsteins heißt es: „Den verbliebenen Gebäuden der Gutsanlage Mechow kommt zusammen mit dem kleinen ländlichen Gutspark eine besondere historische und kulturlandschaftsprägende Bedeutung zu. Auf früher mecklenburgischem, heute schleswig-holsteinischem Territorium lässt sich die Formensprache der gesamten Gutsanlage in die Tradition der preußischen, frühklassizistischen Landbauschule einordnen.“ Wer sich einmal wie ein Gutsherr fühlen möchte, kann übrigens eine der Ferienwohnungen im Haus mieten.

Für Betrieb auf dem Hof sorgen zahlreiche Pferdefreunde, denn Familie Schardey hat einen Reitbetrieb mit Halle, Reitplatz und Ausreitwegen durch die reizvolle Naturlandschaft geschaffen. Vier Hektar ist das Gelände groß, es reicht bis an den Mechower See. Das kleine Gewässer, das hinter dem Gutshaus liegt und erst später angelegt wurde – heißt Mechower Weiher.

Aus der Geschichte

Das Gut Mechow gehörte wie das gleichnamige Dorf bis zum 26. November 1945 zu Mecklenburg. Dann aber trat das von den britischen und sowjetischen Besatzungsmächten ausgehandelte Barber-Lyaschenko- Abkommen in Kraft. Es sah knapp sieben Monate nach Kriegsende eine Grenzbereinigung östlich des Ratzeburger Sees und des Schaalsees vor. Mechow wechselte – wie auch die Nachbardörfer Bäk, Ziethen und Römnitz – von der sowjetischen in die britische Zone und damit nach Schleswig-Holstein.

Im Gegenzug übernahmen die sowjetischen Besatzer die Gemeinden Dechow, Lassahn sowie Groß und Klein Thurow.

Der damals beschlossene Gebietstausch zwischen Mecklenburg und Schleswig-Holstein wurde im Rahmen der Wiedervereinigung 1990 nicht rückgängig gemacht.

Norbert Dreessen

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