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Ostholsteins älteste Apotheke: 330 Jahre Dienst am Kunden
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Neustadt Ostholsteins älteste Apotheke: 330 Jahre Dienst am Kunden

Früher wurden in der Alten Stadt-Apotheke Neustadt Magentropfen und Baldriantinkturen hergestellt – Heute lockt die „Rentner-Bravo“.

Neustadt. Plötzlich steht da dieser bekannte Sänger im Verkaufsraum, verlangt eine Fußpilzsalbe. Was dann geschieht, wird Inge Schlapmann nie vergessen. „Er hat sich auf unsere Bank gesetzt, Schuhe und Socken ausgezogen und die Salbe direkt aufgetragen“, sagt die Mitarbeiterin der Alten Stadt- Apotheke. Den Namen des Berliner Künstlers will sie aber auf keinen Fall in der Zeitung lesen. Das gehöre sich nicht. Wer in der ältesten Apotheke Ostholsteins einkauft, der kann sich auf die Diskretion der Mitarbeiter verlassen.

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Stadtbrand zerstörte 1817 zahlreiche Gebäude in Neustadt. Auch die Apotheke wurde zum Opfer der Flammen. Es folgten der Wiederaufbau und 1988 die grundlegende Sanierung.

Seit 330 Jahren werden direkt am Neustädter Marktplatz Salben hergestellt. Derzeitige Chefin ist Birgit Karg. Sie ist die 17. Inhaberin, hat das Unternehmen 1987 von Ursula Rieger-Kasten übernommen.

Diese hatte die Apotheke nach dem Tod von Dr. Erwin Karg († 1982, Vater von Birgit Karg) gepachtet. Seitdem hat sich viel verändert. Die Zeit, in der sie und ihr Team Zäpfchen, Baldriantinkturen zur Beruhigung und Magentropfen noch selbst herstellten, seien längst vorbei. „Der Aufwand lohnt sich nicht mehr“, sagt Karg. Inge Schlapmann ergänzt: „Wir können das noch. Es wird aber nicht mehr nachgefragt. Die alten Kunden sind gestorben und die jungen kaufen eher die Produkte aus der Werbung.“ Dennoch ziehen sich Mitarbeiter immer noch mal ins kleine Labor zurück und rühren Salben im Auftrag von Hautärzten an. „Wir füllen die Lücken der Industrie“, erklärt Birgit Karg.

Doch nicht alles hat sich verändert: Die Apotheke ist nach wie vor Anlaufpunkt und für manch einen alten Neustädter auch Kontaktbörse. „Viele ältere Menschen leben alleine. Die sind froh, wenn sie mal ein bisschen schnacken können. Das ist wichtig“, betont Birgit Karg.

Da komme es vor, dass der ein oder andere Stammkunde vom Krieg und der Flucht aus Ostpreußen erzähle. Die jungen Besucher würden anders ticken. „Die kaufen Nasenspray oder Kopfschmerztabletten und sind gleich wieder weg“, so Schlapmann. Wobei es natürlich auch junge Kunden gebe, die aufgrund von Erkrankungen regelmäßig Medikamente bräuchten.

Doch ganz gleich, wer die Räumlichkeiten betritt, sie alle können sich auf eine kleine Zeitreise begeben. Der alte hölzerne Verkaufstresen, hohe Regale mit leeren Gläsern und ein kleiner Wandschrank mit Etiketten aus längst vergangenen Tagen erinnern an die Jahre, als Birgit Karg als junges Mädchen in den Räumen Verkäuferin spielte – „natürlich nur dann, wenn kein Kunde da war“. Ebenso seit Jahrzehnten fester Bestandteil ist das Magazin „Apotheken-Umschau“. Die Zeitschrift, die auch „Rentner- Bravo“ genannt wird, ist für viele Kunden Grund genug, zweimal monatlich vorbeizuschauen.

Doch auch die Apothekenlandschaft unterliegt dem Wandel. Mittlerweile können viele Medikamente im Internet bestellt werden. Was Buchhändlern und Textilwarenverkäufern schon lange zu schaffen macht, droht somit auch Apothekern. „Wir wissen noch nicht, wie sich das entwickelt. Es wird sich in den nächsten zehn Jahren herauskristallisieren“, sagt Inge Schlapmann. Jedoch gebe es viele Menschen, die auch Angst vor Fälschungen hätten und deshalb Wert auf gute Beratung legen würden. Und eben dies bieten Birgit Karg und ihre Kolleginnen – tagtäglich.

Sebastian Rosenkötter

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