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Wie krank sind die Stormarner?
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Bargfeld-Stegen Wie krank sind die Stormarner?

Laut einer DAK-Studie für Stormarn, die jetzt in Bargfeld-Stegen vorgestellt wurde, nehmen psychische Leiden zu. 5000 Erwerbstätige im Alter von 20 bis 50 Jahre wurden befragt (Daten aus 2014). Vor allem das Hirndoping ist auf dem Vormarsch. Stimulanzien, Antidementiva, Antidepressiva und Betablocker heißen die Medikamentengruppen, die entweder auf dem Schwarzmarkt, über das Internet oder über Bekannte besorgt und gut zur Hälfte auch von Ärzten verschrieben werden.

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Hans-Werner Harmuth (DAK, l.) und Prof. Matthias Lemke.

Quelle: BA

Bargfeld-Stegen. Psychische Erkrankungen haben in Stormarn weiter zugenommen und sind der häufigste Grund für Fehlzeiten, gleichzeitig alarmiert der wachsende Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten für das Gehirn-Doping.

Zu diesem Ergebnis kommt der neue DAK-Gesundheitsreport 2015 für Stormarn, der jetzt in Bargfeld-Stegen vorgestellt wurde. Für den Gesundheitsreport wurden 5000 Erwerbstätige im Alter von 20 bis 50 Jahre befragt (Daten aus 2014). „Früher waren psychische Erkrankungen selten, heute sind sie eine Volkskrankheit“, erklärte Professor Matthias Lemke, Ärztlicher Direktor des Heinrich-Sengelmann-Krankenhauses in Bargfeld-Stegen, das auf psychisch erkrankte Patienten spezialisiert ist.

Mit 3,8 Prozent lag der Krankenstand 2014 in Stormarn um 0,2 Prozent höher als im Vorjahr. Dabei machen die psychischen Erkrankungen mit 21,2 Prozent den Hauptteil aus. „Die Ausfalltage aufgrund von psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen nehmen zu“, bilanzierte Hans-Werner Harmuth, Chef der DAK-Gesundheit Ahrensburg. „Sie waren im vergangenen Jahr Grund für jeden fünften Fehltag.“

Seit 2000 hätten sich die Fehltage durch psychische Erkrankungen in Schleswig-Holstein um 131 Prozent erhöht. Denn psychische Erkrankungen seien langwierig, so Harmuth: 3,9 Prozent der Erkrankungen seien im Kreis für 46,8 Prozent der Fehltage verantwortlich.

Gründe für die Zunahme lassen sich nicht eindeutig zuordnen. „Wir leben in einer sicheren Gesellschaft, in der es den Menschen gut geht“, sagt Professor Lemke, „trotzdem steigen die psychischen Erkrankungen an. Irgendetwas ist in der Gesellschaft schwieriger geworden.“ Sicher trage auch eine größere Offenheit, über psychische Krankheiten zu reden, zu den hohen Zahlen bei. Ein anderes Stichwort ist Stress, der zu hohen Belastungen führe. Die DAK hat zusätzlich in einer Sonderanalyse für ihren Gesundheitsreport bundesweit 5000 Menschen zum aktuellen Trend des Hirndopings befragt, demnach nutzen 25600 Beschäftigte mindestens zweimal im Monat verschreibungspflichtige Medikamente, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder um Stress abzubauen.

„Dabei geht es bei Männern vor allem um Leistungssteigerung, bei Frauen um Stimmungsaufhellung“, so Harmuth. Stimulanzien, Antidementiva, Antidepressiva und Betablocker heißen die Medikamentengruppen, die entweder auf dem Schwarzmarkt, über das Internet oder über Bekannte besorgt und gut zur Hälfte auch von Ärzten verschrieben werden. „Stimulanzien funktionieren“, erklärt Professor Lemke, „Wachheit und Aufmerksamkeit werden dadurch gesteigert.“ Auch Betablocker seien als Mittel geeignet. Allerdings bezahlten die Menschen die Einnahme mit zum Teil schweren Nebenwirkungen und der Gefahr der Abhängigkeit. „6,7 Prozent der Befragten haben ausgesagt, schon mal Medikamente zum Hirndoping genommen zu haben“, so Harmuth, „2008 waren es 4,7 Prozent.“ Dazu komme eine Dunkelziffer von geschätzt zwölf Prozent, fast 20 Prozent der Bevölkerung nutzten damit gelegentlich Medikamente, um die Leistung zu steigern.

Ständige Erreichbarkeit, die Anforderungen am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Freizeit und an sich selbst — die Gesellschaft ist unter Druck. Mit einem Präventionsangebot will die DAK gegensteuern. „Man kann auch ohne Medikamente auftanken“, so Harmuth und Lemke. „Umgang mit Stress muss gelernt werden, es gibt Entspannungsverfahren ohne Nebenwirkungen.“

Kursprogramme zu Bewegung und Sport, zur Stressbewältigung, Online-Coaching oder Broschüren mit Infomaterial sollen Betroffenen helfen, ihre Belastung im Alltag zu meistern.

Vierte Klinik geplant
Das Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus betreibt drei psychiatrische Tageskliniken in Stormarn. In Ahrensburg, Reinbek und Bargteheide gibt es Angebote für Patienten, die ambulant genutzt werden können. Eine vierte Tagesklinik ist in Bad Oldesloe geplant. Das Krankenhaus gehört zu den medizinischen Einrichtungen der Evangelischen Stiftung Alsterdorf.

Bettina Albrod

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