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100 Jahre Berufsfischerei
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Tarnewitz 100 Jahre Berufsfischerei

Uwe Dunkelmann und seine Familie feiern großes Jubiläum.

Im Restaurant „Fischereihof Kamerun“ vermarktet der Fischer seinen täglichen Fang. Das Lokal direkt am Hafen in Tarnewitz hat Dunkelmann 2008 eröffnet.

Tarnewitz. Vor hundert Jahren gab es noch wesentlich mehr Küstenfischer an der Ostsee und auch im Bereich der heutigen Gemeinde Boltenhagen. In den Dörfern Tarnewitz und Boltenhagen zogen sie täglich ihre Boote vom Strand in die Ostsee, und sogar von Redewisch aus wurde gefischt. „Dort gab es drei Fischer, die eigentlich Landwirte waren und nur am Sonnabend und Sonntag fischten“, berichtet Uwe Dunkelmann. Einer dieser drei Nebenerwerbsfischer war sein Großvater Adolf Dunkelmann.

LN-Bild

Uwe Dunkelmann und seine Familie feiern großes Jubiläum.

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„Dass sie nur am Wochenende fischten, gefiel den Boltenhagenern nicht, und sie zeigten sie an“, berichtet Uwe Dunkelmann. Nur sein Großvater bekam daraufhin eine Genehmigung, weil er den Beruf des Fischers gelernt hatte. Am 15. Juli 1917 wurde dem damals 17-Jährigen der „Erlaubnisschein für den Verkehr mit Fischerbooten in der Ostsee“ ausgestellt. Damit legte Adolf Dunkelmann den Grundstein für eine Fischerfamilie, die inzwischen seit hundert Jahren diesen Beruf lebt. Denn auch sein Sohn Günther und dessen Söhne Uwe, Joachim, Dieter und Klaus Dunkelmann haben den Beruf des Fischers gelernt.

Während der Großvater bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs vom Strand aus sein Fischerboot in die Ostsee manövrierte, durfte sein Sohn Günther Dunkelmann nur etwa ein Jahr so arbeiten. Er hatte sich 1960 selbstständig gemacht. „Mit dem Mauerbau 1961 mussten die Fischer in den Militärhafen nach Tarnewitz“, erklärt Uwe Dunkelmann, dessen Kutter „Uschi“ heute auch dort liegt. Allerdings wurde der ehemalige Militärhafen 2008 zum Sportboot- und Fischereihafen umgebaut.

„Bis zur Wende gab es von Rerik bis Dassow 102 Fischer. Heute sind es noch elf, in Boltenhagen sind wir drei“, erklärt Uwe Dunkelmann die Entwicklung. Außer ihm sind es noch Neffe Kai Dunkelmann – die vierte Generation der Familie – und Heiko Gores, die mit Stellnetzen fischen. „Die jetzt noch übrig sind, sind Leute, die die Fischerei mit Herzblut betreiben. An der Arbeit hat sich dabei bis heute kaum etwas geändert, nur die Geräte sind etwas moderner geworden“, sagt Uwe Dunkelmann. „Aber die Stellnetzfischerei gibt es in der heutigen Form schon seit Jahrhunderten, und wir wollen sie erhalten, weil es die Bestände schützt. Ich kann ganz gezielt mit unterschiedlichen Netzen entweder Schollen, Dorsche oder Heringe fangen“, erklärt Uwe Dunkelmann.

Allerdings habe man sich nach der Wende zusätzliche Standbeine suchen müssen. „Die schwere Arbeit des Fischers ist sicher mit den Jahrzehnten leichter geworden, die bürokratischen Hürden jedoch höher. Dennoch haben wir immer einen Weg gefunden, unsere Kutter auf Kurs zu halten und sicher wieder in den Hafen zurückzubringen“, sagt Uwe Dunkelmann. Er selbst eröffnete erst 1994 eine Fischräucherei an der Strandpromenade und dann 2008 das Restaurant im Tarnewitzer Hafen. „Wir waren als Kinder alle bei unserem Vater mit zum Fischen, auch meine Schwestern.“ Die Begeisterung für seinen Beruf zeigt sich auch bei der Frage nach der Zukunft und einer möglichen Nachfolge. „Fischen kann ich auch noch, wenn ich 80 bin. Das ist kein Beruf, bei dem man auf die Rente hinarbeitet.“

Dass sein zweijähriger Enkel begeistert mit auf die Ostsee fährt, freut den 57-Jährigen trotzdem.

Die Leitung des Restaurants „Fischereihof Kamerun“ hat schon Tochter Eva übernommen, sodass Uwe Dunkelmann eigentlich nur für den frischen Fisch sorgen muss. „Das ist das Wichtigste auf unserer Karte. Und nicht nur der Fisch, alles wird frisch zubereitet, Konserven oder Pulver gibt es nicht“, sagt Dunkelmann, der 21 Mitarbeiter, darunter fünf Köche, beschäftigt. Sie zeigen ihr Können, wenn heute mit geladenen Gästen im geschlossenen Kreis gefeiert wird.

Malte Behnk

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