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Kita-Politik verhindert Berufstätigkeit
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Lübeck Kita-Politik verhindert Berufstätigkeit

Ein Kind in der Kita, ein anderes in der Schulbetreuung – das kann für Familien zum logistischen Kraftakt werden. Oder sogar die Berufstätigkeit von Frauen verhindern. Und das nur, weil die Schließzeiten von Schulen und Kitas nicht aufeinander abgestimmt sind. Das wollen Eltern ändern.

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Wer kümmert sich wann um die Kinder? Götz und Antje Holderbach wälzen im Beisein von Alma und Frieda ihre Terminkalender.

Quelle: Foto: Lutz Roessler

Lübeck. Alma (1) geht in die Krippe der Kita St. Marien. Frieda (8) geht in die Kaland-Schule und in die Nachmittagsbetreuung. Götz (48) geht den ganzen Tag als Architekt arbeiten. Antje (40) ist studierte Landschaftsarchitektin und Umweltplanerin und geht gar nicht arbeiten. „Ich bin derzeit Hausfrau und Mutter, möchte jedoch wieder in Vollzeit in meiner Branche arbeiten gehen“, sagt Antje Holderbach.

500 Euro gibt die Familie, die in St. Jürgen wohnt, für die ganztägige Betreuung ihrer beiden Kinder im Monat aus. Trotzdem klappt das mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht. Grund: Die Schließzeiten von Schulen und Kitas sind in Lübeck nicht einheitlich.

Würden Götz und Antje Holderbach beide Vollzeit arbeiten, müssten sie im nächsten Jahr sage und schreibe 59 Tage Kinderbetreuung sicherstellen. „Ich habe keine 30 Tage Urlaub im Jahr“, sagt Götz Holderbach. Selbst ein Teilzeitjob, der in ihrer Branche kaum zu ergattern sei, würde das Problem nicht lösen, sagt Antje Holderbach. Und wenn die beiden den logistischen Kraftakt leisten könnten, würde die Familie darunter leiden. Ein gemeinsamer Sommerurlaub wäre nicht möglich.

Weil das kein Einzelschicksal ist, drängen die Elternvertretungen der Kitas schon seit längerem auf eine Vereinheitlichung und eine Reduzierung der Schließzeiten in den Betreuungseinrichtungen. Vor Wochen hat sich eine „Elterninitiative für Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ gegründet, die Unterschriften für andere Schließzeiten sammelt. 500 Voten hat die Initiative bereits zusammen. „Viele Listen sind noch unterwegs“, sagt Gründerin Jenny Scharfe. Sie schätzt, dass im Oktober 1000 Unterschriften zusammen sind. „Dann planen wir eine öffentliche Aktion.“

Schon jetzt treten die Frauen an die Parteien und Politiker heran. Antje Holderbach hat zur Bürgerschaftssitzung am kommenden Donnerstag eine Einwohnerinnenfrage vorbereitet und den Politikern ihren Schließzeiten-Kalender 2018 geschickt. Die SPD hat öffentlich erklärt, dass sie sowohl der Vereinheitlichung als auch der Reduzierung der Schließzeiten im Sinne der Eltern zustimmen werde. Auch die GAL will das. Die Elterninitiative will die Wahlkämpfe um das Bürgermeisteramt und die Kommunalwahl im Mai 2018 nutzen, um ihr Anliegen durchzusetzen. „Jetzt reden alle Parteien von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, erklärt Antje Holderbach und befürchtet, dass das nach den Wahlen kein Thema mehr sein wird.

Zumal es um viel Geld gehen soll. Die Verwaltung hat ausgerechnet, wie teuer eine Absenkung der Schließzeiten würde – in drei Varianten. Wenn Kitas während der Sommerferien nicht komplett schließen, sondern ein Teil in der ersten, der andere in der zweiten Hälfte, dann würde das 200000 Euro kosten. Wenn in jeder der über 100 Kitas eine Gruppe das ganze Jahr über geöffnet bleibt, kostet das 1,95 Millionen Euro. Wenn die Schließzeiten in allen Einrichtungen von 30 auf 20 Tage abgesenkt werden, kostet das 1,88 Millionen Euro. Bei einer Vereinheitlichung der Schließzeiten befürchtet die Verwaltung, dass „unabsehbare Folgen für Lübecks Unternehmen“ entstehen – wenn Eltern von über 10000 Kindern gleichzeitig Urlaub nehmen.

Rechtsanspruch gilt bis zur konkreten Einschulung

Wer betreut die Kinder, wenn die Kita zu den Sommerferien schließt und die Schule für den Abc-Schützen erst Wochen später beginnt? CDU und FDP hatten in einem Antrag darauf hingewiesen, dass in diesem Jahr zwischen Kita-Ende (31. Juli) und Einschulung (4. September) mehrere Wochen klafften. Die Verwaltung hat dazu eine Stellungnahme des städtischen Rechtsamtes eingeholt. Fazit: Die Stadt muss eine lückenlose Betreuung zwischen Kita-Besuch und Schuleintritt sicherstellen. Dieser Anspruch ist für die Familien einklagbar. Die Juristen räumen ein, dass diese Regelung die Kitas vor große Probleme stellt. Denn die Einrichtungen nehmen ab August die neuen Kinder auf. Nach Schätzungen der Bürgerschaftsabgeordneten Katja Mentz (GAL) betrifft diese Überbrückungszeit weit über 1000 Kinder.

Kai Dordowsky

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