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Ein Job mit Nervenkitzel: Fenster putzen unter Haien

Ein Job mit Nervenkitzel: Fenster putzen unter Haien

Im Meereszentrum Fehmarn muss einmal im Jahr das Haifischaquarium gesäubert werden. Der Biologe Kai Czepa steigt zum ersten Mal ins Becken der Raubfische.

Noch ist er ganz ruhig. Oder zumindest lässt er sich keine Aufregung anmerken. Kai Czepa arbeitet seit einem halben Jahr im Meereszentrum Fehmarn. Nach seinem Biologiestudium ist der Hesse für seinen neuen Job auf die Sonneninsel Fehmarn gezogen. Heute muss er Fensterputzen — im Haifischaquarium. „Haie sind viel besser als ihr Ruf“, sagt der 28-Jährige. „Die wenigsten Arten sind für Menschen gefährlich.“

Die meisten der 13 Haie im Becken des Meereszentrums gehören nicht dazu. Weder der rund drei Meter große Sandtigerhai noch der Ammenhai würden Menschen angreifen. Die kleinen Schwarzspitz-Riffhaie sowieso nicht. Nur von dem Zitronenhai, der ebenfalls mehr als zwei Meter groß ist und eigentlich im Flachwasserbereich des Atlantiks lebt, sind Angriffe auf Badegäste schon vorgekommen. „Naja, ein bisschen aufgeregt bin ich schon“, sagt Czepa.

Denn jetzt dauert es nicht mehr lange, bis es ins Becken geht. Schon den ganzen Tag bereitet sich Czepa gemeinsam mit Aquariumsleiter Thomas Ulrich auf den Putzeinsatz bei den Haien vor.

Tauchausrüstung zusammenstellen und überprüfen, Testfahrten mit dem Käfig — das dauert seine Zeit. Beim Anziehen der Neoprenanzüge gibt Ulrich die letzten Tipps. „Ruhig bleiben. Hauptsache ruhig bleiben“, sagt er. Das sei in dem engen Käfig mit den großen Haien um einen herum manchmal gar nicht so einfach.

Ulrich ist schon oft im Käfig getaucht — und auch ohne, im direkten Kontakt zu den Raubfischen. „Das würde ich heute aber nicht machen“, sagt Ulrich. „Wir haben die Haie zwar gestern erst gefüttert.

Aber sie haben sehr schlecht gegessen.“ Ein hungriger Hai könne dann doch schon mal bedenklich nahe kommen.

Jetzt gibt es kein zurück mehr. Czepa ist im Käfig. Ein letztes Handzeichen gibt er an den Taucher Ronald Bruhn, der während des Einsatzes den Seilzug kontrolliert. Dann geht es runter. Das Haifischbecken ist sechs Meter tief und fasst rund 300 Millionen Liter Wasser. Seine Tauchausrüstung wiegt mehr als 35 Kilogramm, damit er einen halbwegs festen Stand unter Wasser hat.

Mit Microfaserlappen putzt er die Scheibe, mit kreditkartenähnlichen Plastikkarten kratzt er die hartnäckigen Algenreste von der Panoramascheibe. Hinter dem 22 Zentimeter dicken Acrylglas stehen Besucher und schauen aufgeregt zu. „Haben die keine Angst?“, fragt ein kleines Kind seine Mutter. Es sieht nicht so aus. Mit einer fast schon stoischen Ruhe lässt Czepa das Microfasertuch an der Scheibe auf und ab gleiten.

Die Haie scheinen gar nicht besonders an dem menschlichen Besuch interessiert zu sein. Sie drehen weiter ihre Runden, als sei nichts passiert. Nur einer wird etwas neugierig. Und als sich der Sandtigerhai dem Käfig immer weiter nähert, hört Czepa auf zu putzen. Er dreht sich bedächtig um, hält inne und beobachtet, wie der Hai direkt auf ihn zukommt und langsam an ihm vorbeigleitet. Er schaut dem Tier noch kurz hinterher. Dann nimmt er seine Putzsachen wieder in die Hand und macht weiter — solange, bis alles sauber ist.

„Das war richtig cool“, sagt Czepa, als er an der Wasseroberfläche sein Atemgerät aus dem Mund nimmt. Er kriegt das Lächeln kaum aus seinem Gesicht. „Also, Scheiben putzen ist halt wie Scheiben putzen“, sagt Czepa. „Aber den Haien so nah sein zu können, war etwas ganz Besonderes. Viel näher geht es gar nicht mehr.“

Hannes Lintschnig

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