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Schneewittchen auf Probe: So wird das Märchen zum Stück

Schneewittchen auf Probe: So wird das Märchen zum Stück

Im Figurentheater Lübeck laufen die Vorbereitungen für das Theaterstück. Dem voran ging eine lange Planungsphase.

Im einen Moment tanzt die böse Königin noch den gehässigen Freudentanz, dann stirbt sie vor Neid. Die Figur sinkt zu Boden. „Noch einmal, bitte“, ruft Regieassistentin Franziska Technau zur Bühne des Figurentheaters in Lübeck hoch. Dort proben ihre Mutter Silke Technau und der künstlerische Leiter Stephan Schlafke.

Die Kulisse steht, die Figuren sind einsatzbereit. Doch die Ränge vor den beiden Puppenspielern sind leer. Es ist erst die Probe für das Stück „Schneewittchen“, das ab dem 11. August wieder auf dem Spielplan des Theaters steht. Bis so eine Aufführung stattfinden kann, ist es ein langer Weg — und das hat seine Gründe.

Wovon soll das Stück handeln? Sollen nur Erwachsene oder Familien mit Kindern zuschauen? „Das sind die ersten Fragen, wenn wir ein neues Stück entwickeln — wir haben uns für ein Familienstück entschieden“, sagt Schlafke. „Wir mögen Gruppenszenen und wollten unbedingt die Zwerge inszenieren.“ So kam die Idee, das Grimm-Märchen zu interpretieren. 2013 feierte es Premiere im Figurentheater, jetzt wird es wieder aufgeführt.

„Für das Stück haben wir uns zuerst mit der Regisseurin zusammengesetzt — das ist Kristiane Balsevicius“, sagt Silke Technau. Dann werde lange diskutiert: Wie sollen die Charaktere dargestellt werden? Sind die Zwerge eine Masse? Oder alles individuelle Figuren? Es werden die Grundsteine des Stückes gelegt.

Dann wird es konkreter: Wie kann man dafür sorgen, dass die Königin mal bedrohlich wirkt und mal gar nicht? Solchen Fragen geht die Regisseurin nach.„Die Regie plant zwar die Choreografie und auch die Umsetzung des Stückes, aber wir Puppenspieler müssen wissen, wie wir das Märchen genau interpretieren wollen“, erklärt Schlafke. „Irgendwann kommen alle auf einen gemeinsamen Nenner — dann wird es richtig gut“, ergänzt Technau. Vier bis sechs Wochen dauert dieser Prozess.

„Dann kommt die Frage, mit welchen unterschiedlichen Figurenarten wir am besten spielen“, sagt Schlafke. Stabfigur, Stockhandpuppen, Marionetten — je nach Szene und Charakter wird festgelegt, welche Arten vorkommen. „Die Königin spielen wir zum Beispiel als Stockhandpuppe“, erklärt der 52-Jährige. „Sie tritt damit ganz anders auf — ist viel größer und man kann auch mit der Puppe Kraft ausüben.“

In der Szene, in der sie Schneewittchen den Gürtel umlegt, könne man zum Beispiel mit der Hand richtig zuziehen. Mit einer Marionette ginge das nicht.

„Danach geht es an die Produktion“, erklärt der künstlerische Leiter. Die Puppen werden von den Figurenbildnern entworfen und die Bühnenbilder gebaut — vom Wald über die sieben Berge bis zum Zwergenhaus und dem Sarg. „Da haben wir uns ausgetobt“, verrät er. „Wir nutzen für das Stück die gesamte Bühne.“ Sechs bis sieben Monate dauert die Produktion. „Und alles dann komplett aufzubauen, dauert nochmal einen ganzen Tag.“

Der Leiter des Theaters öffnet eine Tür hinter der Bühne. Verborgen für die Augen des Publikums lagern hier in einem kleinen Raum alle Requisiten, die für die Stücke im Theater benötigt werden. „Den Korb mit dem vergifteten Apfel brauchen wir gleich“, sagt Schlafke.

Dann wird es noch einmal spannend — die Probe geht weiter. Ist alles passend? „Da wird manchmal noch etwas diskutiert und rumgeschraubt — an den Dialogen und dem Aufbau“, sagt der Puppenspieler.

„Meistens ist das aber nur noch ein wenig Feinarbeit.“ Dann nehmen er und seine Kollegin wieder ihre Positionen ein. „Jetzt üben wir vor allem die Bewegungsabläufe noch mal“, sagt Silke Technau.

Alles läuft reibungslos — erst bei der Schlussszene wird es wieder kniffelig. „Da unterscheiden wir uns etwas vom Märchen — bei uns tanzt die böse Königin einen Freudentanz“, sagt Technau. „Dabei stirbt sie. Während ich das spiele, muss Stephan das Bühnenbild im Hintergrund umbauen.“ Immer wieder üben sie die Szene mit der Regisseurin, bis die Abläufe schließlich sitzen.

„Es ist toll, wenn das Stück fertig ist — auch wenn wir damit vor längerer Zeit schon Premiere gefeiert haben“, sagt Stephan Schlafke. „Wir haben eine ganz eigene Variante geschaffen. Es ist von allem etwas dabei — was Schreckliches, was Schönes und was Lustiges.“ Davon kann sich das Publikum ab dem 11. August dann selbst überzeugen.

Kim Meyer

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