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Mittwinter: So feierten unsere Ahnen

Fehmarn Mittwinter: So feierten unsere Ahnen

Wie selbstverständlich wurden Weihnachten und die Geburt Jesu gefeiert, viele Ostholsteiner begehen nun den Jahreswechsel feierlich. Doch diese Feste sind nicht nur christlichen oder modernen Ursprungs, sondern haben sich auch über heidnische Bräuche unserer Ahnen entwickelt.

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„Die dem Götter- glauben hörigen Ahnen traten den zwölf Tagen mit Furcht und Freude entgegen.Karl-Wilhelm Klahn

Fehmarn. Der ehemalige Fehmaraner Stadtarchivar Karl-Wilhelm Klahn hat sich mit dem Thema beschäftigt und erläutert, wie es von einem zwölftägigen Fest der Germanen hin zu den heute üblichen weihnachtlichen und Silvester-Feierlichkeiten bis zur Ankunft der Heiligen Drei Könige am 6. Januar gekommen sein könnte. Ein Ursprung liege im altnordischen Jul, das heidnisch-germanische Opferfest des Mittwinters.

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Wie selbstverständlich wurden Weihnachten und die Geburt Jesu gefeiert, viele Ostholsteiner begehen nun den Jahreswechsel feierlich. Doch diese Feste sind nicht nur christlichen oder modernen Ursprungs, sondern haben sich auch über heidnische Bräuche unserer Ahnen entwickelt.

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„Es war die höchste Feier des Jahres und dauerte zwölf Tage“, erklärt Klahn. Es deute auf ein Beschwörungsfest zu Ehren von Odins – Hauptgott der nordischen Mythologie – „wildem Heer“ hin.

Ausgangspunkt war die Wintersonnenwende

Den Anfang bildete dabei die Wintersonnenwende vom 21. auf den 22. Dezember, sagt Klahn. Sie stand im Zeichen des brennenden Rades als Gleichnis und zur Begrüßung der endlich wieder höhersteigenden, Leben spendenden Sonne. Am „Abend der Umkehr des glühenden Balls“ habe es ein Freudenfeuer gegeben und mit Stroh umwickelte Reifen seien von den heiligen Hügeln abgerollt worden – fast immer an Standorten von Megalithgräbern. Auf Fehmarn hätte die Dorfjugend diese uralte Sitte noch bis zum Ersten Weltkrieg praktiziert und zwar von den Wulfener Bergen, die – 19,5 Meter hoch – aus sieben Hünen-Langgräbern bestanden.

Die dem Natur-Götterglauben total hörigen Ahnen hätten den fast zwei Wochen andauernden Feierlichkeiten zugleich mit Furcht und Freude entgegengesehen, erklärt Klahn. „Es galt der Glaube, dass die Sonne am niedrigsten Stand des Jahres für einen Moment stillstehe und die zwölftägige irdische Seelenwanderung der gefürchteten Wiedergänger aus dem Totenreich, angeführt von Allvaters Odin wilden, himmlischen Heerscharen, beginnt.“

Jetzt galt es für die heidnischen Vorfahren, sich in diesen unheilvollen Tagen – nach dem im Jahre 1582 eingeführten Gregorianischen Kalender vom 25.

Dezember bis zum 6. Januar – vor dem unerwünschten „Besuch“ der Verstorbenen zu schützen. Um den Dämonen den Eintritt zu verwehren, habe sich offenbar spitzes Wintergrün wie Ilex, Stechpalme, Mistel, Christdorn, Tanne, Eibe und Fichte bewährt.

Nordgermanische Bräuche nie ganz verschwunden

Der Verlauf dieser zwölf heiligen Tage habe das kommende Jahr bestimmt. „Alles, das ganze persönliche Leben, das wirtschaftliche Auskommen, konnte sich zum Guten wie zum Bösen wenden“, erläutert Karl-Wilhelm Klahn. Ähnlich wie heute noch Silvester-Spielchen wie das Bleigießen die Zukunft voraussagen sollen. „Mit dem Einzug des Christentums wurden zwar heidnische Riten mit dem Tode bestraft, jedoch verschwanden viele nordgermanische Bräuche nie so ganz“, sagt der Fehmaraner.

Der heute weihnachtliche Baumbehang war damals kein Schmuck, sondern diente allein der Beschwörung. Äpfel sollten eine gute Ernte verheißen, Gebäck in Tierform diente dem Jagdzauber und goldene Eier an den grünen Zweigen – in Dithmarschen von Theodor Storm überliefert – waren mystische Darstellungen des Fruchtbarkeitskults aus der heidnischen Zeit. „Selbst unser winterliches Nüsseknacken ist mit dem Symbol der Fruchtbarkeit behaftet“, betont Klahn.

Vom heidnischen Wintergrün zum Tannenbaum

In einer Handschrift von Maria Einsiedeln aus dem achten Jahrhundert werde die Bekehrung und Umwandlung der heidnischen Riten und Feste in christliche dargestellt: das Jul-Winteraustreiben wurde auf Weihnachten zurückgedrängt und neue Kirchen über alte Opferstätten errichtet.

Klahn: „Und so wurde auch aus dem einstmals mystischen germanischen Lichterkult wie das spitze Wintergrün der Mittwinterzeit über Jahrhunderte ein christlich-geschmückter Tannenbaum, der oft bis zum 6. Januar Einlass in unser Haus findet.“

Von Markus Billhardt

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