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Akademische Wanderjahre ins Ungewisse

Lübeck Akademische Wanderjahre ins Ungewisse

Nach der Doktorarbeit beginnt für Jungforscher die Postdoc-Phase – Sie hangeln sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag – Initiative am FZ Borstel will auf Situation aufmerksam machen.

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Die vier „Postdocs“ Dr. Lars Lunding (v. l.), Dr. Sabine Bartel, Dr. Christina Vock sowie Dr. Tobias Dallenga vom Forschungszentrum Borstel werten zusammen im Lungenfunktionslabor am PC-Arbeitsplatz Versuchsergebnisse der letzten Wochen aus.

Quelle: Michael Hollinde

Lübeck. Nein, ohnmächtig wirken sie nicht, auch nicht mutlos; dabei gleicht ihre Situation häufig einer beruflichen Sackgasse. „Man steht als Postdoc ziemlich allein auf verlorenem Posten“, resümiert Dr.

Christina Vock. Insbesondere der hohe Anteil an befristeten Verträgen, die kurzen Vertragslaufzeiten und die schlechten Berufsperspektiven würden für immer größeren Unmut und Frustration in ihrer Berufsgruppe, die den wissenschaftlichen Mittelbau an Hochschulen und in Forschungseinrichtungen bildet, sorgen.

„Daher haben wir nun eine Postdoc-Initiative hier am Forschungszentrum Borstel gegründet, um mehr auf unsere Situation aufmerksam zu machen“, sagt Mitstreiter Dr. Lars Lunding. Zirka 50 Nachwuchsforscher am FZ seien in einer vergleichbaren Lage. Sie haben also als Wissenschaftler ihre Promotion mit dem Doktorgrad abgeschlossen und sind nun an einer Universität oder einem Forschungsinstitut befristet angestellt. Sie arbeiten an Forschungsprojekten, wobei die Stelle des Postdoktoranden meist durch Drittmittel finanziert wird.

„Die Anzahl der Postdoc-Stellen an der Universität zu Lübeck beträgt allein für den nicht-medizinischen Bereich etwa 45. Die Zahl der Stellen in der Medizin ist schwierig zu ermitteln, aber wohl noch weitaus höher“, erklärt der Lübecker Uni-Pressesprecher Rüdiger Labahn. Bedarf für die Initiative sei entsprechend reichlich vorhanden, folgern Dr. Sabine Bartel und Dr. Tobias Dallenga, die ebenfalls zu den Borsteler Gründungsmitgliedern zählen und auf einen Schulterschluss mit den Uni-Betroffenen hoffen.

Besonders schwer wiegt die Ungewissheit darüber, ob am Ende der Postdoc-Jahre überhaupt einmal ein fester Vertrag in der Wissenschaft steht. Denn auf wenige Stellen kommen viele Bewerber. Der Karriereplan geht mit permanenter Risikoabschätzung einher. Wie lange kann man noch auf eine feste Stelle hoffen; wann beginnt es für einen Wechsel in andere Berufe zu spät zu werden? „Planung in dem Sinne gibt es nicht für uns“, betont daher Dr. Christina Vock, die nun seit sieben Jahren am FZ Borstel in der Lungenforschung tätig ist und stets über projektbezogene Verträge finanziert wurde.

Die 37-Jährige sagt aber ausdrücklich, dass sie gern auf ihrer Stelle arbeite, da Aufgaben und Inhalte ihr voll entsprechen würden. „Das könnte sich beim nächsten Schritt auf der Karriereleiter Richtung Arbeitsgruppenleiter schnell ändern, da dann viele administrative Aufgaben auf einen warten.“

Der promovierte Biologe Lars Lunding weist noch darauf hin, dass gerade in dieser „Qualifizierungsphase“ um das 30. Lebensjahr familiäre Entscheidungen anstünden. „Diesbezüglich lässt das Wissenschaftssystem jedoch überhaupt keine Planbarkeit zu, da die nötige Flexibilität gefragt ist“, bilanziert der 32-Jährige. Man müsse das Risiko einfach eingehen, merkt Dr. Tobias Dallenga an.

Sein Glück: „Meine Frau ist verbeamtete Lehrerin“, so der 36-Jährige.

Das „Postdoc“-Problem ist kein rein deutsches Problem, sondern zieht sich durch die gesamte Wissenschaftswelt. Einige Länder haben dies jedoch bereits erkannt und darauf reagiert. „Ein gutes Beispiel dafür ist das PostDoc Development Center am Imperial College London mit sechs angestellten Trainern in dem Bereich“, weiß Dr. Sabine Bartel. Hier habe man es sich zur Aufgabe gemacht, PostDocs zu begleiten und optimal auf die kommenden Aufgaben – ob innerhalb oder auch außerhalb der akademischen Welt – vorzubereiten. „Wenn wir es als Initiative schaffen würden, spezielle Fortbildungen für uns anzuregen, dann wäre ein erster Schritt getan“, so Christina Vock. Immerhin habe die FZ-Spitze zur Unterstützung der Pläne schon einen 10000 Euro-Zuschuss pro Jahr zugesagt.

Die Initiative ist zu erreichen per E-Mail an postdoc@fz-borstel.de.

Promotion und dann?

Die Promotion ist geschafft, doch der Weg zur Professur beschwerlich. Nur wenige junge Wissenschaftler ergattern wirklich eine Stelle. Und unterhalb der Professur gibt es in Deutschland sehr wenige dauerhafte wissenschaftliche Stellen, beispielsweise für Personen, die eher unterrichten als forschen. Ein Beispiel ist der Akademische Rat im Höheren Dienst. Beim Privatdozent handelt es sich um einen Ehrengrad. Damit erwirbt man nur das Recht, Vorlesungen und andere Veranstaltungen anzubieten.

Michael Hollinde

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