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Im Hirnzentrum wird noch kaum geforscht

Lübeck Im Hirnzentrum wird noch kaum geforscht

Fünf Wochen nach Eröffnung des neuen Vorzeigebaus an der Uni herrscht dort noch gähnende Leere — Erst wenige Wissenschaftler sind ins CBBM eingezogen.

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Professorin Kerstin Oltmanns ist von ihrem neuen Büro im „Zentrum für Gehirn, Hormone und Verhalten“, kurz CBBM, auf dem Uni-Campus begeistert. Sie leitet dort die Sektion Psychoneurobiologie, die aus einem Team von knapp zehn Mitarbeitern besteht.

Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Kerstin Oltmanns hat ein geräumiges Eckbüro auf der zweiten Etage, viel Fensterfläche, hell und gemütlich, den Uni-Campus im Blick. „Ja, hier lässt es sich gut arbeiten“, kommentiert die Professorin, die ihr Büro vorher im Dachgeschoss eines sehr in die Jahre gekommenen Klinik-Gebäudes hatte. Arbeiten heißt bei ihr forschen, und dafür sind die Bedingungen — schenkt man den Machern dieses Gebäudes Glauben — „ideal“.

Erst kurz vor Ostern konnte die Wissenschaftlerin in ihr neues Zuhause, das „Zentrum für Gehirn, Hormone und Verhalten“, kurz CBBM, einziehen. Es kostete summa summarum knapp 40 Millionen Euro und wurde Ende Februar mit großem Bahnhof, Prominenz und ministeriellem Beistand festlich eingeweiht.

Noch sind nicht alle Umzugskartons ausgepackt. „Doch keine Sorge — das geht jetzt schnell. Und ich bin sehr froh, dass wir endlich unsere Räume beziehen können“, so die Leiterin der Sektion Psychoneurobiologie, die über ein Team von knapp zehn Mitarbeitern — Psychologen, Physiker, Ingenieure, Mediziner und Ökotrophologen — verfügt. Immer wieder sei der Umzugstermin seit Anfang Dezember verschoben worden, bemerkt sie.

Das, was die studierte Ärztin als besonderen „Geist“ des neuen Forschungsbaus hervorhebt, kann allerdings noch nicht zum Tragen kommen. „Das Tolle am CBBM sind die über das ganze Gebäude verteilten Begegnungszonen — in den Teeküchen, den Pantrys, den Sitzecken“, erklärt die Heisenberg-Professorin, die vor inzwischen sechs Jahren federführend das Strukturkonzept des CBBM entworfen hat.

So komme zum Beispiel der Student — abseits der hierarchischen Barriere, die es leider ansonsten oft gebe — mit dem Professor mal locker über seine Arbeit ins Gespräch. „Dadurch können interdisziplinär neue Ideen entstehen, die ansonsten gar nicht in die Welt gekommen wären“, ist Kerstin Oltmanns überzeugt.

Doch zum Begegnen braucht es Menschen, und die sind auf den vier Geschossen noch absolut Mangelware. Gähnende Leere herrscht in den Gängen; die zwei überdachten Atrien wirken gespenstisch. Von den 320 Wissenschaftlern, den insgesamt 33 Arbeitsgruppen aus 20 unterschiedlichen Kliniken und Instituten, ist momentan fast nichts zu sehen.

Prof. Olaf Jöhren, wissenschaftlicher Geschäftsführer des CBBM, beruhigt: „Der Umzug von wissenschaftlichen Arbeitsplätzen und Laboren ist naturgemäß ein komplexer Vorgang, der normalerweise zirka zwei bis drei Monate dauert. Und wir gehen davon aus, dass die letzten Forscher im Sommer das CBBM bezogen haben werden.“ Er verschweigt jedoch nicht, dass es über den Fertigstellungstermin hinaus „einige kleinere Arbeiten“ zu erledigen gegeben hätte. So ist noch Anfang Februar in einem internen Schreiben, das den LN vorliegt, von „sicherheitsrelevanten Mängeln und erheblichen Nutzungseinschränkungen“ die Rede.

Womit Jöhren den „Ball“ ins Feld des Bauträgers spielt, dem Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH). Dessen Geschäftsführer Hans-Adolf Bilzhause hatte am 26. Februar dem Präsidenten der Universität den symbolischen Schlüssel übergeben. GMSH-Pressesprecherin Barbara Müller: „Aus baulicher Sicht beziehungsweise aus Sicht der GMSH können die Räume und Labore seit Februar von der Uni bezogen werden.“

Kerstin Oltmanns hat es jedenfalls schon in den Bau geschafft. Mit Hochdruck möchte sie nun ihre Suche nach den Ursachen für Übergewicht und Diabetes intensivieren. „Wir betreiben Grundlagenforschung und hoffen, daraus mal Therapie-Strategien für Patienten ableiten zu können“, so die Wissenschaftlerin.

Alle unter einem Dach

Am 26. Februar ist an der Universität der hochmoderne Forschungsneubau für das „Zentrum für Gehirn, Hormone und Verhalten“ (Center of Brain, Behavior and Metabolism, CBBM) eröffnet worden. Zu diesem fächerübergreifenden, international vernetzten Schwerpunkt sollen rund 300 Wissenschaftler und Doktoranden aus 18 Nationen forschen. In 33 Arbeitsgruppen untersuchen Ärzte, Biologen, Psychologen, Ernährungswissenschaftler, Pharmakologen und Physiker beispielsweise die Zusammenhänge von Schlaf, Stoffwechsel, Essverhalten und Übergewicht.

Von Michael Hollinde

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