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Immer mehr Studierende: Die Uni ist voll

Lübeck Immer mehr Studierende: Die Uni ist voll

1068 Ersteinschreibungen: Die Universität zu Lübeck hat in diesem Wintersemester einen neuen Rekord erreicht. Die Studierendenzahlen sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Das stellt die Uni organisatorisch vor Herausforderungen.

Der große Hörsaal ist voll, es gibt kaum freie Plätze. In anderen Hörsälen sind selbst Fensterbänke oft von Studenten besetzt.

Quelle: Lutz Roessler/lin

Lübeck. Überfüllte Hörsäle und Busse, Wohnungsnot, lange Wartezeiten in der Mensa, ständig besetzte Computerarbeitsplätze: Der Ansturm der neuen Studierenden stellt die Universität der Hansestadt vor Organisationsprobleme. Studentenwerk und Asta fordern mehr Platz.

Um 13.40 Uhr sind schon fast alle Plätze besetzt, zwanzig Minuten vor Beginn der Vorlesung „Einführung in die klinische Medizin“. Es ist Freitagnachmittag, eigentlich eine gute Zeit für Studierende, die Uni mal Uni sein zu lassen und früher ins Wochenende zu starten. Doch der Hörsaal Z3 im Zentralklinikum des UKSH ist prall gefüllt, die rund 200 Plätze reichen bei Weitem nicht. Einige schimpfen über die Wärme im Raum, andere sehen es mit Humor. „Oh, das ist aber kuschelig hier, schöne Luft“, sagt ein Student ironisch und ergattert einen der letzten Plätze in den vorderen Reihen.

Der Grund für die vollen Hörsäle: Immer mehr junge Leute wollen in Lübeck studieren. Mit 1068 Ersteinschreibungen hat die Universität zu Lübeck in diesem Wintersemester einen neuen Rekord erreicht. Mittlerweile studieren insgesamt 4639 Menschen an Lübecks Uni. Die Studierendenzahlen sind in den vergangenen Jahren schon stetig gestiegen, im vergangenen Jahr aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs sogar um knapp 38 Prozent. Wegen der neu eingeführten Studiengänge „Hebammenwissenschaft“ sowie dem Masterstudiengang „Hörakustik und Audiologische Technik“ sind die Erstsemestereinschreibungen erneut um etwa elf Prozent gestiegen. „Wir freuen uns über unsere neuen Studierenden und dem großen Interesse an der Uni“, sagt Rüdiger Labahn, Sprecher der Universität.

Universitäts-Präsident Hendrik Lehnert hob bei der Begrüßung der „Erstis“ in St. Petri hervor, dass man trotz der Rekordzahlen weit von einem Massenbetrieb entfernt sei. „Obwohl man in der Situation mit einer gewissen Raumnot fertig werden muss.“

Es ist kurz nach zwei Uhr, mittlerweile sind auch die Treppenstufen an den äußeren Rändern des Hörsaals weitgehend belegt. Um 14.05 Uhr bittet die Dozentin um Ruhe. Immer noch kommen Studierende herein. Sie flüstern, blicken suchend über die vielen Köpfe und setzen sich dann auf die letzten freien Plätze auf den Treppenstufen oder knien sich auf den Boden hinter der letzten Reihe. „Hier vorne ist noch Platz“, sagt die Dozentin. „Aber nur einer.“

„Wir brauchen dringend mehr Lehrräume“, sagt Jan Niklas Rösch, stellvertretender Asta-Vorsitzender. „Die Pausen zwischen den Vorlesungen wurden verkürzt, damit abends noch eine Veranstaltung stattfinden kann. Die Computerplätze sind ständig besetzt. Das muss sich ändern“, sagt der Informatikstudent. Um der Raumnot entgegenzuwirken, hat die Uni sechs Containerkomplexe aufgestellt, die Platz für 13 Seminarräume bieten. „Aber die Container sind noch nicht einsatzbereit. Ab November soll etwa die Hälfte der Container nutzbar sein, die anderen erst ab Sommer 2018“, so Rösch. Der Umbau der ehemaligen Frauenklinik soll zusätzlich Abhilfe schaffen, allerdings gibt es dafür noch keinen Zeitplan. Auch an der Fachhochschule, an der sich ebenfalls über tausend neue Studierende eingeschrieben haben, setzt man auf eine Containerlösung. Zumindest solange, bis der 6,5 Millionen Euro teure Neubau eines Seminargebäudes ab Sommer nächsten Jahres benutzbar sein wird.

Julia Sikorski kommt gerade aus dem Audimax und sucht ihren Seminarraum. Die 19-Jährige beginnt ihr Informationstechnologie- und Designstudium. Mit vollen Hörsälen hatte sie bisher nicht unbedingt ein Problem. „Aber die Busse morgens, oh Gott! Das geht gar nicht“, sagt sie. „Die sind immer voll, aber wirklich brechend. Meistens komme ich gar nicht mehr rein.“ Auch Katharina Kewitz, Medizinstudentin im ersten Semester, spürt den Studierenden-Ansturm in der Hansestadt: „Ich habe noch keine Wohnung gefunden“, sagt die 18-Jährige, die erst spät ihren Zulassungsbescheid bekommen hat. Momentan pendelt sie jeden Tag zwischen Lübeck und ihrer Heimatstadt Lüneburg. „Was soll man machen? Es gibt nicht viele bezahlbare Wohnungen in Lübeck – aber viele Interessenten.“

Zahlen und Fakten

Neun staatliche Hochschulen hat Schleswig-Holstein: Die Christian-Albrechts-Universität (CAU) in Kiel, die Fachhochschule Kiel, die Muthesius-Kunsthochschule Kiel, die Universität zu Lübeck, die Fachhochschule Lübeck, die Musikhochschule in Lübeck, die Europa-Universität Flensburg, die Hochschule Flensburg (früher FH) und die Fachhochschule Westküste in Heide.

66 000 Studenten sind zum Wintersemester 2017/18 an Schleswig-Holsteins Hochschulen eingeschrieben. Davon entfallen allein 26 500 (5500 Erstsemester und Wechsler) auf die CAU als größte und einzige Voll-Universität des Landes. Es folgen die FH Kiel mit 17 813 Studierenden (1445), die Uni Lübeck mit 4639 (1068), die FH Lübeck mit 4900 (1168) und die Europa-Universität Flensburg mit 5700 (1895).

In rund 130 Fachrichtungen kann in Schleswig-Holstein ein Studium aufgenommen werden.

Wissenschaftliches und künstlerisches Personal: 1050 Professorinnen und Professoren. Davon sind vier Fünftel männlich.

Die laufenden jährlichen Ausgaben der Hochschulen sind von 576,2 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 677,4 Millionen Euro in diesem Jahr gestiegen.

Hinzu kommt das Sondervermögen Hochschulsanierung in Höhe von 83 Millionen Euro und die Sanierungsvereinbarung mit der CAU im Umfang von 215 Millionen. Zudem seien seit 2013 rund 3,7 Millionen Euro für Neubau und Sanierung von Studentenwohnungen aufgewendet worden.

Wissenschaftsministerin Karin Prien (CDU): „Wir arbeiten daran, dass zukünftig nicht nur die einzelne Hochschule als solche wahrgenommen wird, sondern auch der Hochschulstandort Schleswig-Holstein eine sichtbare und anerkannte Top-Marke wird.“

ctö

„Die Wohnungslage ist kritisch“, sagt auch Studentenwerk-Sprecherin Kerstin Klostermann. „In Zeiten steigender Studierendenzahlen, überhitzter Wohnungsmärkte und explodierender Mietpreise wird es für Studierende immer schwieriger, preisgünstigen Wohnraum zu finden.“ In Lübeck bietet das Studentenwerk in vier Wohnheimen insgesamt 550 Plätze an – das entspricht einer Versorgungsquote von unter sechs Prozent. 350 Studierende sind auf der Warteliste für einen Wohnplatz. „Wir sind in Gesprächen mit den Hochschulen für ein neues Wohnheim. Wir hoffen, schon bald den Standort bekannt geben zu können.“ Niklas Rösch vom Asta beschreibt die Lage auf dem Wohnungsmarkt als „extrem“. „Wir haben akute Probleme, es ist sehr schwierig“, sagt der 24-Jährige.

Maurice Didion wartet im Audimax auf den Beginn seiner Vorlesung. Der 20-jährige Saarländer studiert IT-Sicherheit. „Ich habe mich ziemlich früh um eine Wohnung gekümmert und mich für einen Platz im Studentenheim beworben – beides hat nicht geklappt“, sagt Didion. Mittlerweile hat er zwar eine Wohnung gefunden, allerdings erst ab dem 5. November. „Momentan lebe ich in einer Ferienwohnung. Das ist ziemlich teuer“, sagt er. Der hohe Mietpreis ist auch der Grund dafür, warum er die Vorwoche seines Studiums verpasst hat und erst direkt zum Studienbeginn angereist ist. „Das ist schade, weil man in der Vorwoche die Kommilitonen und die Uni kennenlernen kann. Ich weiß noch nicht einmal, wo die Mensa ist“, sagt er und lacht. „Aber die ist eh immer voll, habe ich gehört. Ich kaufe mir immer morgens beim Bäcker etwas.“

Und das ist wohl eine gute Idee, denn in der Mensa herrscht zur Mittagszeit Land unter. „In den Stoßzeiten haben wir eine massive Schlangenbildung“, sagt Andreas Mildner, der seit 2013 die Mensa leitet. Bis zu 45 Minuten müssen Studierende auf ihr Essen warten – dann ist die Mittagspause vorbei. „Wir haben oben 450 Plätze, die sind alle belegt und die Schlange geht die Treppe herunter bis zur Cafeteria.“ In der ersten Studienwoche hat das Mensateam einen Rekordwert erreicht: 1800 Studierende haben sie an einem Tag versorgt. „Das gab es noch nie. Das ist zu viel, wir schaffen es nicht mehr, alle Studierende zu versorgen“, sagt der 51-Jährige. „Wir brauchen mehr Platz – für die Gäste und für unsere Waren.“

Angelika Landt legt schon um zehn Uhr die ersten Currywürste auf die Bratplatte, etwa 20 Stück, akkurat nebeneinander platziert. Die 50-Jährige arbeitet in der Cafeteria direkt unter der Mensa.

„Da ist noch ein bisschen Platz“, sagt die 50-Jährige und quetscht ein Würstchen dazwischen. „Den brauchen wir auch.“ Denn wenn die Schlangen zur Mensa besonders lang sind, weichen viele Studierende auf die Cafeteria aus. „Das ist schon heftig. Hier gehen täglich rund 150 Currywürste weg. Das war früher nicht so“, sagt Landt. „Und das bei gleicher Personalstärke.“ Dabei wurde vonseiten des Studentenwerks Schleswig-Holstein schon einiges unternommen, um den Ansturm der Studierenden abzufedern. So gibt es alle warmen Mittagsgerichte auch „to go“, die Arbeitsabläufe wurden optimiert, außerdem gibt es auf der Webseite des Studentenwerks eine Frequenzanzeige, die die aktuelle Auslastung der Mensen anzeigt. „Dennoch haben wir ein Platzproblem“, sagt Klostermann. „Wir fordern gemeinsam mit den Hochschulen vom Land schon seit längerer Zeit einen Erweiterungsbau. Bisher leider ohne Erfolg.“

Angelina Zott kommt nach der Vorlesung zur klinischen Medizin aus dem vollgestopften Hörsaal Z3 heraus und wartet auf den Bus Richtung Travemünde. „Ich habe in Lübeck selbst leider keine Wohnung gefunden“, sagt die 23-Jährige. „Ich fahre eine Stunde bis zur Uni. Das nervt schon. Und es ist sehr ruhig in Travemünde, zu ruhig.“ Zwar wohnt sie nur 800 Meter vom Strand entfernt, „aber das bringt auch nur in den paar Tagen im Sommer etwas. Ich versuche, ins Zentrum zu ziehen. Hoffentlich klappt es bald.“

Von Hannes Lintschnig

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