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Mehr Frauen sollen Chirurginnen werden

Uni Mehr Frauen sollen Chirurginnen werden

Im Fach Chirurgie liegt der Frauenanteil bei lediglich 20 Prozent. Das soll nun anders werden. Dafür wirbt ein Projekt, das an der Lübecker Uni gestartet ist.

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Assistenzärztin Wiebke Grasmeier (28) desinfiziert sich die Hände, bevor sie den Operationssaal betritt. Junge Chirurginnen wie sie gibt es zu wenige, sagt die Lübecker Uni.

Quelle: Fotos: Lena Schüch (3), Lutz Roeßler

Unregelmäßige Dienstzeiten, hohe Belastung auf Station und im OP sowie Planungsunsicherheit während und nach der langen Ausbildung: Das Arbeitsfeld der Chirurgie birgt vielerlei Unwägbarkeiten — insbesondere für Frauen, die nicht nur beruflich Karriere machen wollen, sondern auch privat Pläne haben. „Mir sind in meinem Studium viele begegnet, die sich für Chirurgie interessiert haben“, sagt Stefanie Schierholz, „schließlich haben sie sich aber dann doch dagegen entschieden, weil sie einfach keine Vereinbarkeit von Familie und Beruf sahen“. Die 30-Jährige steckt mitten in der Facharztausbildung zur Chirurgin und weiß daher, dass vieles in ihrem Beruf nicht so einfach planbar ist; angefangen von der zielgerichteten Weiterbildung bis hin zur Arbeitszeiteinteilung.

Die Klinik für Chirurgie am Universitätsklinikum (UKSH) Campus Lübeck sah bei dieser Problematik dringend Handlungsbedarf. Zusammen mit der Unitransferklinik Lübeck, die auf Projekt- und Qualitätsmanagement spezialisiert ist, hat sie nun das Projekt „FamSurg“ (Family and Surgery, also „Familie und Chirurgie“) beziehungsweise „FemSurg“ (Female Surgeon, zu deutsch „Chirurgin“) ins Leben gerufen. „60 bis 70 Prozent der Medizinstudierenden sind weiblich, aber Frauen entscheiden sich viel seltener für die Chirurgie“, sagt Projektmitarbeiterin Sarah Peter. „Diesem Nachwuchsmangel muss entgegengewirkt werden.“

Da die Probleme angehender Chirurginnen in unterschiedlichen Feldern bestehen, werden im Projekt fünf Arbeitspakete bearbeitet: Kinderbetreuungsmanagement, Arbeitszeitmodelle, Weiterbildungsstrukturierung und -technisierung sowie betriebspsychologische Betreuung. Es sind drei Phasen bei dem Projekt geplant, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert wird. „Zunächst muss geschaut werden, wie der Ist-Zustand der Chirurgie ist und welche Bedürfnisse es gibt“, sagt Projektmitarbeiterin Wiebke Zweig. Wenn modellhaft ein Maßnahmen-Katalog erstellt und am Campus Lübeck umgesetzt worden sei, könne in der finalen Phase überprüft werden, ob die Maßnahmen auch an anderen Kliniken realisierbar wären.

Frisch gestartet ist das Projekt nun mit dem Programm „Karriereförderung für Chirurginnen“, an dem Medizinstudentinnen der höheren Semester, aber auch Chirurginnen, die schon in der Facharztausbildung sind, teilnehmen können. „Das ist sozusagen ein Rundum-Paket“, sagt Wiebke Zweig. „Es geht hier nicht nur um die Karriereplanung, sondern auch um Persönlichkeitsbildung.“ Also: Wie finde ich meine Stärken? Wie kann ich mich durchsetzen und meine beruflichen und privaten Ziele verfolgen?

Medizinstudentin Julia Landolt ist eine von 14 Teilnehmerinnen, die sich über das Programm Unterstützung erhofft. „Der Beruf ist schon insgesamt nicht so einfach, da sollte man jede Chance ergreifen, die einem bei der Entscheidungsfindung hilft“, sagt die 24-Jährige, die der Fachbereich der Chirurgie schon während der Famulatur reizte. Auch Stefanie Schierholz wusste im Praktischen Jahr, dass die „Handarbeit“ (so die die wörtliche Übersetzung von Chirurgie aus dem Altgriechischen) ihre Passion ist: „Man kann dem Patienten auf dem direkten Weg helfen“, sagt die 30-Jährige. „Und man hat eine direkte Rückkopplung.“ So kann ein Patient mit einer Blinddarmentzündung nach einem chirurgischen Eingriff binnen drei Tagen wieder genesen.

Es zeigt sich: An Motivation und Begeisterung für ihren Beruf mangelt es angehenden Chirurginnen nicht. Die Rahmenbedingungen für die „Work-Life-Balance“, das Gleichgewicht von Leben und Arbeit, könnten für sie nur deutlich verbessert werden.

Lena Schüch

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