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Frauen gründen anders

Auf der Couch – der Expertentipp Frauen gründen anders

Frauen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit häufig, weil ihnen gar nichts anderes übrig bleibt. Denn Teilzeitstellen sind immer noch rar, Arbeitszeitmodelle wenig flexibel. Die gute Nachricht ist: Viele dieser Frauen sind erfolgreich.

Nadine Nentwig arbeitet als Texterin, Bloggerin und Redakteurin. Ihre Erfahrungen hat sie in dem Ratgeber „Kluge Frauen scheitern anders“, Eden Books, verarbeitet.

Quelle: Knoth

Köln. Frauen gründen anders als Männer. Das ist nicht nur mein persönliches Empfinden, sondern wird auch von unterschiedlichen Studien belegt. Wobei Frauen nicht nur anders gründen, sondern auch seltener. Denn, wie eine KfW-Dokumentation aus dem Jahr 2013 belegt, wird nur jedes dritte Unternehmen von einer Frau gegründet. Auch die Beweggründe für eine Unternehmensgründung sind bei Frauen andere, als bei Männern.

Frauen gründen aus der Not heraus

So traurig es klingen mag: Oft bleibt uns Frauen gar nichts anderes übrig, als uns selbstständig zu machen. Während Männer gründen, um sich beruflich zu verändern, mehr Geld zu verdienen oder um eine innovative Geschäftsidee zu verwirklichen, gründen Frauen häufig aus der Not heraus. Das gilt natürlich längst nicht für alle Frauen, aber laut Studie wohl doch für viele. Insbesondere Mütter scheinen die Selbstständigkeit für sich entdeckt zu haben, da Teilzeitstellen bzw. flexible Arbeitszeitmodelle noch immer rar sind und sie nur durch eine berufliche Selbstständigkeit überhaupt die Chance haben nach der Elternzeit wieder in die Erwerbstätigkeit zurückzukehren. Das Ganze nennt sich dann „Nebenerwerbsgründung“.

Ich gehöre zu beiden Lagern und kann dementsprechend beide Seiten nachvollziehen. Als ich mich das erste Mal selbstständig gemacht habe, war ich 27 Jahre jung, kinderlos und hatte auch sonst keine größeren Verpflichtungen. Dementsprechend wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit aus freien Stücken und aus puren Idealismus heraus.

Da mein Unternehmen nach fünf Jahren scheiterte, sah ich mich mit Anfang 30 – jetzt mit Haus und Kind – plötzlich wieder mit der Frage konfrontiert, wie es beruflich mit mir weitergehen sollte. Dass sich die Rückkehr in die Festanstellung als schwierig gestalten würde, machte mir spätestens ein Besuch bei der Arbeitsagentur deutlich. Hier zitiere ich immer wieder gerne meinen damaligen Jobvermittler, der mir mit den einfühlsamen Worten: „Frau Nentwig, Ihr Lebenslauf liest sich tadellos. Große Hoffnung auf einen Job sollten sie sich trotzdem nicht machen. Ich kenne viele gut qualifizierte Mütter. Die finden alle nichts“, jegliche Illusionen raubte. Weil er mit dieser düsteren Prognose leider auch noch Recht behalten sollte, entschied ich mich am Ende für eine erneute Selbstständigkeit. Was aber zum Glück nicht bedeutet, dass ich deshalb unzufrieden mit meinem Job wäre.

Männer sind nicht automatisch erfolgreicher

Denn, jetzt die gute Nachricht: Nur, weil die Mehrheit der Männer sich aus freien Stücken für die Selbstständigkeit entscheidet und Frauen diesen Schritt eher aus Mangel an Alternativen wagen, heißt das nicht, dass Männer deshalb automatisch erfolgreicher sind. Eher im Gegenteil sogar. Von Frauen gegründete Unternehmen halten sich meist länger am Markt, als die Firmen ihrer männlichen Kollegen. Grund: Frauen gründen mit Bedacht. Außerdem investieren sie in der Regel weniger Kapital und ihre Unternehmen wachsen dadurch langsamer und organischer. Das senkt das Risiko des Scheiterns. Dafür machen weibliche Entrepreneurs leider auch weniger Umsatz, was sicherlich der Tatsache geschuldet ist, dass viele im Nebenerwerb gründen und ihnen somit weniger Arbeitszeit zur Verfügung steht.

Apropos Arbeitszeit. Laut einer Befragung im Auftrag der Hypovereinsbank, ist die Vereinbarkeit von Kind und Karriere für viele Frauen ebenfalls ein ganz entscheidender Faktor, um sich für eine Selbstständigkeit zu entscheiden. Viele glauben, dass sich Job und Kinder mit einer selbstständigen Tätigkeit besser unter einen Hut bekommen lassen, als es vielleicht in einem starren Angestelltenverhältnis der Fall wäre. (Was ich aus meiner Erfahrung heraus nur bestätigen kann.) Wirtschaftliche Faktoren scheinen bei den meisten Frauen hingegen eine eher untergeordnete Rolle zu spielen.

Von Nadine Nentwig/RND

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