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Hamburgs Uni-Präsident kritisiert Trend weg vom „Turbo-Abi“

Bachelor-Studium verlängern Hamburgs Uni-Präsident kritisiert Trend weg vom „Turbo-Abi“

Viele Bundesländer haben sich von einer verkürzten Schulzeit mit „Turbo-Abitur“ abgewendet. Der Vorsitzende des Aktionsrates Bildung Lenzen hält das für falsch. Der Hamburger Uni-Präsident hat eine andere Forderung an die Bildungspolitik.

Mathematikunterricht einer 8. Klasse: Viele Bundesländer haben sich von einer verkürzten Schulzeit mit „Turbo-Abitur“ wieder abgewendet.

Quelle: Julian Stratenschulte

Hamburg. Die Abkehr vieler Bundesländer vom „Turbo-Abitur“ nach nur zwölf Schuljahren wieder hin zum neunjährigen Gymnasium (G9) ist nach Ansicht des Vorsitzenden des Aktionsrates Bildung, Dieter Lenzen, der falsche Weg.

„Ich würde der Bildungspolitik empfehlen, nun nicht nach so kurzer Zeit wieder zurückzukehren zu G9, sondern dem G8-Modell eine Chance zu geben“, sagte der Präsident der Universität Hamburg der Deutschen Presse-Agentur. Seine Forderung: Das durch die Verkürzung der Schulzeit gewonnene Jahr sollte für eine Verlängerung des Bachelor-Studiums von sechs auf acht Semester genutzt werden, so dass es eine einjährige Orientierungsphase für die Studienwahl enthalte und zur Persönlichkeitsbildung beitrage. In Bremen und Niedersachsen beginnt am Donnerstag das neue Schuljahr.

Das „Turbo-Abitur“ nach nur zwölf Schuljahren ist in Deutschland umstritten. Erst hatten sich fast alle Bundesländer dem internationalen Standard von acht Jahren Gymnasium (G8) angeschlossen, inzwischen gab es in einigen einen teilweisen oder völligen Schwenk zurück zur alten Form.

Warum hat G8 in Deutschland so ein Imageproblem? „Das ist die Unterstellung der Politik, dass Eltern - und das sind ja die Wähler - es bevorzugen, wenn die Kinder länger in einer abhängigen Lernphase sind“, kritisierte der 69 Jahre alte Erziehungswissenschaftler. „Wir haben in Deutschland - das ist eine lange reformpädagogische Tradition, die in das 19. Jahrhundert zurückreicht - die Idee von dem Schonraum Kindheit.“ Eltern neigten dazu, diesen möglichst groß zu machen.

Lenzen plädiert für ein dem Studium vorgeschaltetes Jahr, das allgemeinbildende Inhalte bieten soll. Das sei auch wichtig, weil die Studierenden heutzutage sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. „Beispielsweise ein Nord-Süd-Gefälle bei schulischen Ergebnissen, viele internationale Studierende oder Berufstätige ohne Abitur“, berichtete Lenzen. In dem Orientierungsjahr könnten die Studierenden zudem herausfinden, welchen Beruf sie einmal ergreifen möchten und was sie am besten dafür studieren sollten.

Vorbild könnte laut Lenzen dabei etwa die USA sein. Bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge habe Europa - insbesondere Deutschland - das Modell nicht richtig kopiert, monierte der Professor. „Diese Orientierung auf das Studium hin fehlt komplett. Das Gymnasium kann das nicht leisten.“ Da helfe auch G9 - also ein Abitur nach 13 Schuljahren - nicht weiter. „Die Universität weiß am besten, welche Voraussetzungen sie in den einzelnen Studiengängen formuliert.“

Die Sorge, dass man in einem G8-Gymnasium zu wenig lernen könnte, ist nach Lenzens Meinung unbegründet. „Bei dem alten G9 wurden im Wesentlichen die Inhalte des elften Schuljahres gestrichen, weil sie sehr stark Wiederholung der Sekundarstufe I waren“, sagte er. „Deshalb ist auch nicht so viel weggefallen.“

Der Aktionsrat Bildung ist ein Gremium renommierter Bildungsforscher, das von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) 2005 gegründet wurde.

dpa

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