Kripo ermittelt: Warum starb der Feuerwehrmann?
Es war nur eine Übung. Aber der Feuerwehrmann Rüdiger N. hat sie nicht überlebt. Die Umstände sind völlig unklar. Jetzt ermittelt die Kripo.Seit Monaten stand das alte, heruntergekommene Haus auf dem ehemaligen Gestüt St. Hubertus leer. Niemand hatte Interesse an der Holzbaracke gegenüber vom Flughafen Blankensee - nur die Feuerwehr Niendorf. Am vergangenen Freitag wollten 22 freiwillige Helfer hier (wie berichtet) den Ernstfall proben: ein Feuer in einer Wohnung. Was als Übung unter realen Bedingungen gedacht war, endete in einer Katastrophe. Feuerwehrmann Rüdiger N. (33) kam beim Einsatztraining ums Leben. Wie konnte es dazu kommen? War die Übung "zu real"? Hat der erfahrene Feuerwehrmann Fehler gemacht? Kripo und Feuerwehr tappen bei den Untersuchungen der genauen Todesumstände im Dunkeln.
Das schreckliche Unglück ereignet sich am Freitag gegen 19 Uhr. Rüdiger N., seit 1988 Mitglied der Wehr, und ein Kamerad haben die Übung vorbereitet. Ausgerüstet mit Schutzjacken und Atemschutzgeräten gehen sie in die Baracke. In der Badewanne wollen sie altes Holz und Sträucher entzünden. Während N. den Brand entfacht, verlässt sein Kamerad das Haus.
Was in den kommenden Minuten im Haus geschieht, darüber gibt es bisher nur Spekulationen. Fest steht: Rüdiger N. wurde in der Baracke eingeschlossen, konnte das Bad aus eigener Kraft nicht verlassen. Als die übrigen Helfer ihn befreiten, atmete er nicht mehr, seine Haut war größtenteils verbrannt. Exakt um 19.05 Uhr riefen die Niendorfer Retter bei der Leitstelle um Hilfe. "Die Helfer forderten den Notarzt an und teilten mit, dass ein Kamerad akute Kreislaufprobleme habe", berichtet Feuerwehr Sprecher Michael Utech. Nur fünf Minuten später trifft der Notarzt ein. Rüdiger N. liegt vor der Hütte am Boden. Sein Helm und seine Atemmaske haben die Kameraden abgenommen, sie versuchen ihn wiederzubeleben. Mit Herz-Kreislauf-Versagen und schwersten Verbrennung wird N. ins Krankenhaus gebracht. Hier stirbt er kurz vor 20 Uhr.
Noch am Abend beschlagnahmen Polizei und Staatsanwaltschaft die Unglücksstelle. Das Kommissariat 11 hat die Ermittlung aufgenommen, die Spurensicherung untersucht den Tatort. "Wir prüfen, ob ein Fremdverschulden vorliegt, Sicherheitsvorschriften missachtet wurden oder ob das Opfer fahrlässig gehandelt hat", so Polizeisprecher Frank Doblinski. Bisher gibt es über die genauen Umstände allerdings nur Mutmaßungen. Im Lübecker Ortsteil Niendorf ist hinter vorgehaltener Hand die Rede davon, dass N. möglicherweise nach den Ästen noch einen Feuerwerkskörper entzünden wollte und dabei Rauchgas entfacht hat. Andere Quellen berichten, dass alle Ausgänge mit Holzplatten zugenagelt und die Türgriffe abmontiert waren. Die Badezimmertür sei dann ins Schloss gefallen und habe den 33-Jährigen in der Flammenhölle eingesperrt. Ebenso unsicher ist auch, ob Brandbeschleuniger zum Einsatz kamen. Ein Protokoll der Übung gibt es - obwohl sonst üblich - nicht.
Für die Feuerwehren in Schleswig-Holstein gehören die so genannten "heißen Übungen", also Einsatzsimulationen mit Feuer, zum Alltag. Nach dem Unglück will nun aber eine Kommission der Lübecker Feuerwehr prüfen, ob dieses Training nicht doch zu gefährlich ist.
Die Feuerwehren und die Stadt planen einen Trauergottesdienst. Für die Witwe des toten Hauptfeuerwehrmannes haben Kameraden unter dem Stichwort "Unfall FF Lübeck" ein Hilfskonto bei der Raiffeisenbank Ratzeburg (BLZ: 200 698 61; Konto: 15 05 803) eingerichtet.
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