Feuerwehr trauert um Rüdiger N.
Nach dem Tod des Feuerwehrmannes Rüdiger N. bei einer Übung wollen die Wehren Vorschriften verschärfen. Und nach wie vor bleibt es ein Rätsel, wie das Unglück überhaupt geschehen konnte.Vor der verkohlten Haustür der alten Holzbaracke brennen Kerzen. Auf der Türschwelle wurden Blumen niedergelegt. Die Trauer über den Tod des Feuerwehrmannes Rüdiger N., der am Freitagabend bei einer Routine-Übung im Feuer ums Leben kam, sitzt auch fünf Tage nach dem Unglück tief. Noch kann sich niemand erklären, warum der 33-jährige Hauptfeuerwehrmann, der als erfahren galt, starb. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwalt dauern noch an.
In dem Lübecker Vorort Niendorf, wo N. zusammen mit seiner Frau gewohnt hatte, ist das schreckliche Ende der Übung auf einem alten Gestüt an der Blankenseer Straße Gesprächsthema Nummer eins. "Die Nachricht, dass N. tot ist, hat uns alle geschockt", erzählt eine junge Niendorferin an der Haustür. "Es gibt so viele Gerüchte über das, was sich am Freitagabend abgespielt hat. Im Ort wird viel spekuliert. Aber etwas Genaues weiß noch keiner."
Auch N.s Feuerwehr-Kameraden trauern. "Die Stimmung ist sehr gedrückt", so Feuerwehr-Sprecher Michael Utech. In das Entsetzen mische sich aber auch Zorn - Zorn über Berichte, in denen die Kollegen aus der Hansestadt als "Anfänger" dargestellt werden.
Unter welchen Umständen der Feuerwehrmann am Freitagabend ums Leben kam, ist nach wie vor nicht gänzlich geklärt. Gestern untersuchten Kripo-Beamten und Brandsachverständige noch einmal den Unglücksort, Ermittler befragten die Kameraden des Verunglückten. Bisher gibt es aber nur wenige Ergebnisse: Laut Michael Utech schließen die Experten aus, dass ein Brandbeschleuniger wie Benzin eingesetzt wurde, um das Stroh für das tödliche Übungsfeuer zu entfachen.
Zudem stellte sich heraus, dass tatsächlich einige Fenster und Türen der verlassenen Holzbaracke, in der Lübecker Feuerwehren bereits mehrfach geübt haben, mit Platten verriegelt worden waren. Ob die Türklinken bereits vor der Übung abmontiert waren oder ob sie durch das Feuer abgefallen sind, wird noch untersucht.
Ebenso rätselhaft ist, was genau im Haus geschah. Die Wehr wollte einen Zimmerbrand simulieren, Rüdiger N. sollte im Badezimmer das Feuer entzünden. Warum er den Raum nicht aus eigener Kraft verlassen konnte, weiß zur Stunde noch niemand. Weitere Erkenntnisse erhofft sich die Kripo von der Obduktion der Leiche. Das Ergebnis soll morgen vorliegen. Aus Feuerwehr-Kreisen wurde bekannt, dass die Helfer für die Wasserversorgung während der Übung keinen Hydranten angezapft hatten. Das Wasser sollte aus dem Tank eines speziellen Einsatzwagens fließen. Dies ist laut Utech "nicht unüblich".
Der erste tödliche Unfall bei einer Lübecker Feuerwehr-Übung seit 1945 muss nach Meinung Utechs Konsequenzen haben: "Wir dürfen nicht einfach zum Alltag zurückkehren." Sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind, soll eine Kommission ihre Arbeit aufnehmen. Die Vorschriften müssten verschärft werden, damit sich ein solches Unglück nicht wiederholt. Unter anderem solle geprüft werden, welche Gebäude sich für Übungen mit Feuer eignen. Schleswig-Holsteins Landesbrandmeister Uwe Eisenschmidt aus Meldorf sagte den LN, er wolle auch weiterhin an "heißen Übungen" wie der in Blankensee festhalten. "Ich bedauere zutiefst, was geschehen ist. Wir werden aus dem Unglück Schlüsse ziehen. Aber wir brauchen diese realistischen Simulationen, um unsere Feuerwehrleute auf den Ernstfall vorzubereiten."
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