ln-online/lokales vom 25.08.2005 01:00
Mit Carstensen kam auch von Bismarck
Moin Calle. Ich hoffe, dir geht es wieder besser." Mit diesen Worten begrüßte gestern Nachmittag Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen seinen CDU-Parteikollegen Carl-Eduard von Bismarck. Der Direktkandidat für den Wahlkreis 10 (Lauenburg/Stormarn-Süd) hatte nach einem Bandscheibenvorfall seinen ersten Wahlkampfauftritt und zu diesem Zeitpunkt bereits fast 20 Minuten vor dem Restaurant Strehl in Ahrensburg gewartet. Als Carstensen dann um 16.18 Uhr dem dunklen BMW mit Münchner Kennzeichen entstieg, gab's erst eine Umarmung mit der Ahrensburger CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Renate Tangermann, viele "Moins" und Händeschütteln mit anderen Christdemokraten wie dem Ahrensburger Landtagsabgeordneten Tobias Koch. Drinnen im Restaurant warteten rund 200 Interessierte, die bei Pflaumenkuchen (25 Kilo Pflaumen hatte das Restaurant Strehl verbacken) darüber spekulierten, ob von Bismarck nach seinem USA-Aufenthalt tatsächlich erscheinen werde.
Er tat es, quasi im Schlepptau von Carstensen, dem eine große Sympathiewelle entgegen schwappte und der die Leute dann mit einer 45-minütigen, aber kurzweiligen Rede unterhielt. Der Landesvater gab sich dabei ganz volksnah, schaffte den Spagat zwischen launigen Anekdoten und ernsthaftem Wahlkampf, blickte zurück auf die ersten 120 Tage große Koalition in Schleswig-Holstein und verteidigte dabei auch den unpopulären Schritt, Amtsgerichte zu schließen (siehe unten).
Ein ganz wichtiger Begriff, der sich wie ein roter Faden durch Carstensens Rede hielt, war das Wort "ehrlich". "Wir haben die Wahl gewonnen, weil wir ehrlich waren. So wie es jetzt auch die Bundes-CDU ist", sagte Carstensen und schlug damit den Bogen zum Bundestagswahlkampf. Er verteidigte ausdrücklich die angekündigte Mehrwertsteuer-Erhöhung. Schließlich werde durch die damit verbundene Senkung der Lohnnebenkosten die Arbeit billiger, neue Arbeitsplätze entstünden.
Von Bismarck nahm den Ball auf, sprach von einem "ehrlichen Wahlkampf". Anders als Carstensen hielt er sich kurz, erklärte, dass er wegen eines Rückenleidens erst jetzt nach Deutschland habe zurückkehren können, gab sich aber kämpferisch: "Ich bin für Sie da, werde das Direktmandat holen, denn SPD-Kandidat Thomas Sauer hat es nicht verdient." mc
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