ln-online/lokales vom 15.12.2005 01:00
Breitenfelde: Panzerknacker sind längst polizeibekannt
Breitenfelde - Ausgerechnet ihre Vorliebe für die kleine Filiale der Raiffeisenbank an der B 207 in Breitenfelde ist den am Montag auf frischer Tat festgenommenen Panzerknackern aus dem Großraum Rostock zum Verhängnis geworden. Wie Kai Schlotfeldt, der Sprecher des Kieler Landeskriminalamtes (LKA) erklärte, hatte sich ein Staatsanwalt während der Ermittlungen im Zuge der Serie an den 43 Jahre alten Haupttäter der Bande erinnert. Der war bereits einmal vor dem Lübecker Landgericht angeklagt, weil er die Dorf-Bank kurz nach der Wende überfallen hatte. "Der damalige Staatsanwalt erinnerte sich an den alten Fall und gab uns für unsere aktuellen Ermittlungen den Tipp, den Mann doch mal zu überprüfen", erklärte Schlotfeldt. Das begann dann ganz heimlich. Und damit begann auch die erfolgreiche Fahndung des LKA. Zuletzt hatten sich die Ermittler unauffällig wochenlang an die Fersen der Männer geheftet und nur darauf gewartet, dass sie wieder einen Geldautomaten sprengen würden, um sie auf frischer Tat zu schnappen. Dieses Konzept der Polizei ging am Montag in Malliß (Kreis Ludwigslust) auf. Mittlerweile wurden neben den sechs Tätern vom Montag auch eine Bekannte der Männer, die ihnen für die Zeit vor und nach den Taten eine so genannte "Basiswohnung" zur Verfügung gestellt hatte, und zwei weitere Komplizen, die an früheren Raubzügen beteiligt waren, geschnappt. "Das ist das Ergebnis der weiteren Ermittlungen, die jetzt laufen", erklärte Schlotfeldt. Bisher gehen die Ermittler davon aus, dass die Männer ihre Serie am 9. Juni in Breitenfelde gestartet und ganz dreist fünf Wochen später noch einmal dort zugeschlagen hatten. Bei der zweiten Tat hatten die Panzerknacker vermutlich sogar abgewartet, bis eine Zivilstreife der Ratzeburger Polizei die Filiale überprüft und ihre Streife fortgesetzt hatte. Im südlichen Schleswig-Holstein und im nördlichen Niedersachsen gab es bis zum 1. September durch eingeleitetes Gas acht weitere Sprengungen von Geldautomaten.
Fünf der sechs Räuber, die ein Spezialeinsatzkommando der Polizei bei den Vorbereitungen zur Sprengung des Automaten in Malliß festgenommen hatte, wurden in Untersuchungshaft gebracht, so Klaus-Dieter Schultz von der Lübecker Staatsanwaltschaft gestern. Gegen einen Mann hatte bereits ein Haftbefehl wegen früherer Straftaten bestanden. Die Mitglieder der Bande sind der Polizei bereits durch Einbrüche und Gewalttaten bekannt. Aufgrund der straffen Organisation der Bande gehen die Ermittler davon aus, dass die Männer lange Haftstrafen erwarten.
Der 43 Jahre alte Haupttäter war bereits zu DDR-Zeiten mehrfach straffällig geworden und hatte sich seine Sprengkenntnisse offenbar in seiner Zeit als Soldat angeeignet.
Die Abteilung für Serienstraftaten und Bandenkriminalität des LKA setzt die Untersuchungen fort, um den Panzerknackern alle zehn Taten nachweisen zu können.
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