Voll im Trend: Immer mehr Azubis wollen Bauer werden
Auch wenn die Bauern es nicht immer leicht haben, liegt der Beruf Landwirt wieder voll im Trend. Um acht Prozent mehr Azubis kamen auf die Lehrhöfe.Vogelpest und Schweinepest. Davor schon kam der Rinderwahn und alle Jahre wieder saufen landauf, landab die Äcker ab. Mit der Milchmengenverordnung mussten die Bauern fertig werden, die Stilllegungsprämie wegstecken, dann wieder Auflagen bei Massentierhaltung ausbaden. Und jetzt noch der Papierkrieg mit Brüssel: für den bevorstehenden Subventionsumbau auf die Flächenprämie schwitzen die Landwirte unter Leselampen und zeichnen ihre Schläge in Luftaufnahmen ein. 18 Millionen Euro weniger als zuvor bleiben nach der angelaufenen Agrarreform im nördlichsten Bundesland hängen, so rechnen sie. - Die letzten ihres Standes etwa?
"Im Gegenteil", sagt Stefan Struve (37), Landwirt in Seedorf am Schaalsee, und steigt von seinem Trecker. Acht Prozent mehr junge Leute als noch vor einem Jahr drängen in seinen Beruf. Das meldet die Landwirtschaftskammer zum bevorstehenden Ausbildungsstart im Juni. Auch wenn die Hälfte der Azubis zu Hause keinen Hof hat, auch wenn der effektive Lohn dem Vergleich mit anderen Jobs kaum stand hält und auch wenn der Arbeitstag bei Aussaat, Ernte oder im Stall nicht selten bis auf 15 Stunden klettert.
Die Habenseite des Bauernberufs verspricht Beständigkeit. "Landwirte werden selten arbeitslos", verteidigt Struve die Berufswahl. "Qualifizierte Kräfte werden in der Maschinentechnik, in der Zucht oder als angestellte Betriebsleiter immer wieder gesucht", weiß er. Ließ es selbst bei der Lehre nicht bewenden, ging nach dem Agrarstudium als Betriebsleiter nach Eckernförde und nach Neubrandenburg. Kehrte erst dann wieder auf den elterlichen Hof zurück, ist seit 2001 dort Chef. Stellte einen gelernten Landwirt fest ein. "Und ist jetzt mein Lehrherr", sagt sein Azubi im dritten Lehrjahr, Benjamin Schmeling aus Quarnstedt. Mit 17 weiteren Landwirtschaftsschülern, darunter zwei Frauen, sitzt er in Mölln der Berufschulklasse, verdient jetzt 500 Euro und hat rosige Aussichten.
Deutlich über 40 Jahre ist das Durchschnittsalter der Betriebsleiter. Zur Landwirtschaftsschule will Benjamin anschließend, und dann als Bauer mit EDV-, mit Technik-, mit Betriebswirtschaftswissen ebenfalls zurück auf den elterlichen Betrieb. "Wer das nicht hat, ist außer in großen Betrieben auch im Land-, oder Landmaschinenhandel gefragt", macht Ausbilder Struve Mut. Und das wissen die Schulabsolventen von der Hauptschule bis zum Abitur. Längst sind die Lehrstellen in der Landwirtschaft knapp geworden. 1000 Betriebe im Land können ausbilden. 520 tun es zur Zeit und Ministerium und Kammer werben stetig für noch mehr freie Plätze. Unter den Azubis herrscht Arbeitseifer: Unter fünf Prozent nur brechen die auch körperlich anspruchsvolle Lehrzeit ab. Einen besonderen Ruf genießen die jungen Frauen. "Sie machen aktuell weniger als zehn Prozent aus", so das Kieler Landwirtschaftsministerium. "Wenn sie sich aber entschieden haben", so Struve, ist ihrer Motivation besonders hoch.
Mit 550 Hektar im Ackerbau ist Stefan Struves Hof gut aufgestellt. Struves Frau ist Lehrerin, das Kind noch klein. Sie kommen gut klar, sagt er. "Mittelstand" lässt er als Maß seines Lebensstandards gerne gelten. Der 37-Jährige selbst hängt abends nicht bräsig bei Korn und Bier im Krug. "Zur Jagd, zum Jagdhornblasen dann und wann", sagt er, joggt locker seine 25 Kilometer und auch ein Ski-Winter ist schon mal drin.
Jedes Jahr hat er einen neuen Lehrling auf dem Hof und braucht ihn auch als Arbeitskraft. "Learning by doing. - Am besten lernt man in der Praxis", ist sein Standpunkt, und steht bei aller Fachautorität mit seinem Benjamin auf Du und Du. Der gehört mit zur Familie, stöhnt nichts von "schuften", sondern strahlt und sitzt wenn es sein muss auch noch unter Sternen auf dem Trecker. 150 Sauen und 70 Hektar warten einmal daheim auf den kommenden Landwirtschaftsmeister oder sogar Ingenieur, der "schon mit 15 von zu Haus weg und in die Lehre" gegangen ist. Er kann zupacken, versteht was von Motoren und Technik, attestiert ihm sein Chef. Das braucht er auch. Für kleine Reparaturen und nicht zuletzt zur Bedienung der High-Tech-Trecker und ihrer computerkontrollierten Maschinen. Ein Navigationssystem - zur akkuraten Feldbestellung - und ein Funkgerät hat auch der kleinste von Struves drei Schleppern. 100 000 Euro kostet der, hat 20 Vorwärts- und 12 Rückwärtsgänge und zieht derzeit unter Landwirt wie Lehrling die gleichen geraden Bahnen über den handhohen Raps.
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