ln-online/lokales vom 11.05.2006 01:00
Lübecker Galerien und ihre Ausstellungen: Drei Ansichten von Kunst
Lübeck - Großes mit viel Farbe, Grundhaltungen des Menschen in Tusche gezeichnet, Bilder der Stadt - das bieten Lübecker Galerien. Ein Rundgang.Die Bilder von Peter Kripgans kommen einem vor wie alte Bekannte: Lübecker Postkartenmotive - Buddenbrookhaus, Rathaus, Obertrave, Glockengießerstraße. Bilder seiner Heimatstadt. Kripgans, 1947 in Lübeck geboren, zeichnet mit Farbstiften auf Papier. 15 Originale und 5 signierte Gicleedrucke sind in der Galerie Ansichtssache in der Hüxstraße (bis 15. Juni) zu sehen. Eine Art Liebeserklärung an die Lübecker Altstadt mit ihren Giebeln und Gängen. Menschen kommen in der Ausstellung "Bilder des Lichts" nicht vor, wohl aber Dinge des Alltags: eine Mülltonne in einem Gang, der Eiswagen vor dem Rathaus.
In der Galerie Ansichtssache, in der auch Kinderspielzeug und -bekleidung verkauft werden, haben Kripgans' Bilder es nicht leicht, neben "Felix"-Socken und -T-Shirts Aufmerksamkeit zu bekommen. Richtig störend aber sind die riesigen Poster-Ständer, die entlang der Wand stehen. Und was haben die Bilder, die Kripgans' Arbeit mit Behinderten dokumentieren, auf der Heizung zu suchen?
Schade, aber nicht zu ändern, sagt "Ansichtsache"-Chef Thomas Jespersen zur Präsentation der Ausstellung: "Wir leben nun mal vom Verkauf von Kunstdrucken, von Spielzeug und Kinderkleidung." Die Kunden der "etwas anderen Galerie" störe das nicht.
So etwas tut die Galerie Noran, Hüxstraße 71, dem Bildhauer Lothar Fischer (1933 - 2004) nicht an. 24 Tuschezeichnungen Fischers, einer der größten deutschen Bildhauer, sind hier noch bis zum 15. Juni zu sehen: überwiegend Frauenakte oder Männer auf Pferden, bei Fischer beherrschende Motive. Die Ausstellung ist auch Einladung zu einer Auseinandersetzung mit Fischers Kunstbegriff. Was ist Kunst? Kunst kommt von der Kunst, so Fischer in seinem 2001 erschienenen Buch "Zur Kunst aus bildnerischer Sicht": "Irrtümlich wird immer noch angenommen, dass Kunst von Können komme." Seine Heimatstadt Neumarkt hat Fischer ein Museum gewidmet, das kurz nach seinem Tod eröffnet wurde. Auch die Lübecker erhalten Gelegenheit, ihn näher kennen zu lernen. Im kommenden Jahr soll es in der Kunsthalle St. Annen eine Ausstellung der von Fischer gegründeten Künstlergruppe "Spur" geben. Anlass für die Galerie Noran, im November Plastiken von Lothar Fischer zu zeigen.
Nur eine Straße weiter, aber künstlerisch ein Riesensprung: In der Galerie Stewner in der Wahmstraße sind Bilder einer zwar nicht mehr jungen, aber noch ziemlich neuen Künstlerin zu sehen: Die abstrakten Werke Heidemaria Thieles, Jahrgang 1945, ehemalige Lehrerin und Museumspädagogin, sind vor allem eines: farbig. Zehn großformatige Bilder (überwiegend ein mal ein Meter, Acryl auf Leinwand) und acht kleinere (Acryl auf Papier) der Wahlhamburgerin sind noch bis zum 20. Mai auf den 45 Quadratmetern Ausstellungsfläche zu sehen. liz
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