ln-online/lokales vom 08.08.2006 23:00
Anabolika verkauft: Acht Monate auf Bewährung
Bad Oldesloe - Der weltweite Dopingsumpf ist offensichtlich noch viel tiefer und größer als bislang vermutet. Ausläufer führen sogar bis nach Bad Oldesloe. Das Amtsgericht verurteilte gestern Andreas S., einen 33-Jährigen aus Rümpel, zu acht Monaten auf Bewährung, weil er im Jahr 2003 mehrere Kilogramm Anabolika bestellt und im Kreis Stormarn weiterverkauft hatte. Die fast dreistündige Verhandlung zeigte deutlich, dass verbotene leistungsfördernde und muskelaufbauende Mittel wie anabole Steroide längst auch den Freizeitsport nicht nur erreicht, sondern schon fast verseucht haben. So war da zunächst ein Zeuge aus Ahrensburg - ähnlich kräftig gebaut wie der Angeklagte -, der von seinem Recht Gebrauch machte, die Aussage zu verweigern. Grund: Ein ähnliches Verfahren gegen ihn sei gerade eingestellt worden, so dass er sich möglicherweise selbst belasten würde.
Der 35-jährige Ahrensburger half Richterin Dorit Schulze bei der Wahrheitsfindung also nur bedingt weiter. Schulze berief sich nachher jedoch auf eine Aussage des Zeugen in einer früheren Vernehmung. Darin hatte er eingeräumt, für Andreas S. Pakete angenommen und auch bei ihm Dopingmittel wie Anabolika gekauft zu haben.
Der Angeklagte selbst schwieg während der Verhandlung, wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern, er habe zweimal größere Pakete mit mehreren Kilogramm anabolen Steroiden in Tabletten- oder Pulverform bestellt, diese zu Dopingzwecken in Verkehr gebracht und damit gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen. Absender der Pakete soll ein 38-Jähriger aus Nürnberg gewesen sein, der offenbar europaweit in großem Stil mit muskelaufbauenden Substanzen wie Winstrol oder Stanozolol gehandelt hat. Dieser Mann sitzt mittlerweile in der Justizvollzugsanstalt Bayreuth ein und trat gestern in Bad Oldesloe als Zeuge auf, konnte sich aber nicht an die Namen des Angeklagten und des ersten Zeugen und etwaige Lieferungen an diese Personen erinnern.
Weitere Indizien lieferte dagegen ein 41-jähriger Zollfahndungsbeamter aus Kiel. Er berichtete von einer Kellerdurchsuchung bei den Eltern des Angeklagten, bei der Verpackungsmaterial, Beipackzettel von Medikamenten und Ähnliches gefunden wurde. Zudem hätten Zollbeamte Andreas S. über einen längeren Zeitraum observiert und bei vermutlich illegalen Geschäften in Siek beobachtet.
Einen unumstößlichen Beweis konnte zwar auch er nicht liefern. Richterin Schulze reichten jedoch diese Mosaiksteine, um den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten zu verurteilen. Am Ende meldete sich Andreas S. doch noch zu Wort und verabschiedete sich mit einem "Auf Wiedersehen" . . .
In den letzten 7 Tagen schon 1 mal gelesen - zuletzt am 29.07.2010 um 15:11.
Weitere Meldungen, der Kategorie Vermischtes, aus Stormarn
Verhängnisvolle Verwechselung: Mann zieht Messer in der BankAmmersbek: Schwerer Verkehrsunfall nach Überholmanöver
Unfall auf der L225 - Fahrer schwer verletzt
Eine Spezialmischung stopft die Löcher
Ähnliche Meldungen im Archiv suchen 
Nach Stichwörtern:
Prozesse
Bad Oldesloe
