ln-online/lokales vom 13.02.2007 00:00
Wird die IGS zur Willy-Brandt-Schule?
Schulleiter Georg Schopenhauer wünscht sich Willy Brandt als neuen Namensgeber für seine Schule. Foto: Silz/LN
Zugegeben: Ein wenig Nachholbedarf haben die meisten schon noch, was die Person ihres gewünschten Namenspaten betrifft. Befragt man Schülerinnen und Schüler der Integrierten Gesamtschule Schlutup (IGS) zu Willy Brandt (1913 - 1992), so erhält man "Bundeskanzler" und "Friedensnobelspreisträger" als Antwort. Dass Brandt aus Lübeck kam, ist ebenfalls weithin bekannt. Danach wird das Wissen vager - aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Einen Anlass, sich mit dem Nachkriegspolitiker zu beschäftigen, hätten die IGS-Schüler jetzt jedenfalls. Denn schon bald könnte die IGS mit vollem Namen "Willy Brandt- Schule, Integrierte Gesamtschule der Hansestadt Lübeck" heißen. Auf einer Konferenz im Dezember beschlossen Schüler, Lehrer und Eltern den Wunsch zur Umbenennung. Am Donnerstag wird sich nun der Ausschuss für Kultur und Sport mit dem Vorschlag beschäftigen. Die Bürgerschaft, die über eine Umbenennung zu entscheiden hat, befasst sich am 22. Februar mit dem Thema.
Anlass für die Umbenennung war das zehnjährige Bestehen der IGS. "Endlich Zeit für einen richtigen Namen" - dieser Ruf sei vor allem aus der Schülerschaft gekommen, so Schulleiter Georg Schopenhauer. Die Diskussion um Namenspatronen begann im vergangenen Februar: Schüler, Eltern und Lehrer durften Vorschläge einreichen, unter denen sich auch Namen wie Künstler Keith Haring und Schriftsteller Erich Mühsam befanden. Eine Schulkonferenz im Juni entschied dann - allerdings nicht für Willy Brandt, sondern für die expressionistische Malerin Else Meidner als Namensgeberin. Zahlreiche Schüler fühlten sich von der Entscheidung jedoch übergangen, so dass die Abstimmung im Dezember wiederholt wurde: Dieses Mal erhielt Brandt eine breite Mehrheit.
Die Entscheidung sorgt nun offenbar für Harmonie in der Schule. "Alle im Kollegium sind sehr glücklich darüber", so Deutschlehrerin Kristin Riethmüller. "Kontrovers wurde da nicht diskutiert - für uns zählt weniger der Politiker als der Friedensnobelpreisträger Brandt."
Ähnliches kann Janina (16) berichten: "Die meisten in den Klassen waren für Brandt". Lisa (16) ergänzt: "Ein Friedensnobelpreisträger kann gut für unsere Schule stehen. Denn auch bei uns zählt: keine Gewalt, jeder hilft jedem".
Schulleiter Schopenhauer sieht in der Namenswahl auch praktische Vorteile. Denn mit einer Umbenennung ergeben sich Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit der Willy- Brandt-Stiftung, die bald in Lübeck ihren Sitz bezieht.
Nicht zuletzt Schulsenatorin Annette Borns (SPD) hatte aus diesem Grund in der IGS für einen Namenspatron Brandt geworben. Die Stiftung, so Borns, suche einen Partner, um "aktuelle Bildungsarbeit machen". Eine Kooperation mit einer gleichnamigen Schule böte sich hier an. Ein weiteres Argument spricht nach Meinung der Senatorin für den Namensgeber Brandt: Insbesondere für Gesamtschulkinder könne dieser ein "Lübecker Vorbild" sein. Schließlich habe auch er es aus einer nicht bildungsnahen Schicht nach oben geschafft.
Die IGS wäre nach einer Umbenennung die erste "Willy-Brandt-Schule" in Schleswig-Holstein.
In den letzten 7 Tagen schon 3 mal gelesen - zuletzt am 26.07.2010 um 06:20.
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