ln-online/lokales vom 19.04.2007 00:00
Millionen-Projekt: Bekommt Timmendorf den Ostsee(t)raum?
Timmendorfer Strand - Ostsee(t)raum - so klangvoll heißt die Erlebniswelt, die in einigen Jahren Timmendorfer Strand um eine Attraktion bereichern könnte.Es darf geträumt werden. Für rund elf Millionen Euro. Aufbrechen, über begehbare Land- und Seekarten zu fernen Zielen gelangen, Raum überwinden oder forschen. Einkehren, genießen, sich verwöhnen lassen, auf Massagesesseln in einem in blaues Licht getauchten Raum mit flacher Wasserfläche eintauchen. Oder aber sich entfalten, mit anderen Menschen kommunizieren, Sport treiben, eigene Grenzen überschreiten, gemeinsam etwas erschaffen, zum Beispiel beim Bootsbau: Dies alles soll und kann die Erlebniswelt Ostsee(t)raum, entwickelt von der Hamburger Wenzel Consulting.
Timmendorfer Strand braucht eine weitere Attraktion, ein ganzjähriges Angebot. Darüber waren sich Politik und Verwaltung im Rahmen des Struktur- und Handlungsprozesses einig geworden und hatten bei Wenzel eine Machbarkeitsstudie für ein "Deutsches Urlaubsmuseum" in Auftrag gegeben. Ergebnis: Lieber nicht, aus diversen ökonomischen und sonstigen Gründen. Doch man lieferte eine Alternative. Im Bäderausschuss stellte Projektleiterin Silke Petzold diese jetzt vor.
"Eine fantastische Idee", sagt Bürgermeister Volker Popp, "etwas Außergewöhnliches, das unseren Ort bereichern könnte", meint Ausschussvorsitzender Kai Ingo Menke-zum Felde (CDU). Und Tourismusdirektor Christian Jaletzke ist begeistert vom Konzept. Alle Sinne sollen angesprochen, die Besucher unterhalten und nebenbei noch auf angenehme Art und Weise belehrt werden.
Sehr gründlich und sehr genau habe Wenzel Consulting den Besucher-Einzugsbereich, die finanziellen Voraussetzungen und die Wettbewerbssituation untersucht. Großer Vorteil des Ostsee(t)raums: "Wir hätten damit das Alleinstellungs-Merkmal auf unserer Seite." Was nichts anderes heißt, als dass diese Art Erlebniswelt einzigartig wäre - wie vor zehn Jahren das "Sea Life" in Timmendorfer Strand bundesweit das erste Center seiner Art war.
Auch für einen Standort hat sich Wenzel Consulting ausgesprochen. Der Kurpark mit dem leerstehenden Kurmittelhaus wäre demnach ideal. "Ob man das Gebäude mitnutzt oder eher abreißt, um etwas Neues, eventuell in Form einer Sanddüne, zu bauen, wäre dann noch zu sehen", sagt Jaletzke. Und die elf Millionen Euro, die das Großprojekt voraussichtlich kosten würde, sind auch keine Kleinigkeit. Gedacht sei hier an eine Misch-Finanzierung aus EU- , Landes- und Gemeindemitteln sowie privaten Einlagen. Klar sei auch, dass die Kommune selbst die Erlebniswelt nicht betreiben könne oder wolle. "So etwas müsste man in die Hände eines professionellen Betreibers geben, wobei unter anderem die ,Merlin'-Gruppe vorstellbar wäre", sagt der Tourismusdirektor.
Zeit lassen will man sich, auf keinen Fall unter Druck die Realisierung der Erlebniswelt voran treiben. Sorgfältig soll zunächst in den Fachausschüssen und Gremien eine Grundsatz-Entscheidung vorbereitet werden, anschließend müsste man sich um die finanzielle Seite kümmern. "Im Idealfall könnte der Ostsee(t)raum 2011 eröffnet werden", schätzt Jaletzke. Und auch Bürgermeister Volker Popp mahnt: "So gut die Idee auch ist - wir dürfen das Tagesgeschäft nicht vergessen." Doch derweil darf geträumt werden.
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