ln-online/lokales vom 12.09.2007 00:00
Aus für das Völkerkundemuseum
Völkerkundesammlung im hist. Zeughaus am Dom: Renate Schulz, Mitarbeiterin im Völkerkundemuseum, betrachtet ein Figurenensemble von Didier A. Ahadsi aus der Ausstellung Togo direkt.
"Togo direkt" ist die letzte Sonderausstellung. Mit der zeitgenössischen Kunst aus Afrika verabschiedet sich die Völkerkundesammlung von der Öffentlichkeit. Grund ist die latente Finanzkrise der Stadt.
Das Museum müsste eigentlich schon seit fünf Jahren geschlossen sein. Im Februar 2002 hatte die Bürgerschaft mit der Verabschiedung des Doppelhaushaltes 2002/2003 sein Ende verkündet. Retter waren, wie so oft in der Hansestadt, auch damals Lübecker Bürger. Im Januar 2002 schlossen sich der Freundeskreis Völkerkundesammlung und die Geographische Gesellschaft zu Lübeck zur "Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde zu Lübeck" zusammen und übernahmen die Trägerschaft des Völkerkundemuseum. Doch die Gesellschaft kann die Kosten jetzt nicht mehr tragen und von der Stadt gibt es aufgrund der Finanzkrise keine Hilfe.
Professor Dr. Renate Kastorff-Viehmann, Vorsitzende der Gesellschaft, sieht für die Stadt "nur einen effektiven Spareffekt von rund 20 000 Euro im Jahr", wenn es bei dem Bürgerschaftsbeschluss bleibt, keine Finanzierungsmittel bereitzustellen. Denn die Völkerkundesammlung bleibe bestehen und werde auch weiterhin von der Kuratorin, der Ethnologin Brigitte Templin, betreut. Bei der Lübecker Völkerkundesammlung handele es sich um eine der bedeutendsten Sammlungen Deutschlands.
Das endgültige Aus für das Museum im Zeughaus wurde am Montag vom Direktor der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck, Dr. Hans Wißkirchen, im Kulturausschuss verkündet. Ab Montag sei das Haus geschlossen. Die Kulturstiftung ist die Geschäftsführerin aller städtischen Museen. Holger Pils, Sprecher der Kulturstiftung, bestätigte gestern, dass "der Schließungsbeschluss der Bürgerschaft aus dem Jahr 2002 jetzt wirksam wird". Der Trägerverein sei "nicht mehr in der Lage gewesen, den Museumsbetrieb aufrecht zu erhalten". Die Sammlung werde weiter betreut, sei aber für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Man prüfe aber verschiedene Alternativen, Teile der Ausstellung auch künftig öffentlich zu präsentieren, allerdings nicht im Zeughaus.
8235 Besucher sahen im Jahr 2006 die völkerkundliche Sammlung, in diesem Jahr kamen bis Ende Juli schon 8900 Besucher. Noch Ende vergangenen Jahres hatten sich externe Gutachter nach den Worten von Renate Kastorff-Viehman für "eine aussichtsreiche Museumspädagogik" im Zeughaus ausgesprochen.
Schon 2002 hob die damalige Vorsitzende des Freundeskreises Völkerkundesammlung, Heide Otto, hervor: "Wir haben hier in Lübeck eine Sammlung von unschätzbarem kunstsammlerischen Wert." Im Zusammenschluss mit der Gesellschaft für Geographie sah sie die große Chance, die Schließung des Museums zu verhindern. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt.
Die Völkerkundesammlung, die es in Lübecks seit 1893 gibt, ist seit 1984 im Zeughaus untergebracht. Wechselnde Ausstellungen präsentieren dort seither Geschichte und Gegenwart fremder, meist außerhalb Europas lebender Völker. Kunst, Kultobjekte und alltägliche Gebrauchsgegenstände aus dem Vorderen und Mittleren Orient, aus Ostasien, Afrika, Mittel- und Südamerika und aus der Südsee bilden den Schwerpunkt des umfangreichen Sammlungsbestandes. Die 30 000 Objekte nennt Kuratorin Brigitte Templin "namenlose Picassos".
In den letzten 7 Tagen schon 5 mal gelesen - zuletzt am 29.07.2010 um 08:36.
Peter von Belino schrieb am 18.03.2008 17:33:
Eigentlich sollten die dem Museum vermachten Gegenstände, soweit die Spender noch leben, an diese zurückgegeben werden. Andere Völkerkunde-Museen würden sich freuen
Peter McGogh schrieb am 08.10.2009 11:07:
Und was geschieht nun mit den von Günter Tessmann gesammelten Objekten der Pangwe-Expedition ???
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