ln-online/lokales vom 19.12.2007 20:36
Insolvenz des VfB Lübeck? Jetzt wackelt sogar die vierte Liga
Lübeck - Schulden über Schulden. Das Minus allein in dieser Saison könnte 1,2 Mio. Euro betragen. Und "Molle" Schütt bekommt noch 1,9 Mio. Euro.LN-Kommentar: Molle und die Hobby-Profis - so läuft das nicht beim VfB
Vor einem Monat wurde beim VfB Lübeck noch von der eingleisigen Dritten Liga gesprochen. Zuletzt gab Geschäftsführer Jürgen Springer die Empfehlung, für die vierte Liga zu planen. Seit gestern Nacht wird das Wort Insolvenz in den Mund genommen. Und zwar ganz unverblümt.
Auf der VfB-Seite steht: "Verbindlichkeiten und Forderungen stehen sich in einem dramatischen Missverhältnis gegenüber, so dass beschlossen wurde, sofort zusätzliche Kompetenz im Bereich des Wirtschafts- und Insolvenzrechts hinzuzuziehen, um eine drohende Insolvenz letztlich noch abzuwehren."
Bei der zweiten Krisensitzung innerhalb einer Woche (Teilnehmer: Präsident Wolfgang Piest, Vize Detlef Seidler, Schatzmeister Peter Reinhardt, Schriftführer Wolf-Rüdiger Wittke, Geschäftsführer Jürgen Springer, die aktuellen Wirtschaftsräte Ralf Dümmel, Bernd Jorkisch, Mike Enke sowie die ehemaligen Wirtschaftsräte Günter "Molle" Schütt und Sören Sörensen) wurde nach über fünfstündiger Beratung beschlossen, mit einem Wirtschaftsrechtler und einem Insolvenzrechtler sofort Kontakt aufzunehmen. "Wir brauchen keinen, der uns die Zahlen erklärt, sondern Fachleute, die uns helfen. Die Lage ist mehr als angespannt. Wir hoffen, dass wir noch vor Weihnachten sehen, wie es weiter gehen kann", sagte Dümmel.
Die langfristigen Verbindlichkeiten in Höhe von 1,7 Millionen Euro wegen der Tribüne, abzuzahlen bis 2020, bereiten laut Springer keine Sorgen. Vielmehr sind es Gelder, die Schütt seit dem Zweitliga-Abstieg 2004 in den Verein gesteckt hat. Der VfB müsste ihm bis 30. Juni 2008 rund 1,9 Millionen Euro zurückzahlen: 1,3 Millionen Euro aus den Spielzeiten 2004/05 bis 2006/07 (Schütt glich das jeweilige Defizit aus) sowie 520 000 Euro, wenn der VfB die von ihm geleistete Garantie-Urkunde beim DFB in Anspruch nimmt.
Noch wollen die Grünweißen die Bürgschaft nicht anzapfen. Aber allzu lange können sie es nicht mehr hinauszögern. Gestern erfuhren die Profis, die noch nicht in den Urlaub gefahren sind, auf der Geschäftsstelle, dass ihr November-Gehalt nicht vor Weihnachten ausgezahlt wird. "Wir sind nicht zahlungsunfähig, aber wir haben einen Engpass", beschreibt Springer die Lage. Wie lange halten die Spieler still?
Kapitän Dietmar Hirsch, der gerade in ein neues Eigenheim im Hochschulstadtteil umgezogen ist, will in den nächsten Tagen über die Situation mit Dümmel reden: "Ihm vertraue ich am meisten. Ich hoffe, dass es in der vierten Liga weiter geht. Meine Familie will in Lübeck bleiben. Wenn es hier mit dem Fußball aber zu Ende geht, dann habe ich zwei gesunde Hände und kann mir auch eine andere Arbeit vorstellen."
Dagegen steht Michael Frech vor dem Absprung. Der Wuppertaler SV will ihn haben. "Kein Kommentar", sagt dazu der Torhüter. Aber er gesteht: "Ich bin nicht blauäugig und muss mich umsehen. Eigentlich wollte ich meine Karriere in Lübeck irgendwann beenden. Die ungewisse Zukunft ist das Schlimmste."
Diese Saison dürfte der VfB mit einem siebenstelligen Minus abschließen, zwischen 1,0 und 1,2 Millionen Euro. Da reicht die Bürgschaft von Schütt allein nicht aus. Also versucht der Verein überall abzuspecken, um das Minus "nur" sechsstellig bei 600 000 bis 800 000 Euro ausfallen zu lassen. Besonders beim Personal sind Einsparungen möglich. Die Verträge mit Imaya, Noutsos, Cartus, Baltes und Heun wurden aufgelöst. Cartus hat bereits einen neuen Klub. Der Mittelfeldspieler unterschrieb gestern bei Kickers Emden bis 30. Juni 2009. Doch das reicht nicht. Mindestens fünf weitere Spieler müssten von der Gehaltsliste gestrichen werden.
"Wir sind uns alle einig, dass wir den Traditionsverein nicht untergehen lassen wollen. Aber wir haben noch nicht die Lösung", gesteht Dümmel. "Es ist noch keiner vom Himmel gefallen, der uns retten kann. Aber wir sollten auch lieber unter Erdenbürgern suchen."
Und dann gibt es da noch ein Problem: Der ehemalige Wirtschaftsratsvorsitzende Mathias D. Kampmann könnte am Saisonende auch die Hand aufhalten. Knapp 400 000 Euro hat er in den VfB gesteckt. Das Darlehen ist am Saisonende fällig. "Der VfB muss auf mich zukommen", sagt Kampmann. "Es gibt überall Lösungen im Leben. Ich kann mir alles vorstellen."
In den letzten 7 Tagen schon 4 mal gelesen - zuletzt am 27.07.2010 um 10:56.
Olaf Lohse schrieb am 19.12.2007 13:33:
Der VFB sollte sich endlich von Schütt seinen Ziehsohn Springer trennen und die Insolvenz anstreben. Der VFB ist nur noch ein Sklave von Schütt und einigen anderen Herren. Nur Herr Jokisch Herr Dümmel scheinen den Ernst der Lage erkannt zu haben und sind kompetent in dieser Situation.
Thomas W. schrieb am 19.12.2007 23:47:
Nur noch sofortige Insolvenz hilft. Und Herrn Springer, den Verantwortlicher dieser Lage, sofort zu kündigen.
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