ln-online/lokales vom 23.02.2008 00:00
Giftgas-Verdacht: Ostseebäder fürchten um ihr Image
Neustadt - Was ist in den 15 Flaschen, die in der Neustädter Bucht geortet wurden? Spekulationen und Ängste ranken sich um Giftgas. Die Fischer und Bürgermeister der Ostseebäder fürchten um ihr Image.Am liebsten würde Hermann Ehwalt gar nichts sagen. Das Gerede um die ominösen Flaschen auf dem Ostseegrund schade nur dem Kleinverkauf im Neustädter Fischerhafen. Grundlos, meint der 1. Ältermann der Fischerinnung, denn: "Wir haben nichts gefunden." Das wäre schon physisch kaum möglich, assistiert sein Stellvertreter Otto König: "So kräftige Arme haben wir nicht mehr, wir bleiben in Küstennähe." An die eineinhalb Meilen entfernte Fundstelle kämen die Neustädter Lüttfischer nicht ran. Dass die Behälter gewandert sein sollen, kann sich Amtsbruder Wilfried Gast nicht vorstellen: "In 20 Meter Tiefe ist doch Schlamm."
Auf die Umweltverbände und die Medien ist auch Jörg-Peter Scholz nicht gut zu sprechen. Seit 30 Jahren werde immer zur Saison dieses Thema wieder "hochgekocht". Für den Grömitzer Bürgermeister ist das Problem mit "unreinem Material" in der Ostsee nichts Neues: "Das ist doch in jeder Seekarte verzeichnet." Scholz findet es sinnlos, jetzt darüber zu lamentieren, dass die Lübecker 1961 zweifelsfrei mit einer Genehmigung 15 Giftgasflaschen verklappt haben. Müßig sei es auch, zu spekulieren, ob diese mit Phosgen und Chlorgas gefüllten Flaschen mit den im Dreieck zwischen Scharbeutz, Pelzerhaken und Grömitz georteten Behältern identisch seien: "Da hilft nur klare Kante, das Zeug muss so schnell wie möglich raus." Technisch sei die Bergung und Entsorgung kein Problem, meint der Verwaltungschef des größten Ostseebades. Und weil das Land bereits viel Geld in die Tourismus-Offensive investiert habe, werde jetzt sicher nicht gespart, um den guten Ruf der Ostseebäder zu wahren. Scholz: "Das ist bei der Landesregierung in guten Händen."
Warum aber wird erst jetzt gehandelt, wenn die Funde schon länger bekannt sind, fragt sich sein Kollege in Neustadt. Bürgermeister Henning Reimann hofft, dass die georteten Behälter unbeschadet geborgen werden. Besorgte Anfragen von Urlaubern gebe es im Tourismus-Service noch nicht, bisher habe Pelzerhaken mit einer "sehr guten Badewasserqualität" werben können. Um Imageschaden abzuwenden, müsse, so Reimann, "umgehend etwas passieren".
Diese Zusage hat Volker Owerien im Innenministerium erhalten. "Kurzfristig" soll eine Fachfirma mit der Bergung des Fundes beauftragt werden. Der Scharbeutzer Bürgermeister geht davon aus, dass dann auch eine Auswertung aller gefahrenträchtigen Altlasten in der gesamten Lübecker Bucht erfolgt und diese, falls erforderlich, ebenfalls geborgen und vernichtet werden. "Aus touristischer Sicht haben wir ein Interesse daran, dass jegliches Gefahrenpotenzial beseitigt wird", unterstreicht der Vorsitzende des Ostsee-Holstein-Tourismus und setzt darauf, dass nun alle mit der entsprechenden Sensibilität an dieses heikle Thema herangehen.
In den letzten 7 Tagen schon 5 mal gelesen - zuletzt am 29.07.2010 um 01:27.
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