ln-online/lokales vom 27.03.2008 00:00
Lübeck vor den Demos: Wie gefährlich wird der Sonnabend?
Lübeck - Auf Lübeck kommt am Sonnabend ein Ausnahmetag zu. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Großdemo.Welche Bereiche sollten Unbeteiligte meiden?
Wer die Demo ganz meiden will, sollte sich vom Bereich Holstentorplatz, Lindenplatz, Bahnhof und St. Lorenz Süd fernhalten. Autofahrer sollten den Veranstaltungsbereich weiträumig umfahren. In der Fackenburger Allee, der Ziegelstraße und der Schwartauer Allee dürfte es zu massiven Staus kommen.
Wird es gefährlich?
Die Polizei geht davon aus, dass sich auch Gewaltbereite aus der linksextremen Szene in die Reihen des Gegenprotests mischen werden. Die Strategie der Polizei ist es zwar, Links- und Rechtsextreme voneinander zu trennen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass es am Rande der Demo zu Ausschreitungen kommen wird.
Wird St. Lorenz Süd vollständig abgeriegelt?
Der Verkehr in und aus dem Stadtteil hinaus wird in jedem Fall nur noch unter Schwierigkeiten möglich sein. Je nach Lage kann es sein, dass die Polizei manche Straßenzüge für mehrere Stunden vollständig sperren wird. Falls es die Situation zulässt, werden die Beamten aber auch Durchgänge an den Straßensperren erlauben.
Wie viele Polizisten werden im Einsatz sein?
Die Polizei hüllt sich darüber aus taktischen Gründen in Schweigen. Es ist aber mit einem Aufgebot wie im vergangenen Jahr zu rechnen. Damals waren 1700 Beamte, mehrere Wasserwerfer und ein Hubschrauber im Einsatz.
Soll ich mein Auto wegfahren?
Ja - in den eingerichteten Halteverbotszonen in der Georgstraße, der Meierstraße und Teilen der Dornestraße. Die Polizei rät zwar nicht ausdrücklich dazu, Fahrzeuge im Bereich der Demonstration in Sicherheit zu bringen - schaden kann es aber nicht.
Welche Läden werden geschlossen sein?
Es ist denkbar, dass einzelne Läden an der rechten Marschroute schließen. Die Geschäfte in den LindenArcaden bleiben nach derzeitigem Stand geöffnet. Innenstadt-Geschäfte sind nicht betroffen.
Wie viele Menschen werden sich an den Demonstrationen beteiligen?
Die Anmelder des rechten Aufzugs sprechen von etwa 350 Teilnehmern. Am Gegenprotest, darunter Parteien, Kirchen und das Bündnis "Wir können sie stoppen", werden sich nach eigenen Angaben 3000 Menschen beteiligen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre ist das auch realistisch.
Sind ausländische Mitbürger, die in St. Lorenz Süd wohnen, durch die Neo-Nazis gefährdet?
Nein, es besteht für niemanden Anlass, Angst zu haben. Die "freien Nationalisten" stehen vollständig unter Beobachtung der Polizei.
Wie kann es sein, dass die Polizei einen rechten Aufmarsch schützt?
Die Polizei ist politisch neutral und schützt demnach auch nicht die Rechten. Die Beamten sichern das im Grundgesetz festgeschriebene Recht auf Versammlungsfreiheit, von dem jeder Staatsbürger Gebrauch machen kann.
Werden überhaupt noch Busse fahren?
Ja - bis zum Demo-Ende wird der Busverkehr aber nur eingeschränkt möglich sein. Linien, die den Zob anfahren, werden über den Gustav-Radbruch-Platz umgeleitet. Weitere Informationen gibt es unter Service-Nummer des Stadtverkehrs 0451/28 28.
Was ist mit dem Schienenverkehr, wenn auch der Bahnhof abgeriegelt ist?
Der Schienenersatzverkehr nach Travemünde und Eutin fährt am Sonnabend vom Steinrader Weg ab; der Bahnhof ist über den Nordeingang erreichbar.
Hätte die Stadt nicht ein Demo-Verbot gegen die NPD erwirken können?
Nicht ohne große juristische Schwierigkeiten. Das Recht auf Versammlungsfreiheit ist im Grundrecht verankert. Daher sind Verbote kaum möglich.
Ist die Erinnerung an die Lübecker Bombenopfer von 1942 nicht ein legitimes Ziel der Rechten?
Natürlich ist es legitim, der Kriegsopfer zu gedenken. Allerdings klammern die Rechten dabei aus, dass die Bombenangriffe auf Lübeck und andere deutsche Städte eine Folge des deutschen Angriffskrieges waren. Ehrlich gemeintes Gedenken würde daher die Opfer aller Nationen und Völker mit einschließen.
Wo bekomme ich nähere Informationen?
Die Polizei hat unter den Telefonnummern 0451/131 -2222 oder -2223 ein Bürgertelefon eingerichtet, das heute zwischen 8 und 20 Uhr, am Freitag und Sonnabend zwischen 8 und 18 Uhr zu erreichen ist. ov
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