Probe-Bergung in der Ostsee
Die UTM-Mitarbeiter Andreas Rudolph und Jan Consael führen den Reaktor vor - hier können gefährliche Gasflaschen geprüft werden. Foto: Roessler
"Keiner weiß, was es ist. Wir sind beauftragt, das herauszufinden.“ Michael Franck und Wolfgang Steinborn betreiben eine überaus vorsichtige Informationspolitik. Denn schon bei der Ausschreibung des Auftrags hatte sich das Kieler Innenministerium höchste Sicherheitsvorkehrungen ausbedungen. Die Geschäftsführer der Lübecker Umwelt-Technik- Metallrecycling GmbH (UTM) sollen den Inhalt jener Metallgegenstände untersuchen, auf die im März Taucher des Kampfmittelräumdienstes bei der Suche nach Giftgasbehältern in der Lübecker Bucht gestoßen waren. Danach soll entschieden werden, was mit den restlichen Flaschen passiert.
Schon 2001 waren die 15 Behälter an anderer Stelle in einem Versenkungsgebiet entdeckt worden. In Kiel hielt man sie für harmlose Munitionsreste und sah keinen Zusammenhang zu jenen 15 Giftgasflaschen, die angeblich 1961 nur dreieinhalb Seemeilen weiter östlich versenkt worden sein sollen. Auf Druck von Umweltverbänden werden jetzt Nachforschungen angestellt.Die Probe-Bergung ist, sofern das Wetter mitspielt, für kommenden Montag geplant. Taucher sollen je eines der georteten Objekte identifizieren. Stellt sich dabei heraus, dass doch Gasbehälter darunter sind, kommt die Technologie der Firma UTM ins Spiel.
„Unser eigentliches Geschäft ist die Acetylengasflaschen-Verwertung“, erklärt Michael Franck, der die Identifizierung persönlich leiten wird. „Hier auf dem Firmengelände wird keinesfalls mit gefährlichen Gasen gearbeitet“, betont er.Bei solch einem Spezial-Bergungseinsatz, wie er gegebenenfalls in der Lübecker Bucht notwendig werden könnte, arbeite UTM hingegen mit einer mobilen Einheit, die auch schon in Norwegen, der Schweiz und Frankreich erfolgreich eingesetzt worden sei.
„Sie können sich das vorstellen wie mit einem Feuerwehrwagen, der jeweils nur vor Ort eingesetzt wird“, beschreibt Franck die eigens zu solchen Zwecken entwickelte und patentierte Anlage, deren technische Bezeichnung „SB 300“ lautet. Spitzname: „Die Muräne – wie der Fisch“, ergänzt Wolfgang Steinborn.Bei der silbern glänzenden Apparatur handele es sich um einen „Druckbehälter-Reaktor“. In diesen integriert ist ein Doppelstufenbohrer. Gasflaschen unbekannten Inhalts könnten darin aufgebohrt werden, ohne dass etwas von dem Inhalt nach außen tritt. Druckmesser zeigen an, ob Gase ausströmen. Ziel des weltweit einzigartigen Systems der Firma UTM ist es, von den in der Flasche befindlichen Stoffen Proben zu entnehmen, die dann in einem Labor weiter untersucht werden müssten. Dabei kann die „Muräne“ sogar unter Wasser eingesetzt werden – für den Fall dass die Flaschen korrodiert sind.
„Falls wir Gasflaschen finden sollten, hängt das weitere Vorgehen vom Inhalt der Flaschen ab“, unterstreicht Michael Franck abschließend. Detaillierte Ergebnisse des Bergungseinsatzes werden bei einer Pressekonferenz des Innenministeriums am 16. April vorgestellt.
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