„Oh diese Pfeffersäcke! Heute geht es den Lübeckern an den Kragen! Ich werde nicht eher ruhen, bis sie die letzte Gardinenstange, die letzte Tasse und den letzten Kaffeelöffel hundertfach zurückgezahlt haben!“ Gar schaurige Drohungen hallen derzeit abends über den Carlower Kirchplatz. Denn der alte Ritter Carlow, Namensgeber des Ortes, feiert seine Auferstehung. Seit Anfang April proben über 20 Mitwirkende aus Carlow und umliegenden Orten unter der Regie von Pastor Bernhard Kähler das vergnügliche Drama „Der Ritter und seine Frau“.
Und das ist gar nicht so einfach – abgesehen von der Kälte, die sich abends immer noch auf die Wiese legt. Fragen über Fragen: Wie spielt man eine Bettszene zur Ritterszeit? Was trug Frau vor 800 Jahren? Wie merkt man sich gefühlte 100 Seiten Text? Woher bekommt man einen Kahn, oder tut’s auch eine alte Zinkwanne? Ein echtes Pferd oder ein Steckenpferd? Für Schauspiel-Laien, die im wahren Leben Geschäftsleute, Lehrer, Kindergärtnerinnen, Schäfer, Redakteurin, Angestellte, Arzt oder Schüler sind, gar nicht so einfach. Alle haben wenig Zeit, wie etwa „Ritter“ Detlef Mohr, der im echten Leben die Schnuckenschäferei Schaalsee in Klein Salitz betreibt, derzeit im Lämmer- Stress ist und sich dennoch mehrmals in der Woche das Kettenhemd anzieht und sich in die Ritterwelt versetzt.
Eigens zum 850-jährigen Jubiläum des Dorfes schrieb die Cronskamper Autorin und Puppenspielerin Maren Winter das Ritterspiel, in dem die Geschichte des Carlower Ritters ganz neu erzählt wird. Laut Dorfchronik plünderten die Raubritter einst rund um Carlow. Gottschalk von Karlow wird erstmals 1230 im Ratzeburger Zehntenregister genannt, er hatte damals einen umfangreichen Besitz. In der dritten Generation der Karlows tauchte ein Reimbern von Karlow auf, der zusammen mit anderen Rittern Raubzüge vor allem gegen Lübeck und die Fürsten von Mecklenburg unternahm. Doch die Lübecker und Mecklenburger taten sich zusammen und vernichteten die Burgen Karlows und seiner Raubgenossen.
Wie sein historisches Vorbild hat es der reanimierte Ritter Carlow besonders auf die Lübecker abgesehen. Sie fackelten sein Schloss und seine Burgen ab, so dass er sich, seine Frau, seinen Knappen und das Gesinde auf eine Pfahlburg retten muss und ins Ritterprekariat abdriftet. Was seiner verwöhnten Frau Caroline überhaupt nicht passt. Sie will ihn dazu bringen, das Handwerk zu wechseln, doch das fällt einem eingefleischten Ritter schwer. In das Geschehen greifen die Chormorane, dargestellt von Mitgliedern des Gemischten Chores Carlow, ein, auch Mönch Ernestus und „Jungfrauen“ aus dem Rehnaer Kloster sind mit von der Partie.
Doch bis die Welturaufführung, wie man heute so sagt, reibungslos klappt, sind noch mehrere Proben nötig. Denn wie war das noch mal – gehen wir in dieser Szene links oder rechts von der Bühne ab? Derzeit wird noch auf dem Rasen geprobt, das Gefühl für die Bühne fehlt. Auch die Kulissen werden in diesen Tagen noch von Rudi Ulmer gezimmert. Kostüme mussten allerdings nicht selbst geschneidert werden, hier half das Theater Parchim aus. Die Akteure sind optimistisch – immerhin ist noch eine Woche Zeit. Und dann geht’s den Lübeckern an den Kragen!
Aufführungen: Am 31. Mai um 17 Uhr und zum Festwochenende der Gemeinde am 20. September um 18 Uhr jeweils neben der Carlower Kirche
Wolfgang Schümann schrieb am 01.06.2008 22:13:
Wir haben die Aufführung am 31.5.08 gesehen und miterlebt. Es war ein höchst vergnügliches Erlebnis und hat uns ausgesprochen gut gefallen. Wie schön, daß auch der Wettergott es so gut mit den Carlowern gemeint hat.
Wolfgang Schümann schrieb am 15.12.2009 21:07:
Noch ein Wolfgang Schümann hat dieses Stück mit Vergnügen damals gesehen und war ebenso angetan davon wie sein Namensvetter
u nbekannterweise. 15.12.2009
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