ln-online/lokales vom 03.06.2008 00:00
Hochzeitsfeier mit Odin und Thor
Unterm Eschenbogen sprachen Thjavi und Thaja den Treueschwur, genau so, wie es die von ihnen verehrten Wikinger früher taten. Foto: Kayser
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Was manchem Betrachter fremd oder befremdlich, vielleicht gar skurril anmuten mag, ist für die 30-jährige Thjavi und den 34 Jahre alten Thaja durchaus eine ernste Sache. Angelique und Nils Heinrich, wie sie mit bürgerlichem Namen heißen, fühlen sich den Wikingern verbunden, ihren Sitten und Gebräuchen. Und deren Glauben an die Götter.
„Dem christlichen Glauben“, sagt Thjavi, in den sie hineingeboren seien, „haben wir abgeschworen.“ Die beiden sind zwar standesamtlich getraut. Aber den Segen von oben, den sich Christen hierzulande in den Kirchen holen, den wollten sie bei einer Wikingerhochzeit von den Göttern für sich erbitten. „Cowboy-Clubs pflegen das Leben des wilden Westens, wir fühlen uns eben den Wikingern verbunden. Wir wollen diese alte Kultur erhalten“, stellt Thjavi klar.
Wer das Brauchtum der Wikinger bisher vor allem aus deftigen Liedern der Gruppe Torfrock kannte: In Curau konnte er am Wochenende die womöglich authentischere Seite der Wikinger erleben, so nämlich, wie deren alten Sitten und Bräuche überliefert sind. „Die Wikinger lebten in Sippen zusammen. Menschen, die handwerklich begabt waren. Die ihre Kleidung und Zelte selber herstellten und die, je nach Begabung, auch das notwendige Werkzeug, wie Messer, Beil oder Schwert angefertigt haben“, informierte der Sippenälteste Thorkel, der die Hochzeitsfeier vorbereitete, interessierte Besucher.
Wenn Wikinger heiraten, läuft alles nach festen überlieferten Regeln ab. „Zuerst muss eine Wiesenfläche geweiht werden“, ließ Thorkel wissen, „bei den Wikingern war es der heilige Hain“. Vier Fackelträger begrenzten die Curauer Wiese, den Himmelsrichtungen Osten, Süden, Westen und Norden entsprechend. Nun wurden die Götter Odin, Thor und Freya angerufen und zur Teilnahme an der Hochzeitsfeier gebeten. Ohne deren Segen zu heiraten, das wäre für passionierte Anhänger dieser alten Kultur undenkbar.
Braut und Bräutigam traten in zwei kleine Kreise, die mit Stroh umrandet waren; dann wurden diese entzündet. Und während das Feuer diese Stroh-Kreise auffraß, bildete sich ein großer Kreis mit Sippenmitgliedern und Gastsippen, die alle Fackel trugen. Unter einem Eschenbogen vollzog Thorkel dann die eigentliche Trauzeremonie. „Dort haben wir unsere Eheschwur gesprochen“, freuen sich Thjavi und Thaja, das dies nun vollzogen ist.
Und danach, klare Sache bei den Nachfahren der Wikinger, wurde der Ehebund mit einigen kräftigen Schlückchen Met besiegelt, wobei der erste Schluck den Göttern gewidmet war. Ein kraftvoller weiter Sprung über das Feuer beendete die Zeremonie – das Fest nach Wikingerart konnte beginnen.
Wie bei den Urvätern, so bruzzelte jetzt auch in Curau ein Spanferkel über der Glut. Über 50 Hochzeitsgäste nahmen an der Wikingerhochzeit teil. Noch viele Stunden lagerte die Festgesellschaft auf der Wiese in Curau, wo die alten Wikingerbräuche eine fröhlich Urständ feierten.
Und wo verbrachten die vielen Sippenmitglieder und das nun frisch vermählte Hochzeitspaar die Nacht? Sie legten sich alle in Zelten zur Ruhe, die aus dem Großsegel eines Schiffes hergestellt worden waren. Genauso, wie es bei den nordischen Seefahrern schon die Ahnen vor hunderten von Jahren taten.gk/lob
In den letzten 7 Tagen schon 5 mal gelesen - zuletzt am 15.03.2010 um 06:13.
Jutta Reichel schrieb am 15.07.2008 11:38:
Es soll einen Zauberspruch der Wikinger-Braut geben. Wäre dankbar über Info.
Gruß
Jutta Reichel
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