Es waren einmal 13 Freunde, die hatten die Nase voll von der etablierten Kommunalpolitik, wollten aber nicht nur am Stammtisch meckern, sondern selber anpacken. Sie gründeten den Verein Lübecker Bunt, mit dem sie zur Kommunalwahl antraten. Auf Anhieb holten sie einen Sitz im Stadtparlament. Es hätten mehr sein können, wenn der Verein in allen Wahlkreisen angetreten wäre. Aber die Newcomer beschlossen, langsam zu wachsen. Jetzt schrumpfen sie erst einmal. Denn mehrere Gründungsmitglieder erklärten gestern öffentlich ihren Austritt.
Mathias Rosenbaum, Alexandra Schulze-Rohr, Olaf und Anette Hiort, Claudia Engel und Ulrike Orywal griffen in einer Pressemitteilung die Vorsitzende Hildegund Stamm an. „Grund für die Auflösung des Vereins war, dass sich die Zusammenarbeit mit der Vorsitzenden angesichts ihres Führungsstils als unmöglich erwiesen hat.“ Die Ausgetretenen äußerten ihre Sorge, dass Stamm und „ihr Berater Matthias Erz“ Vorstellungen, Ziele und Entscheidungen auch in Zukunft nicht respektieren werden. Das könne man gegenüber Wählern und Unterstützern des Bunt nicht verantworten, weshalb die Auflösung die einzige Option gewesen sei. „Wir distanzieren uns ausdrücklich von den politischen Aktivitäten von Frau Dr. Stamm und Herrn Erz und möchten den Namen Lübecker Bunt nicht mit diesen assoziiert sehen“, so die Gruppe.
Die Ex-Mitglieder suchten den Weg in die Öffentlichkeit, weil Stamm ihnen Mitte Juni mangelnden Eifer bei der politischen Arbeit vorgeworfen hatte. Damals hatte sich der Verein in eine Wählerinitiative umgewandelt. Der Vorwurf, dass viele Mitglieder zur Mitarbeit in den Fachausschüssen der Bürgerschaft nicht bereit seien, weist die Gruppe zurück.
Die Vorsitzende reagierte gestern überrascht auf die Pressemitteilung. „Ich hatte nie erwartet, dass aus der positiven Stimmung zu Anfang eine Spaltung entstehen könnte“, so Stamm. Die Musikpädagogin, die den Lübecker Bunt in der Bürgerschaft vertritt, spricht von einer Frustkampagne gegen sie und Matthias Erz. „Wir werden diffamiert.“ Erz, im Hauptberuf Sprecher der Stadt, habe nichts mit dem Lübecker Bunt zu tun, kenne aber einige Mitstreiter persönlich, erklärt Stamm.
Von politischen Alleingängen will die Vorsitzende nichts wissen. Die Mitglieder hätten allerdings im Laufe der letzten Wochen festgestellt, dass „sie in der bisherigen Konstellation nicht zusammenarbeiten konnten.“ Inhaltliche Kritik könne sie in der Pressemitteilung der Ex-Mitglieder nicht erkennen. Der Lübecker Bunt stehe weiterhin für den Kampf gegen Verschwendung von Steuergeldern, für mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung. Selbstverständlich werde die Wählerinitiative fortbestehen, versichert Stamm: „Ich habe die Homepage, ich habe den Namen erfunden, ich sitze in der Bürgerschaft, und ich habe den Verein gegründet.“ Momentan zähle der Lübecker Bunt 15 Mitglieder, von denen vier die Aktiven stellten. Stamms Stellvertreter ist Dieter Müller.
Die zweite und größere Wählerinitiative wurde von den Auflösungserscheinungen der Konkurrenz völlig überrascht. Den „Bürgern für Lübeck“ (BfL) würde aber nicht das gleiche Schicksal drohen, ist Fraktionsgeschäftsführerin Astrid Stadthaus-Panissié überzeugt. „Wir haben Leute, die schon politische Erfahrungen mitbringen“, so die Geschäftsführerin. Bei der BfL würden zudem ausgesprochen demokratische Strukturen herrschen. Die mit sechs Sitzen in der Bürgerschaft vertretene BfL zählt 58 Mitglieder.
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