Im Wohnzimmer der Familie Culum in Bad Schwartau herrscht gedrückte Stimmung. Vater Yusuf sitzt auf dem hellen Ledersofa und betrachtet schweigend den Teppichboden. Er wirkt ratlos. Denn seiner Familie droht zum Ende des Monats die Abschiebung in die Türkei. Ein Land, das die meisten seiner Kinder nicht kennen.
Vor 19 Jahren kam der 42-Jährige mit seiner Frau Badriye nach Ostholstein. Sie wollten ihren Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen. Yusuf fand eine Arbeit und lernte die Sprache. Mittlerweile hat das Paar zehn Kinder. Zwei Söhne haben inzwischen selbst Familien mit Deutschen gegründet; sie werden nicht abgeschoben. Malig (11), Miriam (9) und Nagah (13) gehen noch zur Schule, die 16-jährige Zeynep will demnächst die mittlere Reife machen. Sie alle haben Pläne für die Zukunft geschmiedet. Doch die liegen jetzt erst einmal auf Eis.
Der Grund: Die Culums stammen aus dem Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien. Bei der Einreise hätten sie sich jedoch als kurdische Familie aus dem Libanon ausgegeben und behauptet, keine Pässe zu haben. „Kurden aus dem Libanon wurden damals nicht abgeschoben“, erklärt Volker Fehring, Sachgebietsleiter der Ausländerbehörde Ostholstein.
Die Familie weist diese Anschuldigungen von sich. „Mein Vater ist bei der Einreise gefragt worden, welche Sprache er spricht. Er hat gesagt Arabisch, was auch stimmt. Das ist dann falsch ausgelegt worden“, glaubt Sohn Ziver Culum (26). Ein Missverständnis, das ihnen nun wahrscheinlich zum Verhängnis wird. Denn durch die falschen Angaben bei der Einreise fällt die Familie nicht unter die neue Bleiberechtsregelung. Danach erhalten Menschen, die länger als acht Jahre in Deutschland leben, eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.
Zweifel an den Angaben der Culums tauchten vor fünf Jahren erstmals auf. Damals wurden bei Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen Anhaltspunkte dafür gefunden, dass die Familie in der Türkei registriert ist. „Um das zu beweisen haben wir Hausdurchsuchungen gemacht, DNA-Analysen und Dokumente aus der Türkei angefordert“, zählt Fehring auf.
Im September 2005 sei dann ein Bescheid gegen die Culums ergangen. Sie müssten Deutschland innerhalb eines Monats verlassen. Die Familie klagte. Anfang diesen Jahres entschied das Verwaltungsgericht schließlich, dass Yusuf Culum in die Türkei abgeschoben wird – zusammen mit seiner Frau und den acht Kindern. Sohn Ali kann es nicht fassen: „Wir sprechen doch die Sprache überhaupt nicht. Für uns ist das ein fremdes Land. Und überhaupt: Wovon sollen wir denn da leben?“
Ängste, für die Volker Fehring wenig Verständnis hat: „Wer sich eine Aufenthaltsberechtigung erschleicht, muss auch damit rechnen, ausgewiesen zu werden.“ Die Aufenthaltsgenehmigung der Culums ist noch bis zum 24. September gültig. Was danach wird, ist ungewiss. „Wir haben schon alles versucht“, sagt Yusuf Culum verzweifelt. „Die Kinder gehen jetzt jeden Tag mit Angst zur Schule.“
Die Abschiebung werde „demnächst“ erfolgen, so Volker Fehring. Zu einem genauen Zeitpunkt wollte er sich jedoch nicht äußern.
M.Harder schrieb am 18.09.2008 13:46:
Die Abschiebung ist in diesem Falle absolut richtig. Wer das Asylrecht mit falschen Angaben mißbraucht, darf dem Steuerzahler nicht länger auf der Tasche liegen. Mitleid ist hier unangebracht, das wahre Leben wartet in der Türkei. Das ist Nato-Mitglied, EU-Beitragskanditat, niemandem wird da als Rückkehrer was passieren.
migo schrieb am 18.09.2008 14:30:
Auf welchem Planeten leben wir eigentlich? Haben die Menschen Straftaten verübt, haben sie ihre Steuern nicht bezahlt? Nein, sie haben vielleicht einfach ein wenig geschummelt. Für mich kein Grund zu solcher Aktion. Armes Beamtenland.
spider schrieb am 18.09.2008 15:32:
Wir leben in einem Rechtsstaat und warum sollten die Gesetze nicht für jeden gelten.
Willi Wuff schrieb am 18.09.2008 15:38:
Da wird eine offensichtlich top integrierte Familie einfach des Landes verwiesen, wegen mutmaßlicher falscher Angabe, die 19 Jahre zurückliegt. Der Familie kann ich nur noch einen guten Rechtsanwalt wünschen, der sich z.B. mit Sachen wie "Verfolgungsverjährung" bestens auskennt. Hallo? Solche Leute haben bitte hier zu bleiben
Caschi schrieb am 18.09.2008 16:49:
Ich kann mich der Meinung von M.Harder nur anschließen. Wer bei der Einreise "bescheisst", muss damit rechnen, des Landes verwiesen zu werden, auch wenn die Straftat 19 Jahre oder länger her ist.
Das ist völlig OK. Blöd nur das es so lange gedauert hat. Für beide Seiten
P. Orlowski schrieb am 18.09.2008 17:08:
Ich bin empört. Was sind das für Beamtenhirne, die jahrelang geschlafen haben und nun meinen, formaljuristisch vielleicht korrekt,offensichtlich unbescholtene Menschen in ein Land abzuschieben, zu dem sie die Kinder keinerlei Bezug haben.Ich hoffe sehr, daß in diesen Behörden auch einmal der gesunde Menschenverstand einkehrt und die Familie weiterhin in unserem Land leben kann.
vivienf schrieb am 18.09.2008 17:34:
Hallo Famillie Culum ... ich finde ja das ihr hir bleiben sollt weill ihr schon fasst eure kinder groß habt und ... das were jetzt nicht gerecht wenn ihr in ein land müsst was ist nicht kennt also ich hoffe für euch das ihr hir bleiben drüft naja ich wünsche euch alles alles alles gute ......
Sven schrieb am 18.09.2008 17:41:
Hallo,
leider wird die Familie hier in ein falsches Licht gerückt. Sie ist keines Falls so gut Integriert, wie sie hier dargestellt wird.
Anm an die Redaktion: tolle Meinungsfreiheit hier
pantau schrieb am 19.09.2008 11:01:
ich kenne die familie. die kinder sprechen alle fließend deutsch und arabisch,sind liberal aufgewachsen,haben teilweise ihre ausbildung abgeschlossen und arbeiten.
der vater hat sich sofort nach der einreise bemüht deutsch zu lernen und sich mit seiner familie zu integrieren.
maria schrieb am 19.09.2008 11:03:
es gibt keinen grund, menschen zu vertreiben, die sich entschließen aufgrund der prekären situation in ihrer heimat diese zu verlassen um eine perspektive für ein sicheres leben zu haben.
maria schrieb am 19.09.2008 11:10:
nur weil eu-bürger das zufällige glück haben dort geboren zu sein, besitzen sie das privileg, sich ansiedeln zu können, wo sie möchten. ist es also fair und moralisch vertretbar in unserem ach so fortschrittlichen kulturkreis menschen, denen es in ihrem land schlechter geht, ein gutes leben zu verbieten?
Steuerzahler schrieb am 19.09.2008 11:44:
Menschen, die hier geboren sind, in ein ihnen völlig fremdes Land abzuschieben, so was kann ja nur kranken Bürokratenhirnen in den Sinn kommen. Naja, die Tugend Unmenschlichkeit hat in Deutschland ja eine alte Tradition...
steuerzahler nr.2 schrieb am 19.09.2008 16:48:
klar ist es, das einwanderer mit falschen angaben normalerweise abgeschoben gehören.ich sehe dies als unnötig, weil eine familie gegründet wurde und die kinder hier aufgewachsen sind. in diesem falle ist es pech.der staat war zu langsam.einwanderer hätten hier erst garnicht reingelassen werden dürfen wenn es nicht eindeutig klar ist.die menschen die diese familie verklagen sollten verklagt werden
Freiheit für Familie Culum schrieb am 19.09.2008 17:41:
Vielleicht sollte man sich mal fragen, warum die Familie falsche Angaben gemacht hat.Weil sie sonst nicht nach Deutschland hätte kommen können
Die Leute zahlen Steuern und arbeiten
Mensch Meier, du armer Beamte, hast die Menschen nie gesehen, aber wen kümmert es?
Pagel schrieb am 19.09.2008 18:27:
Sicher gibt es in der Türkei auch Pässe , wer seinen bei der Einreise nicht vorlegt , wird wissen warum . Da muss man auch mit den Folgen leben , selbst wenn es 19 Jahre dauert .
Ein Bankräuber kann auch nicht sagen ,ich habe 19 Jahre gut gelebt , man kann mir das restliche Geld nicht einfach abnehmen .
Jan 16 jhare alt. schrieb am 19.09.2008 19:04:
unverschemmt von der behörde ihr kennt diese menschen nicht mal also ich kenn die die machen keine problemme mit keinem stress helfen jeden von den die 13 jerigen können schreiben das kann ich als deutscher nicht mal und wie soll das gehen sie abzuschieben in einen land was sie nicht mal kennen keine freunde haben keine arbeit einfach nur peinlich für euch diese familie abzuschieben. Jann
Familie Cullum soll bleiben schrieb am 21.09.2008 21:13:
Das doch nicht fair. eine familie die vor 19 jahren nach deutschland kam und sich und ihren kindern eine bessere zukunft zu ermöglichen, einfach so eiskalt abschieben? Die Politiker haben echt kein plan von Leben. Immer schieben sie alles auf die Ausläner. Naja, wir kennen doch alle die Geschichte der Deutschen. Kein wunder
Enttäuschter Student schrieb am 22.09.2008 11:25:
Ich finde es eine Unverschämtheit, dass eine ganze Familie total zerrissen und zerstört wird, nur weil vor 19 Jahren falsche Angaben gemacht wurden. In Deutschland laufen Mörder und andere Schwerverbrecher rum. Darum sollte man sich lieber kümmern als um verjährte Kleinigkeiten
Außerdem, lieber Vater Staat, die Familie zahlt Steuern. Was willst du mehr???
S.Gera schrieb am 22.09.2008 23:51:
Ich bin entsetzt über die rassistischen Beiträge die die Abschiebung von Menschen fordern nur weil sie oder ihre Eltern vor knapp 20 jahren aus einem anderen Land eingewandert sind.
Es sind die GEsetzte die eine Abschiebung nach so vielen Jahren noch ermöglichen, die zu kritisieren sind Andere nach dem GEsetz illegale Taten verjähren - warum eine falsche Angabe nicht?
andere Meinung schrieb am 23.09.2008 14:20:
Die Familie wird weder zerrissen noch sonst irgendwas, die meisten aus Bad Schwartau wissen auch das die Söhne sich größenteils daneben benehmen und auch schon des ÖFTEREN Strafrechtlich in Erscheinung getreten sind. Sie zahlen Steuern ?? welche denn bitte ausser Mehrwertsteuer, meiner Meinung nach kostet die Familie nur, wenn hier schon die rede von Steuern und somit auch Geld ist.
Logopäde schrieb am 11.10.2008 17:51:
Ich habe Herrn A. Culum als integren und intensiv arbeitenden Mitbürger kennen gelernt. Nach 20 Jahren deutscher Sozialisation hier vor Ort, sollte die Justiz nicht formaljuristisch agieren. Es wäre wünschenswert im Falle der Familie Culum einen humanen Schritt zu wagen, der mehr Größe zeitigt
Paul schrieb am 01.12.2008 15:09:
Die Familie wurde zerissen und zwei der Söhne die Strafrechtlich in Erscheinung getreten sind blieben hier und mein bester Freund der einmal Strafrechtlich in erscheinung getreten war musste weg nachdem wir 8 Jahre beste Freunde waren... Für mich nur ein Zeichen das Deutschland ein herzloses und egoistisches Land ist. Jeder würde das selbe tun wenn es ums wohl der Familie geht.
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