Der schwarze Opel mit dem Hamburger Kennzeichen fällt sofort auf. Ganz gleich, wo er auch unterwegs ist. An den Türen prangen die Logos der Internet-Suchmaschine Google, auf das Dach ist ein fast zwei Meter hoher Mast mit acht Kameras montiert. Das ist nicht zu übersehen – und daran scheiden sich die Geister.
Die ganze Welt in 360-Grad-Ansicht: Das will Google mit dem Online-Angebot „Street View“ möglich machen. Der Opel und die Kameras sind das ausführende Organ: Kreuz und quer fährt der Wagen durchs Land, fotografiert dabei Häuser, Straßen und Menschen – seit wenigen Tagen auch in Schleswig-Holstein. Was als zusätzliches Angebot im Netz gedacht ist, stößt im Norden auf wenig Gegenliebe.
In Deutschland steckt „StreetView“ in den Anfängen: Erst seit wenigen Monaten ist Google dabei, die Republik abzulichten. „Berlin und München waren als erste dran, nun folgen Hamburg und Bremen“, sagt Kay Oberbeck, Google-Sprecher für Europa. Zuletzt wurde der Opel bei Sandesneben (Kreis Herzogtum Lauenburg) gesichtet. Wann Lübeck dran ist, kann Oberbeck nicht sagen. Es gebe keinen Termin.
In den USA ist das Zusatzangebot zum bekannten Routenplaner Google Maps längst der Renner: Komplette Städte hat Google dort abgelichtet. Ganze Straßenzüge lassen sich in 360-Grad-Ansicht betrachten. Auch aus Frankreich gibt es Bilder bei „Street View“. Vom heimischen Rechner aus können Nutzer etwa den Pariser „Arc de Triomphe“ aus allen Blickwinkeln betrachten. Datenschützer aber melden Bedenken an und Kommunen wollen Google das Fotografieren gar verbieten.
Den Begriff „illegal“ nimmt Marit Hansen, stellvertretende Datenschutzbeauftragte des Landes, nicht in den Mund, aber „unrechtens“ sei das Ganze auf jeden Fall. „Die Bilder lassen sich problemlos mit Adressdaten und Namen verknüpfen“, klagt Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß. Lübecks Innensenator Thorsten Geißler (CDU) meint, „Street View“ ermögliche es Firmen, Bürger gezielt mit Werbung zu überhäufen.
Der erste Privatmann im Land, der gegen die Suchmaschine zu Felde zieht, ist Willi Janicki aus Elmenhorst. Der 66-Jährige sorgt sich um seine Sicherheit. „Jeder Langfinger kann sich angucken, wie er am günstigsten in mein Haus kommt.“ Janicki hat Google per Fax verboten, sein Haus zu fotografieren. „Ich habe Google aufgefordert, mir die Unterlassung zu bestätigen. Ohne Antwort.“
In den USA gibt es mittlerweile etliche Foren, in denen die witzigsten und auch peinlichsten „Street View“-Bilder gesammelt werden – zum Beispiel von zwei jungen Frauen, die sich oben ohne im Park sonnen.
Die ganze Aufregung – Google-Sprecher Oberbeck kann sie nicht nachvollziehen: „Wir machen nichts Verbotenes. Wir bewegen uns auf öffentlichem Grund.“ Es gehe dem Unternehmen nur darum, die Welt abzubilden – „zum Beispiel, damit Sie sich vor Ihrem Urlaub schon die Stadt angucken können“.
Mit Gegenwind muss er trotzdem rechnen: „Ein Ansatz wäre, wenn Google die Aufnahmen vorher ankündigen würde. Dann könnten die Menschen Google aus dem Weg gehen“, lautet Marit Hansens Vorschlag zur Güte. Solang es aber kein Gesetz gibt, das Google solche Aufnahme verbietet, wird der schwarze Opel weiterhin im Norden unterwegs sein. Wann er wo filmt – das bleibt Googles Geheimnis.
Alex schrieb am 01.10.2008 12:22:
Wenn Sie Bilder ins Internet stellen, sollten Sie wenigstens die Kennzeichen unscharf machen, sie wissen schon, wegen Datenschutz Soweit mir bekannt macht das Google auch so
Anmerkung der Redaktion: Haben wir gemacht, danke für den Hinweis
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