Jetzt wird es ernst für die Herreninsel-Bewohner: Die Stadtverwaltung will die Grundstücks-Mietverträge der 46 Familien zum 30. September 2010 kündigen. Denn das Wohnen auf der Halbinsel „verhindert einen wirtschaftlichen Hafenbetrieb und (. . .) einen weitgehend uneingeschränkten Nachtbetrieb (. . .)“. Das geht aus einem Papier hervor, das den Senat gestern in nicht-öffentlicher Sitzung passiert hat. Die Bewohner der Halbinsel, die in die Trave hinein ragt, bekommen kräftig Gegenwind aus der Verwaltung. Sowohl die Lübeck Port Authority, das Rechtsamt, die Finanzwirtschaft, die Stadtplanung wie auch der Bereich Umwelt- und Naturschutz und die Entsorgungsbetriebe lehnen eine Verlängerung der Mietverträge ab.
Hauptgrund: Der Hafen am gegenüberliegenden Ufer soll weiter wachsen können. Das ist mit mehr Lärm verbunden. Die Häuser der Herreninsel sind aber lediglich 200 bis 1000 Meter von den Anlagen entfernt. Und je größer der Lärm, desto höher das Risiko, dass ein Anwohner gegen die Hafenarbeit klagt. Würden die Häuser der Halbinsel weiter bewohnt, sei wegen der „sehr hohen Überschreitungen“ der Lärmwerte eine „uneingeschränkte Nutzung des Nachtbetriebes“ ausgeschlossen, heißt es in dem Papier.
Das Wohnen stelle „in jedem Fall eine Gefahr für die weitere Entwicklung des Seelandkais und des Lehmannkais dar“. Außerdem bestehe sogar „die Gefahr des Verlustes von Arbeitsplätzen“. Selbst wenn die Insulaner beteuerten, das nächtliche Wummern an den Kaikanten störe sie nicht, sei „ein solcher Verzicht nicht geeignet“, weil durch den Lärm die Gesundheit der Anwohner in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, so die Stadt.
Den Bewohnern der Herreninsel sollen von der Verwaltung als Ausgleich städtische Grundstücke angeboten werden – in der Solmitzstraße in Kücknitz auf dem ehemaligen Festplatz. Außerdem ist die Stadt zu einer Entschädigungszahlung für die Gebäude verpflichtet. Eine Million Euro plant die Stadt dafür ein. Die jetzigen Mietverträge laufen seit 1980. Die Stadt muss die Kündigung bis zum 31. März 2009 aussprechen, sonst verlängern sich die Verträge um zehn Jahre.
Für die Insulaner bedeutet der Wille der Stadtverwaltung das Ende einer Tradition: Viele der Bewohner sind schon vor 1980 auf die Halbinsel gezogen. Allerdings gab es dort nie Baurecht. Ihren Ursprung hat die Siedlung auf der Herreninsel bereits unmittelbar nach Kriegsende. Die Halbinsel wurde zur Behelfsunterkunft für Ausgebombte und Flüchtlinge. Aus den provisorischen Wohnungen sind längst gepflegte Häuschen geworden – um deren Bestand es seit den 70er Jahren immer wieder Streit gibt.
Jüngst hat sich die neue Bürgerschaftsmehrheit diesem Problem gewidmet und die Verwaltung beauftragt, die Situation zu klären. Das Ergebnis ist das vorliegende Papier. Damit dürften SPD, Grüne und Bürger für Lübeck (BfL) nicht zufrieden sein – denn ihre Intention war eine andere. Sie wollten eine Regelung für Bewohner und Hafen gleichermaßen. Die ist nach Ansicht der Stadt nicht machbar. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) erklärt auf LN-Anfrage: „Die Funktionsfähigkeit des Hafens hat hohe Priorität, da geht es auch um viele Arbeitsplätze.“
Fero schrieb am 31.10.2008 09:23:
Teil 2:
Fakt ist, dass dort viele Bewohner ihr ganzes Leben verbracht haben und mit ihrem Haus und der Insel mehr verbinden, als sich der liebe Herr Saxe je erträumen kann...
Fero schrieb am 31.10.2008 09:24:
Teil 3:
Vielleicht sollte man allen Verantwortlichen auch mal ihr gesamtes Hab und Gut unter den Füssen wegreissen und Ihnen dann sagen: "Ist ja nicht so schlimm, kannst ja jetzt in die Solmitzstrasse ziehen" Bitte, was ist das denn?? In die Solmitzstraße??...
Fero schrieb am 31.10.2008 09:25:
Teil 4:
Unabhängig davon, wissen vielleicht die Wenigstens, dass die angedachte "Entschädigung" wohl kaum die Abrisskosten decken. Vielen Dank liebe Stadt Lübeck, dass die Bewohner der Herreninsel so im Stich gelassen werden
Wolfgang Muuss schrieb am 31.10.2008 11:25:
Normalerweise müßten in Siems und in Schlutup,die Hauseigentümer die unmittelbar am Hafen wohnen entschädigt werden.Auch da gibt es Nachts Lärmbelästigung.Das ist nur ein Vorwand um die Bewohner der Herreninsel um Ihre Häuser zu bringen.Damit man später für die Hamburger noch mehr Ferienhäuser bauen kann.Ich wünsche den Bewohnern der Herreninsel das dieser Plan schnellstmöglich vom Tisch kommt.
@ Wolfgang Muuss schrieb am 31.10.2008 13:33:
"Ferienhäuser für Hamburger"?
Was ist das für ein Blödsinn?
Warum sollten Hamburger Ferien an einem Industrieareal machen wollen? Wie kommen Sie auf eine so absurde Idee? Hier ist garnichts anderes als Industrienutzung möglich
Machen Sie mal einen konstuktiven Vorschlag WO der Hafen dann wachsen soll
Fero schrieb am 31.10.2008 14:46:
Wunderbar, lieber anonymer Kritiker Hier werden Existenzen zerstört Dann lassen Sie doch Ihr Haus, welches Sie vielleicht auch noch mit den eigenen Händen gebaut haben, von Baggern niederreissen damit der Hafen wachsen kann War das konstruktiv genug???
Ralf schrieb am 31.10.2008 20:14:
Was für eine Begründung?
Da stehen mal wieder Mensch dem Gewinn im Wege. Ist das erst der Anfang? Wie viel Menschen leben im Bereich ein Kilometer um die Lübecker Häfen? Wenn das leben nahe der Häfen so unzumutbar ist oder wird, kann man dann als Betroffener Entschädigung verlangen? Mich hat die Stadt mit Ihrer Begründung auf eine Idee gebracht.
Otto schrieb am 31.10.2008 21:11:
quote "Das Wohnen stelle in jedem Fall eine Gefahr für die weitere Entwicklung des Seelandkais und des Lehmannkais dar. unquote
Sowas von Disrespekt für Menschen. Wieviel zahlt der Hafenbetreiber an den Senat ??
Der Senat ist eine Schande, aber es passt irgendwie alles zusammen was in letzter zeit in Lübeck gemacht wird.
Ich schäme mich als Lübecker
K.P.R. schrieb am 31.10.2008 23:25:
Was für eine Argumentation seitens der Pleitestadt Lübeck:Lärmbelästigung,die Herreninselbewohner könnten klagen
Ich höre auch die Maschinengeräusche der Schiffe und das knallen der Schiffsrampen,wenn die LKWs darüber fahren.Dann muß ich klagen
Ich empfehle den Herreninselbewohnern gegen die Stadt zu klagen
Wolfgang Muuss schrieb am 01.11.2008 01:06:
Habe die 2 Begründung nicht geschrieben. Kann mir nicht erklären, wie der jenige mit meinem Namen das hier rein setzten konnte. Schließe mich dem Kommentar von Fero an. Super geschrieben.
Rene schrieb am 11.04.2009 17:28:
Kein Wunder das die Wähler das Vertrauen in die Politiker und deren Politik verlieren. Es ist traurig mit anzuschauen das "unsere" Vertreter sich immer öfter gegen "unser" Wohl wenden. Ich hoffe das Politiker erkennen, dass nicht nur die Wirtschaft im Vordergrund steht, sondern eine gemeinsame Lösung gefunden werden muss. Der Senat macht es sich mit einer Zwangsräumung zu einfach
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