So werden die nordelbischen Synodalen im März in Rendsburg vom Südbalkon ihres Einflussgebietes einen überaus integrativen Lösungsvorschlag zu Dialog und Neubeginn vernehmen. Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg regt an, sich selber dem Sprengel Mecklenburg-Pommern zuzuordnen und den Sitz des Sprengelbischofs oder der Sprengelbischöfin in Schwerin anzusiedeln.
Eine Geste, ein Zeichen des Willens zur Integration, den die Kirchbakauer Pastorin Friederike Schwetasch in der Standortbestimmung zum Vereinigungsprozess der mecklenburgischen und pommerschen Kirche sowie Nordelbiens mit Skepsis betrachtet. „Die Fusion zur Nordkirche hilft für mehr Verständnis zwischen Ost und West nicht“, sagte sie ins Mikrophon im Möllner Jochim-Polleyn-Haus. Es habe nach der Wiedervereinigung viel Ernüchterung gegeben. Das unterschiedlich gewachsene Kulturempfinden sei nicht „einfach fusionierbar“, mahnte die Pastorin. Der Motor der Kirchenfusion sei die Vision der Kirchenleitungen. Sie staune über den Größenwahn von Gutmenschen, „die meinen, sie könnten alles richten“. Doch mit dieser Meinung stand sie zumindest am Rednerpult allein da.
Der Gudower Pastor Martin Jürgens wirkte zehn Jahre in Pommern, im Kirchenkreis Anklam und in Eggesin, und hatte sich als „Zwitter“ zwischen Ost und West gefühlt. Er sehe es als eine der wichtigen Aufgaben der Kirche, das Gespräch zu vermitteln. Er habe eine bekennende Kirche in Pommern erlebt. Es gebe nichts Trennendes, über das man nicht ins Gespräch kommen könne. „Warum sollten wir nicht gemeinsam Kirche sein können“, schloss Pastor Jürgens seine Ausführungen.
Sein pommerscher Kollege Ulrich Tetzlaff wurde noch deutlicher: Ja, seine Kirche sei auf dem Weg nach einem Partner und störe dabei andere. Den Versuch, allein mit den Mecklenburgern einen Weg zu gehen, das hätten beide Kirchen „gemeinsam in den Sand gesetzt“.
Die Nordkirche sei der einzig mögliche „kirchliche Brückenschlag“. Und wenn es jetzt nicht passe, fragte Tetzlaff, „wann dann?“ Passen täte es nie.
Und er mahnte zur Eile: „Vom Warten seien Braut und Bräutigam noch nie schöner geworden.“ Ihn locke die Aussicht, durch die Fusion der drei Kirchen die deutsche Wiedervereinigung noch einmal neu buchstabieren zu können.
Auch die lauenburgische Pröpstin Frauke Eiben warb für das Zusammengehen mit den kirchlichen Nachbarn in Mecklenburg und Vorpommern. „Ich glaube, dass Gutes und Sinnvolles wachsen kann zwischen uns Christen“, sagte sie. Das Projekt Nordkirche sei mehr als eine Rechenaufgabe – in Anspielung an die ärmeren Nachbarn im Osten.
Ein Thema, das die den Prozess kritisch begleitende Pastorin Schwetasch aus Kirchbakau schon als „geheimen Motor der Fusion“ gegeißelt hatte. Durch alle Gremien, durch alle Sitzungen zöge sich immer wieder das Thema Geld. Es gehe immer wieder um Gehaltsstrukturen und Arbeitsplatzgarantien. Die lübsch-lauenburgischen Synodalen betonen deshalb, dass die finanziellen Fragen im weiteren Fusionsprozess „transparent und offen angesprochen werden“. Die Furcht in den Kirchenkreisen geht um, dass die Gemeinden die Kosten für die Zusammenlegung begleichen müssen. Dass der Landesbischof seinen Sitz in der Hansestadt haben soll, versteht sich für diese Synodalen fast von selbst. Aber sie wissen um die Begehrlichkeiten der anderen Städte. Größte Konkurrenten scheinen derzeit Hamburg und Kiel.
Ähnliche Meldungen im Archiv suchen 
Nach Stichwörtern:
Mölln
Lübeck
Kirchenkreissynode
Aus dem gleichen Land (DEU)
Weitere Meldungen aus
Herzogtum Lauenburg
|
|||||||||||||||||||||||||||


