ln-online/lokales vom 03.12.2008 09:08
Räuber vor Gericht: Bohlen muss als Zeuge nach Lübeck
Oktober 2007 – Überfall auf das Hermes-Lager in der Taschenmacherstraße. Die Täter erbeuten 20 000 Euro plus Schmuck. Foto: WOLFGANG MAXWITAT
Der Überfall auf die Bohlen-Villa im Dezember 2006 hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht. Die jungen Täter wurden vor gut einem Jahr zu jeweils drei Jahren Jugendstrafen verurteilt. Vor dem Lübecker Landgericht geht es jetzt um einen weiteren Einbruch in das luxuriöse Anwesen des Musikproduzenten, der weiter zurückliegt. Im Dezember 2003 soll mindestens einer der jetzt vier angeklagten Männer in das Zuhause von Bohlen in Tötensen eingedrungen sein.
Bei dem Einbruch soll Thomas K. (47) mit einigen Komplizen laut Staatsanwalt Christian Braunwarth eine fette Beute von 150 000 Euro gemacht haben. Unter anderem wurden diverse Ölgemälde, sechs Digitalkameras, 20 Damen- und Herrenuhren, zehn Lederjacken, drei antike Vasen, Flachbildschirme, ein Keyboard, hochwertige Soundsysteme aus dem Tonstudio sowie ein USB-Stick mit der Rohfassung des Bohlen-Buchs „Hinter den Kulissen“ entwendet. Im Verlauf des Prozesses, der zunächst auf zehn Verhandlungstage angesetzt ist, wird auch Dieter Bohlen als Zeuge geladen. Doch wann Bohlen von der VII. Großen Strafkammer gehört wird, steht noch nicht fest.
Warum wird überhaupt ein Einbruch in Niedersachsen vor dem Lübecker Landgericht verhandelt? „Wir haben hier die ersten Spuren ausfindig gemacht und die Fälle dann einfach übernommen“, sagt Staatsanwalt Braunwarth. Auf die Spur von Fritz J. (59), Thomas K. (47) und den beiden armenischen Brüdern Abraam M. (43) und Hamlet H. (28) sind die Ermittler nämlich nach einem Überfall im Oktober 2007 auf das Lübecker Lager des Hermes-Versands in der Taschenmacherstraße gekommen. Dort wurden vier Mitarbeiter im Verteilzentrum von vier bewaffneten Männern überwältigt und gefesselt. Die Maskierten nahmen einen Tresor mit rund 20 000 Euro Bargeld und Schmuck im Wert von 10 000 Euro in einem vom Firmengelände gestohlenen Transporter mit.
Am Tatort wurde eine DNA-Spur sichergestellt, die wenige Wochen später nach einer brutalen Raubtat in Bad Schwartau bedeutsam wurde. Einer 67-jährigen Geschäftsfrau wurde im Treppenhaus ihrer Wohnung aufgelauert. Die Täter bedrohten die Frau und zwangen sie, den Tresor zu öffnen. Bevor die Räuber die Flucht mit 26 000 Euro Bargeld und Schmuck im Wert von 76 000 Euro antraten, wurde die 67-Jährige gefesselt. Die Kriminaltechnik stellte eine DNA-Spur sicher, die mit jener vom Hermes-Überfall identisch war und zu Fritz J. führte.
Der 59-Jährige ist der Polizei bestens bekannt. Sein Vorstrafenregister mit 19 Einträgen reicht bis ins Jahr 1965 zurück. Insgesamt hat der eher seriös und spießig wirkende Mann, der vor Gericht mit dunklem Anzug, weißem Oberhemd und gepunkteter Krawatte gekleidet war, Freiheitsstrafen von rund 20 Jahren abgesessen. Dabei handelte es sich meist um Diebstähle und Raubtaten.
Im Zuge der Ermittlungen wurde das Telefon von J. in Hamburg abgehört. So kam die Polizei auf die Spur von Thomas K., der ebenfalls über ein beachtliches Vorstrafenregister verfügt. Beide Männer wurden observiert und auf frischer Tat bei einem Überfall auf ein Wettbüro im Mai dieses Jahres in Hamburg festgenommen.
K. muss sich vor dem Landgericht wegen zwölf Einbruchsdiebstählen und Raubtaten zwischen 2003 und 2008 verantworten. Bei den Überfällen ging er alles andere als zimperlich mit seinen Opfern um. So drohte er, einer Frau ins Knie zu schießen, sollte der Mann nicht den Tresor öffnen. Zum Prozessauftakt räumte er vier Taten sowie drei Tatbeteiligungen ein. Fritz J. soll an drei Überfällen mitgewirkt haben. Die beiden armenischen Brüder, die seit 1993 in Deutschland leben und im Gegensatz zu den beiden anderen Männern eher selten im Konflikt mit dem Gesetz waren, sollen jeweils an zwei Taten beteiligt gewesen sein. Der Prozess wird am Freitag, 5. Dezember, ab 9.30 Uhr fortgesetzt.
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