ln-online/lokales vom 21.12.2008 00:00
„Bin ich zu sehen?“ – Wie ein Komparse den Film erlebt
Lübeck - Der Dreh ist schon verdammt lang her. Vor anderthalb Jahren gab ich mein Filmdebüt – als einer von 1000 Komparsen.Den magischen Satz „Alles auf Anfang!“ habe ich heute noch im Ohr. Zehn-, zwölfmal musste ich mit der Revoluzzer-Meute die Rathaus-Treppe grölend erstürmen. Zehn-, zwölfmal sind wir mit Fackeln in der Hand über den Markt gelaufen. Ausgewählte Stuntmen durften dabei sogar mit Gummisteinen auf die Rathausfenster werfen.
Fast zwölf Stunden dauerte der Drehtag. Jetzt nun sollte der Lohn der Arbeit sichtbar werden. Was hat Regisseur Heinrich Breloer aus den Szenen gemacht? Bin ich überhaupt zu sehen? Zwei Fragen, die mich natürlich bei der Gala-Premiere umtreiben.
Lange muss ich nicht auf meinen Einsatz warten. Als Schlachter Berkemeyer im Hause Mengstraße 4 auftaucht und etwas von der Revolution erzählt, weiß ich Bescheid. „Gleich geht’s los“, flüstere ich meiner Ehefrau zu. Es wird lauter auf der Leinwand. Eine Horde Männer grölt auf dem Markt. Alle sind nur von hinten zu sehen. Ein Steinwurf, ein Klirren – und die Szene ist nach zwei Sekunden vorbei. Die nächste Einstellung, die Erstürmung der Rathaustreppe, dauert nur unwesentlich länger.
Die Bilder fliegen an mir vorüber. Gesichter sind kaum zu sehen – meines schon gar nicht. Ich blicke wohl ein wenig enttäuscht drein. Aufmunternde Zustimmung kommt von meiner rechten Seite. „Ich hab’ dich gesehen. Du warst ganz hinten links.“
Jetzt heißt es einfach nur noch den Film genießen und entspannen. Und bei den vielen schönen Lübeck-Bildern, die über die Leinwand flimmern, fühlt man sich als Lübecker ohnehin als ein Teil des Films. Ob mit oder ohne Gesicht: Ich war und bin dabei bei den Buddenbrooks.
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