ln-online/lokales vom 18.07.2009 00:00
Ossietzky-Medaille für Kapitän Stefan Schmidt
Lübeck - Der Lübecker Kapitän Stefan Schmidt, der im Juli 2004 mit dem Schiff „Cap Anamur“ 37 Afrikaner aus einem überfüllten Schlauchboot rettete, erhält die Carl-von-Ossietzky-Medaille 2009 der Internationalen Liga für Menschenrechte.Er habe „außerordentliche Zivilcourage bewiesen und einen besonderen Beitrag zur Verwirklichung der Menschenrechte in Deutschland und der Europäischen Union geleistet“, begründete die Liga gestern in Berlin ihre Entscheidung. Die Ossietzky-Medaille wird seit 1962 vergeben. Die Verleihung ist für den 13. Dezember im Berliner Haus der Kulturen der Welt vorgesehen.
Für den Lübecker, der gemeinsam mit seinem Ersten Offizier Wladimir Daschkewitsch und dem einstigen Vorsitzenden der Hilfsorganisation „Cap Anamur“, Elias Bierdel, seit November 2006 im italienischen Agrigent wegen eben jener Rettungsaktion vor Gericht steht (die LN berichteten), vielleicht so etwas wie ein kleiner Trost. Auf alle Fälle aber eine Anerkennung dafür, dass der Kapitän eigenverantwortlich 37 Menschen rettete, die auf dem Fluchtweg nach Europa vor der italienischen Küste in Seenot geraten waren. Mit der Ehrung will die Liga zudem auf das fortgesetzte Sterben von afrikanischen Flüchtlingen vor den Toren Europas sowie auf die „zunehmende Tendenz in Deutschland“ hinweisen, „Rassismus und Ausgrenzung gesellschaftlich und institutionell zu dulden“.
Während Schmidt, der gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, für sein humanitäres Handeln geehrt wird, sieht das die italienische Staatsanwaltschaft anders. Sie wirft ihm die Beihilfe zur illegalen Einreise in besonders schwerem Fall vor und fordert vier Jahre Haft und 400 000 Euro Geldstrafe. Das Urteil sollte zunächst Anfang Juni gefällt werden, es wurde dann auf den 21. Juli und erst vor wenigen Tagen auf den 7. Oktober vertagt.
Mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille wird neben Stefan Schmidt auch der Geschäftsmann Mouctar Bah ausgezeichnet, der seit 2005 um die Aufklärung des Todes von Oury Jalloh im Dessauer Polizeigewahrsam kämpft.
In den letzten 7 Tagen schon 14 mal gelesen - zuletzt am 29.07.2010 um 19:04.
Uwe Scheer schrieb am 18.07.2009 07:27:
Für DFV-Rundbrief Nord
iltis schrieb am 18.07.2009 15:33:
@Uwe Scheer: Können Sie Ihren Kommentar bitte übersetzen?
Mehr als verdient hat Stefan Schmidt die Ossietzky-Medaille. Ich hoffe und wünsche, er wird mit Pauken und Trompeten freigesprochen, aber da ist wohl Berlusconis Justiz vor.
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